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Karikaturpreis der Anwaltschaft

Til Mette zeichnet den Rechtsstaat

Til Mette und Ulrich Wessels auf dem Podium bei der Preisverleihung
Til Mette (2. v.l.) erhält die Preisurkunde aus den Händen des BRAK-Präsidenten Ulrich Wessels © Joachim Jahn

Die Bundesrechtsanwaltskammer hat den Cartoonisten Til Mette mit dem 15. Karikaturpreis ausgezeichnet. Drei Jahrzehnte lang prägte er die Satireseite im "stern" – jetzt widmete er der Anwaltschaft sein neuestes Werk.

Bei der Verleihung am Mittwochabend in einer ehemaligen Berliner Fabrik feierte die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) den Bielefelder Cartoonisten für sein Lebenswerk. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis würdigt Mettes jahrzehntelange Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen – mit wenigen Strichen, aber auf den Punkt.

BRAK-Vizepräsident Thomas Remmers eröffnete den Abend unter dem Motto "Das wird man ja wohl noch zeichnen dürfen!" und erinnerte daran, dass Karikatur "Waffe und Werkzeug zugleich" und damit fester Bestandteil des demokratischen Rechtsstaats sei. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) schlug in ihrem Grußwort einen ähnlichen Ton an: "Karikaturen und politische Witze gehören zu einer freien Demokratie. Sie dürfen zuspitzen, provozieren und auch weh tun." Diese Freiheit wolle man schützen.

Weltpolitik vom Wohnzimmersofa

Laudator Martin Sonntag, Leiter des Caricatura Museums Frankfurt, nannte Mette einen "Kenner des Lebens, der Welt und der Komik" und lobte seine Fähigkeit, dem Publikum durch Humor die Welt begreiflich zu machen. Jurymitglied Julia Haderer von der Schule des Ungehorsams ergänzte: Mettes Cartoons seien "Weltpolitik in der Geborgenheit des Wohnzimmers". In seinen schwarz-weißen Alltagsszenen – am Küchentisch, auf dem Sofa, im Park – fühle man sich sofort zu Hause, bis eine absurde Pointe einen aus der Behaglichkeit reiße.

Til Mette (auch Gotthard-Tilmann Mette), geboren 1956 in Bielefeld, studierte Geschichte und Kunst in Bremen und gründete 1985 die "taz Bremen" mit. Eigentlich wollte er Lehrer werden, doch schon während des Studiums druckte die "Süddeutsche Zeitung" seine ersten Cartoons. Von 1995 bis 2025 zeichnete er wöchentlich für den "stern" und wurde so einer der bekanntesten deutschen Cartoonisten.

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Fineliner auf Papier für die BRAK

Für die Preisverleihung schuf Mette eigens das Werk "Rechtsstaat" – eine Zeichnung mit Fineliner und Filzstift in Schwarz auf Papier. Als limitierter Kunstdruck in 100 handsignierten Exemplaren ist das Bild über die BRAK erhältlich. Das Publikum quittierte den Abend mit stehenden Ovationen.

Den Karikaturpreis der deutschen Anwaltschaft verleiht die BRAK seit 1998 alle zwei Jahre. Unter den bisherigen Preisträgern finden sich Größen wie Ronald Searle, Marie Marcks, Hans Traxler und Greser & Lenz.