Sexismus-Vorfall in Online-Lehrgang

Zitiervorschlag
Dr. Jannina Schäffer: Sexismus-Vorfall in Online-Lehrgang. beck-aktuell, 20.04.2026 (abgerufen am: 20.04.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/196551)
In einem digitalen Einführungslehrgang für die Anwaltsstation dachten zwei Ausbilder, sie seien stumm geschaltet, und unterhielten sich privat – für alle hörbar. Ein Anwalt bezeichnete dabei Justizmitarbeiterinnen als "Mäuschen". Die Rechtsanwaltskammer München verspricht nun Aufklärung.
Ein Sexismus-Skandal in einem Referendar-Lehrgang des OLG München beschäftigt nun auch die dortige Anwaltskammer. Die Veranstaltung fand am 15. April statt und war Teil des Einführungslehrgangs zur Anwaltsstation. Am Meeting nahmen rund 400 bayerische Referendarinnen und Referendare teil. Organisiert worden war die Veranstaltung vom OLG München, Inhalte und Dozenten wurden von der Rechtsanwaltskammer (RAK) München gestellt.
Kurz nach Beginn des Online-Lehrgangs wurde eine etwa 20‑minütige Pause eingelegt, in der die Referendarinnen und Referendare einen Sachverhalt für eine spätere Klausurübung lesen sollten. Während dieser Pause unterhielten sich die beiden Anwälte über ihren Berufsalltag. Sie bemerkten zunächst nicht, dass ihre Mikrofone weiterhin aktiviert waren.
Einer der Dozenten sprach über seine Erfahrungen mit Behörden und der Justiz. In diesem Zusammenhang bezeichnete er Mitarbeiterinnen einer gerichtlichen Geschäftsstelle nach übereinstimmenden Berichten von Referendarinnen und Referendaren mehrfach als "Mäuschen". Außerdem soll er behauptet haben, eine der Mitarbeiterinnen arbeite "vom Bett aus".
Kritik im Chat und Abbruch der Veranstaltung
Nach der Pause konfrontierten Referendarinnen und Referendare die beiden Ausbilder im Chat mit dem Gesagten. Sie kritisierten die Wortwahl als sexistisch, respektlos und unvereinbar mit einer verpflichtenden Ausbildungsveranstaltung. Zunächst entschuldigte sich keiner der beiden Anwälte für die Wortwahl. Stattdessen versuchte der Dozent, der das Wort "Mäuschen" selbst nicht verwendet hatte, die Situation zu relativieren. Seine Äußerungen wurden von den Referendarinnen und Referendaren jedoch als verharmlosend und ebenfalls sexistisch wahrgenommen.
Nach übereinstimmenden Schilderungen verließ ein Teil der Referendarinnen und Referendare daraufhin das Meeting. Mehrere Arbeitsgemeinschaften erklärten im Chat geschlossen oder überwiegend, aufgrund des Vorfalls auszutreten. Sie begründeten dies mit dem als unprofessionell empfundenen Umgangston und fehlender Sensibilität der Ausbilder. So erklärte die Arbeitsgemeinschaft des LG Augsburg nach Angaben des Portals JURios beispielsweise: "Aufgrund der heutigen Vorkommnisse und des für uns inakzeptablen Umgangs mit sprachlichem Sexismus hat sich die Mehrheit der AG des LG Augsburg dazu entschieden, die Veranstaltung geschlossen zu verlassen."
Der Vorfall verbreitete sich rasch über die sozialen Netzwerke. Unter Überschriften wie "Storytime: Sexismus in der Ref-Ausbildung" oder "wish I could be surprised aber no I ain’t" erreichten Berichte und Kommentare ein breites Publikum.
RAK München verspricht Aufklärung
Am Tag nach der Veranstaltung wandte sich die Präsidentin der RAK München, Anne Riethmüller, in einem Schreiben an die Teilnehmenden. Sie erklärte: "Die geschilderten Äußerungen und das Verhalten entsprechen in keiner Weise den Maßstäben, die wir als Rechtsanwaltskammer an einen respektvollen, professionellen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander und insbesondere auch mit Angehörigen der Justiz stellen. Dies gilt natürlich auch für die juristische Ausbildung."
Weiter kündigte sie an: "Wir werden den Sachverhalt umfassend aufklären und dazu auch die beteiligten Referenten anhören." Ob und welche Konsequenzen daraus gezogen werden, ließ die Kammer zunächst offen.
Das OLG München äußerte sich gegenüber JURios ebenfalls zu dem Vorfall. Laurent Lafleur, Richter und Pressesprecher am OLG München, betonte, dass der Einführungslehrgang von der RAK München eigenständig durchgeführt werde. Das OLG übernehme lediglich die Terminabstimmung und nehme keinen Einfluss auf die Auswahl der Dozentinnen und Dozenten. Man habe die RAK München gebeten, den eingegangenen Beschwerden nachzugehen und mögliche Konsequenzen zu prüfen. Weiter teilte er mit: "Losgelöst vom konkreten Fall erwarten wir von den Dozenten ein vorbildliches Verhalten."
Zitiervorschlag
Dr. Jannina Schäffer: Sexismus-Vorfall in Online-Lehrgang. beck-aktuell, 20.04.2026 (abgerufen am: 20.04.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/196551)




