Schufa speichert historische Daten von Verbrauchern

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Schufa speichert historische Daten von Verbrauchern. beck-aktuell, 15.07.2026 (abgerufen am: 17.07.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/202046)
Die Schufa bewertet regelmäßig die Bonität von Millionen Verbrauchern. Mit einem neuen, aktuellen Score verspricht sie mehr Transparenz. Doch wofür braucht das Unternehmen uralte Finanzdaten?
Die Wirtschaftsauskunftei Schufa speichert nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung weit mehr Finanzdaten über die Menschen in Deutschland, als bisher bekannt war. Neben der regulären Datenbank betreibe das Wiesbadener Unternehmen eine zweite Sammlung mit "historischen Daten" über teils weit zurückliegende Zahlungsvorgänge, berichteten die beiden Medien am Mittwoch. Die Datensätze seien bis zu zehn Jahre alt und beträfen nahezu jeden, zu dem schon einmal eine Auskunft eingeholt wurde – ein Schufa-Sprecher nannte eine Größenordnung von 68 Millionen Menschen als realistisch.
Gespeichert seien unter anderem alte Kredite und Kreditkarten, Pfändungen und Privatinsolvenzen sowie längst beglichene Schulden. Informationen also, von denen die Betroffenen ausgehen dürften, dass sie nach Ablauf der gesetzlichen Fristen gelöscht wurden. Auch in der Fachwelt sei die Existenz dieser Datensammlung bisher kaum bekannt gewesen.
Schufa beruft sich auf Testzwecke
Die Schufa bestätigte die Existenz der Daten. Sie würden benötigt, um neue Verfahren zur Risikoberechnung etwa bei Banken zu überprüfen, erklärte das Unternehmen. Die Vergleichstests fänden ausschließlich intern statt, die Datendetails gingen nicht an Auftraggeber. Der von der Schufa beauftragte Datenschutzexperte Tim Wybitul verteidigte die Praxis: Die Tests dienten der Überprüfung der Richtigkeit der Scores – ein wichtiger und legitimer Zweck.
Genau daran zweifelt Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Es sei für Unternehmen, die solche Daten erhielten, sehr verlockend, sie nicht nur für Testzwecke zu verwenden, sondern auch tatsächlich für Kreditentscheidungen heranzuziehen, sagte er laut tagesschau.de. Die Bayreuther Wirtschaftsrechtlerin Ruth Janal sieht für die Speicherpraxis keine Rechtsgrundlage: Eine dauerhafte Speicherung historischer Daten auf Vorrat für unbestimmte künftige Zwecke sei nach der Rechtsprechung des EuGH nicht zulässig.
Campact startet Petition
Kurz nach Bekanntwerden der Recherche startete die Kampagnenorganisation Campact auf ihrer Petitionsplattform WeAct einen Aufruf unter dem Titel "Schufa-Skandal: Schattendatenbank sofort löschen!". Die Petition richtet sich sowohl an die Schufa als auch an den Hessischen Datenschutzbeauftragten, der für die Aufsicht über das Wiesbadener Unternehmen zuständig ist. Campact fordert die sofortige Löschung der Datenbank und – sollte sich deren Rechtswidrigkeit bestätigen – die Verhängung der höchstmöglichen Strafe von 20 Millionen Euro.
Der Hessische Datenschutzbeauftragte prüft die Rechtsgrundlage der Datenbank nach Angaben von tagesschau.de bereits seit dem Frühjahr 2025. Eine Stellungnahme zu der aktuellen Berichterstattung lehnte die Behörde unter Hinweis auf das laufende Verfahren ab. Unabhängig davon hat der BGH noch über mehrere Verfahren zur Transparenz früherer Schufa-Berechnungsverfahren zu entscheiden. Seit März 2026 nutzt die Schufa ein neues Scoring-Verfahren mit zwölf offengelegten Kriterien.
- Redaktion beck-aktuell, hg
- mit Material der dpa
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Schufa speichert historische Daten von Verbrauchern. beck-aktuell, 15.07.2026 (abgerufen am: 17.07.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/202046)



