Rechtsabteilungen nutzen KI – und erwarten das auch von Kanzleien

Zitiervorschlag
Prof. Dr. Joachim Jahn: Rechtsabteilungen nutzen KI – und erwarten das auch von Kanzleien. beck-aktuell, 17.09.2026 (abgerufen am: 18.09.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/206026)
In Rechtsabteilungen spielt KI eine immer größere Rolle, viel juristische Arbeit wird jetzt inhouse erledigt. Eine Studie des Legal Tech Verbands gibt darüber Aufschluss, welche Tools Juristen nutzen - und wie sich KI auf den Arbeitsmarkt auswirkt.
Was der Branchenverband ermitteln ließ, ist für Kanzleien kein erfreuliches Ergebnis. "Aufgaben, die wir vor zwei bis drei Jahren noch an Kanzleien ausgelagert hätten, erledigen wir heute zunehmend selbst", antworteten 57% der befragten Unternehmensjuristinnen und -juristen.
Lauritz Gerlach, Associate der Kanzlei Chatham Partners in Hamburg, präsentierte das Ergebnis des Legal Tech Monitors 2026, basierend auf Befragungen von knapp 360 Personen*, am Donnerstag auf dem Legal Tech Day, einer Veranstaltung des Legal Tech Verbands Deutschland. Auch der Verlag C.H.Beck, zu dem auch beck-aktuell.HEUTE IM RECHT gehört, ist einer der Sponsoren der Studie, die zudem rund 30 Interviews sowie andere Untersuchungen auswertet.
Der Legal Tech Monitor 2026 zeigt auch: Stattliche 73% der befragten Unternehmensjuristinnen und -juristen gaben an, sie würden ihre Mandate bei Kanzleien bündeln, die durch KI nachweislich Kosten sparten. Immerhin fast 40% gaben an, bei der Auswahl externer Rechtsberater schon jetzt Nachweise oder Auskünfte zum Einsatz von Legal Tech oder KI einzufordern. 39% der Kanzleien haben nach Angaben der Befragten ihr Abrechnungsmodell wegen KI angepasst: Vier von fünf davon achten demnach auf eine wertbasierte Abrechnung etwa durch Festpreise.
Legal-AI-Workspaces verdrängen klassische Legal-Tech-Produkte
Gefragt nach Legal-Tech-Anwendungen, denken die meisten Befragten im Jahr 2026 an Legora (35%), Beck-Noxtua (34%), Harvey (29%) und Libra (27%) – gefolgt mit aktuell nur 14% von Claude for Legal. Flightright, noch vor wenigen Jahren der stets genannte Pionier der Legal-Tech-Welt, taucht nun nur noch mit 4% auf.
Noch weiter verbreitet als juristische KI sind allerdings die General-Purpose-KIs Microsoft Copilot, ChatGPT Business und Claude Team. Mit denen haben immerhin 73% der Antwortenden einen Vertrag geschlossen; gegenüber 61%, die eine Lizenz für spezifisch juristische Tools wie* Legora, Beck-Noxtua, Harvey oder Libra gekauft haben.
Mit Abstand am meisten rechnen die Anbieter pro Lizenz ab. Nutzungsbasierte Preismodelle zum Beispiel nach verbrauchten Tokens würden weder viel nachgefragt noch von den KI-Unternehmen angeboten, so die Studie. Einen fehlenden Überblick über den Markt der Legal-Tech-Tools bemängeln übrigens nur noch 14% der Befragten, im Jahr 2024 waren es noch 32%.
Mehr Personal - weniger Arbeitsplätze?
Juristisches Personal wie Voll- und Wirtschaftsjuristen und -juristinnen zu gewinnen ist wenigstens leichter geworden: Vor zwei Jahren fanden das 59% schwierig, 2026 noch 37%. Um sich greift die Sorge um Arbeitsplatzabbau durch KI: Sie stieg von verhalten bejahenden 29% auf eindeutige 49%.
Der Legal Tech Verband ist ein Zusammenschluss von über 200 Unternehmen, Kanzleien, Start-ups und anderen Institutionen, die den Rechtsmarkt digitalisieren wollen. Mit dem Legal Tech Monitor will der Verband Zahlen und Fakten liefern, um beispielsweise Investoren aufmerksam zu machen oder Zweifler von den Potenzialen der Digitalisierung zu überzeugen. Sinn sei eine systematische Bestandsaufnahme der vorhandenen Lösungen, Technologien und Trends des Legal-Tech-Markts in Deutschland mit fundierten Informationen für Entscheidungsträger und Marktakteure.
*Transparenzhinweis: Formulierung auf Hinweis des Studienautoren präzisiert. jja., 17.9.26, 21.25 Uhr
Zitiervorschlag
Prof. Dr. Joachim Jahn: Rechtsabteilungen nutzen KI – und erwarten das auch von Kanzleien. beck-aktuell, 17.09.2026 (abgerufen am: 18.09.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/206026)




