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Aufregung um Legal500-Ranking

"Not seen on their feet in many years"

Screenshot der Website mit dem Slogan "Benchmarking excellence in law since 1987"
Das Legal500-Ranking hat leichte Turbulenzen hinter sich. © Screenshot

Legal500 veröffentlichte bei einigen Top-Anwälten versehentlich negative Bewertungen. Nach Kritik aus der Branche schaltete der Verlag die gesamte Website ab. Unklar ist weiterhin, woher die teils kuriosen Kommentare stammten.

Eigentlich sollen die jährlichen Rankings von Legal500 die renommiertesten Kanzleien auszeichnen. In diesem Jahr sorgte die Veröffentlichung jedoch aus einem anderen Grund für Aufmerksamkeit: Wie unter anderem The Law Society Gazette berichtete, erschienen bei einzelnen Anwältinnen und -Anwälten teilweise vernichtende Bewertungen.

Die aktuellen Rankings waren zunächst regulär online gegangen. Kurz darauf begannen jedoch Screenshots von Bewertungen zu kursieren, die nicht dem Tonfall entsprachen, den man bei Legal500 erwarten würde. Beim diesjährigen Ranking stellten aber zahlreiche Betroffene fest, dass neben ihren Platzierungen Kommentare erschienen waren, die offensichtlich nicht als öffentliche Empfehlung gedacht waren.  

Legal500 bestätigte den Vorfall gegenüber beck-aktuell.HEUTE IM RECHT. Ein Fehler im Upload-Prozess habe dazu geführt, dass "eine kleine Menge an Testimonial-Informationen fehlerhaft veröffentlicht wurde".

"Her written work can sometimes be sloppy"

Besonders bemerkenswert war dabei der Ton mancher Einträge. Ein Anwalt wurde etwa als "adequate but disorganised and indecisive" ("solide, aber unorganisiert und unentschlossen") beschrieben. Über eine Anwältin hieß es zwar zunächst, sie sei eine "formidable oral advocate" ("eine beeindruckende mündliche Fürsprecherin"). Der Kommentar ergänzte jedoch: "Her written work is good but can sometimes be sloppy" ("Ihre schriftliche Arbeit ist gut, aber gelegentlich nachlässig"). 

Über eine andere Person hieß es unter anderem: "Not seen on their feet in many years" ("Er/Sie wurde seit vielen Jahren nicht mehr auf den Füßen [vor Gericht] gesehen"). In einem anderen Kommentar lautete die Mandanteneinschätzung: "His Temperament can be diffcult to deal with sometimes" ("Sein Temperament kann manchmal schwer zu handhaben sein").

Andere Einträge wirken weniger kritisch als vielmehr rätselhaft. Unter dem Profil eines Juristen stand lediglich die Bemerkung "Nothing of note" ("Nichts Erwähnenswertes"). Eine andere Person wurde ausschließlich mit den Worten "Impressive building and facilities" ("Beeindruckende Gebäude und Einrichtungen") beschrieben.

Mehrere der veröffentlichten Kommentare enthielten aber auch detaillierte Kritik an Arbeitsweise, Kommunikation oder Organisation der genannten Top-Anwältinnen und -Anwälte. Zudem sollen vereinzelt Null-Sterne-Bewertungen neben Spitzenplatzierungen erschienen sein.

Legal500 spricht von Upload-Fehler

Legal500 entfernte die Einträge nach Bekanntwerden zunächst schrittweise. Wenig später wurde dann die gesamte Website offline genommen. Inzwischen ist sie jedoch wieder online.

Der Verlag führte die Veröffentlichung gegenüber beck-aktuell.HEUTE IM RECHT auf ein technisches Problem zurück. Nachdem man von dem Fehler erfahren habe, seien die Inhalte umgehend entfernt worden. Gleichzeitig habe das Unternehmen zusätzliche Prüfungen eingeleitet. Weiter erklärte ein Sprecher: "Wir wissen, wie wichtig es ist, sicherzustellen, dass die von uns veröffentlichten Informationen korrekt sind, und nehmen diese Angelegenheit äußerst ernst."

Das Unternehmen entschuldigte sich zudem bei seinen Kundinnen und Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Man arbeite daran, die Qualitätssicherung und die internen Schutzmechanismen zu verbessern, um vergleichbare Vorfälle künftig zu verhindern.

Legal 500 erläuterte auch auf Nachfrage nicht, aus welcher Quelle die Kommentare stammten und weshalb sie überhaupt gemeinsam mit den endgültigen Rankings veröffentlicht werden konnten.

Ranking gilt als wichtiger Branchenmaßstab

Die jährlichen Legal500-Rankings gehören zu den bekanntesten Verzeichnissen der internationalen Rechtsbranche. Das britische Unternehmen bewertet seit 1987 Kanzleien sowie Anwältinnen und Anwälte in rund 100 Ländern. Die Platzierungen spielen im Marketing zahlreicher Kanzleien eine wichtige Rolle.

Nach Angaben von Legal500 entstehen die Rankings auf Grundlage umfangreicher Recherchen, Mandantenrückmeldungen und Einschätzungen aus der Branche. Kanzleien übermitteln hierfür Informationen zu Mandantinnen und Mandanten sowie Referenzen und Ansprechpartnern. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird im Netz aufmerksam verfolgt. Ob auch deutsche Anwältinnen und Anwälte von dem fehlerhaften Upload betroffen waren, lässt sich rückblickend nicht mehr sagen.