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Griechische Justiz kurz vor dem Kollaps

700.000 Verfahren offen

Klageindustrie

Das Gerichtssystem in Griechenland droht zu kollabieren: Weil Rechtsanwälte und Juristen seit Monaten gegen Steuererhöhungen und die jüngst verabschiedete Rentenreform streiken, haben sich mittlerweile mehr als 320.000 unbearbeitete Fälle angehäuft - zusätzlich zu rund 380.000 Verfahren, die vorher schon liefen. Als "Armageddon", also als biblische Schlacht bezeichnete die Athener Tageszeitung "Kathimerini" den Zustand am 09.06.2016 in einem Bericht - insgesamt seien rund 700.000 Verfahren offen.

Zehn Jahre Aufarbeitungszeit

Um all diese Fälle zu bearbeiten, bräuchten die Juristen bis zu zehn Jahre, schätzt die Zeitung. Betroffen von dem Ausstand der Juristen seien nicht nur Zivilklagen, sondern auch große Fälle von Wirtschaftskriminalität, die Geld in die Staatskassen spülen könnten.

Fünf Monate Ausstand aus Protest gegen Sparmaßnahmen

Die griechischen Juristen befinden sich bereits seit Januar 2016 im Ausstand. Sie protestieren gegen die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung, von denen sie sich besonders betroffen sehen. Nach einer Rechnung des Athener Anwaltsverbands müsste ein junger Rechtsanwalt, der 20.000 Euro im Jahr verdient, nach den neuen Gesetzen 14.000 Euro Rentenbeiträge, Krankenversicherung und Steuern zahlen. Nach Angaben des Dachverbandes griechischer Rechtsanwälte erhöhen sich durch die neuen Sparmaßnahmen die Renten- und Krankenkassenbeiträge aller Freischaffenden um 223%.