In Bad-Aibling wurden keine europäischen Ziele durch NSA und BND ausgespäht

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In Bad-Aibling wurden keine europäischen Ziele durch NSA und BND ausgespäht. beck-aktuell, 11.09.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/188136)
Vor dem 1. Untersuchungsausschuss zu NSA-Aktivitäten hat ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) bestritten, dass Deutsche und Amerikaner bei der Überwachung des satellitengestützten Datenverkehrs in der Abhöranlage in Bad Aibling Erkenntnisse über europäische Ziele gewonnen und ausgewertet hätten. Ihm sei kein Fall bekannt, in dem das tatsächlich vorgekommen sei, betonte der Zeuge bei seiner Befragung am 10.09.2015. Der 54-jährige Mathematiker war von November 2003 bis Oktober 2007 in Bad Aibling tätig. Anschließend war er bis 2014 in der BND-Zentrale für den Gesamtbereich der Technischen Aufklärung zuständig, also der Überwachung der satelliten- wie der kabelgestützten Kommunikation.
Deutschland soll vor allem Schutz des Brief- und Fernmeldegeheimnisses im Blick gehabt haben
Aus den Anfangszeiten der Zusammenarbeit des BND mit der amerikanischen National Security Agency (NSA) erinnerte sich der Zeuge an "erhebliche Diskussionen" über die Frage, welche Selektoren, also Suchmerkmale, in dem gemeinsamen Überwachungsprogramm zum Einsatz kommen dürfen. Beide Seiten seien sich einig gewesen, dass die Interessen der jeweils anderen dabei unbedingt gewahrt werden mussten. Dies sei auch der Kern der Kooperationsvereinbarung gewesen, auf der die Zusammenarbeit beruhte. Es habe deshalb bis 2005 gedauert, bevor die erste Lieferung von Selektoren, deren Verwendung der NSA am Herzen lag, in Bad Aibling eintraf. Sie sei in der BND-Zentrale "intensivst geprüft worden". Dabei sei es aus deutscher Sicht vor allem um den Schutz deutscher Grundrechtsträger vor einer Ausspähung gegangen, die dem in Art.10 GG garantierten Brief- und Fernmeldegeheimnis zuwiderliefe.
Daten französischer Luftfahrtkonzerne nicht verwendet
Ende 2005, berichtete der Zeuge, sei der mit der Betreuung der Selektorendatenbank in Bad Aibling befasste Mitarbeiter auf ihn zugekommen und habe mitgeteilt: "Ich habe da etwas, das ich nicht als G10 bewerte, bei dem ich aber trotzdem Bauchschmerzen habe, das freizugeben." Es habe sich um Daten der französischen Luftfahrtkonzerne EADS und Eurocopter gehandelt, die von der NSA in den Bestand der Suchbegriffe eingespeist worden seien. Diese Selektoren seien aber nie zum Einsatz gekommen, sondern "von uns rausgeworfen" worden, betonte der Zeuge, der an ein Versehen der NSA glaubt. Der Vorgang sei "ein Fehler in deren Prozess" gewesen.
Abhörwünsche der USA sollen bis 2012 auf Vereinbarkeit mit Kooperationsabkommen geprüft worden sein
Die Entdeckung der beiden fragwürdigen Selektoren Ende 2005 sei eine Ausnahme gewesen. Später sei Vergleichbares nicht mehr aufgefallen, man habe "aber auch nicht danach gesucht". Bis 2012 seien in Bad Aibling NSA-Mitarbeiter stationiert gewesen, die die Abhörwünsche ihres Dienstes bereits im voraus auf Vereinbarkeit mit dem Kooperationsabkommen geprüft hätten, bevor sie an den BND weitergeleitet wurden. Nach dem Abzug der Amerikaner habe möglicherweise die Kontrolle an Effizienz eingebüßt.
Priorität lag laut Zeugen nicht auf Beobachtung europäischer Ziele
Bei einer Überprüfung des Selektorenbestandes im August 2013 seien dann zahlreiche Suchmerkmale identifiziert und abgeschaltet worden, die sich gegen europäische Ziele richteten. Es sei aber nahezu ausgeschlossen, dass sie jemals eine praktische Rolle bei der Gewinnung von Erkenntnissen gespielt hätten, betonte der Zeuge. Er erklärte dies mit der schieren Menge des Datenflusses. In Bad Aibling würden 200 Nachrichtensatelliten überwacht, insgesamt 100.000 Kommunikationskanäle. Dies zwinge zu einer strikten Beschränkung, bei der die Priorität gewiss nicht auf der Beobachtung europäischer Ziele liege. Insgesamt betrage der Anteil verwertbarer Ergebnisse nur 0,5 Promille.
- Redaktion beck-aktuell
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In Bad-Aibling wurden keine europäischen Ziele durch NSA und BND ausgespäht. beck-aktuell, 11.09.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/188136)



