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Brosius-Gersorf zur Richterwahl

"Ein ganzes Stück Frauenfeindlichkeit"

Frauke Brosius-Gersdorf, eine Frau mit blonden Haaren, Pferdeschwanz und Brille, sitzt auf einem Stuhl. Auf ihrem hellblauen Jacket befindet sich ein weißes Namensschild. Im Hintergrund sieht man eine weiße Tafel, auf der Ludwig Erhard Gipfel steht.
Frauke Brosius-Gersdorf, am 30.04.2026 auf dem Ludwig Erhard Gipfel auf Gut Kaltenbrunn am Tegernsee © SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

2025 stand die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf vor der Wahl zur Richterin am BVerfG. Doch dann kam alles anders. Rückblickend fällt ihr Fazit zu den Gründen klar und deutlich aus.

Die in Deutschland weiterhin vorhandene Frauenfeindlichkeit hat nach Ansicht der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf dazu beigetragen, dass ihre Wahl zur Verfassungsrichterin gescheitert ist. "Jetzt mit ein bisschen Abstand und so im Rückblick würde ich sagen, da war schon Frauenfeindlichkeit dabei. Auch ein ganzes Stück Frauenfeindlichkeit. Da muss man nicht nur in die sozialen Medien schauen, wo bis zum heutigen Tag Hass und Hetze im Zusammenhang mit der Richterwahl verbreitet wird und das oft sexistisch frauenfeindlich unterlegt wird", sagte sie beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group am Tegernsee.

Brosius-Gersdorf ist seit Oktober 2021 Inhaberin des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam. Im Juli 2025 sollte sie auf Vorschlag der SPD zur Richterin des BVerfG gewählt werden. Wegen Vorbehalten aus der Union gegen sie wurde die Wahl abgesagt. Im August zog sie schließlich ihre Kandidatur zurück.

Brosius-Gersdorf betonte, sie sei in der Debatte anders behandelt worden, als es bei einem Mann der Fall gewesen wäre: "Was mich eigentlich im Nachhinein am meisten gestört und verstört hat, ist, dass mir von Medien, aber auch aus Reihen der Politik vorgeworfen wurde, dass ich überhaupt öffentlich aufgetreten sei als Wissenschaftlerin, dass ich meine Wissenschaft in die Öffentlichkeit transferiert hätte." Dabei sei ihr zum einen vorgeworfen worden, "exponiert, profiliert und selbstbewusst" gewesen zu sein, zum anderen ihr Aktivismus sowie ein politisches Wirkungsbedürfnis. Bei einem Mann wären diese Eigenschaften als souverän, durchsetzungsstark und Führungsqualitäten gewertet worden, so die Juristin.

Sie bedauerte, dass ihr in der Debatte nicht die Gelegenheit gegeben wurde, sich selbst in der Unionsfraktion im Bundestag auf der Sachebene zu den Vorwürfen zu äußern. "Aber sie hat mich nicht eingeladen", sagte Brosius-Gersdorf.