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VGH Kassel

Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis auch mit Aufenthaltsgestattung möglich

Und ewig grüßt das Schlüsseltier

Eine von der Ausländerbehörde nach dem Asylverfahrensgesetz ausgestellte Aufenthaltsgestattung ist ein für die Beantragung einer Fahrerlaubnis ausreichender amtlicher Nachweis über Ort und Tag der Geburt des Fahrerlaubnisbewerbers. Dies hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel mit Urteil vom 09.06.2015 entschieden (Az.: 2 A 732/14).

Sachverhalt

Dem Urteil zugrunde liegt die Klage eines Asylbewerbers, der im Jahr 2009 aus seiner Heimat Afghanistan in die Bundesrepublik Deutschland eingereist ist. Er besitzt keine amtlichen Nachweise seines Heimatlandes über Tag und Ort seiner Geburt. Über die Durchführung seines – noch nicht abgeschlossenen - Asylverfahrens hat ihm die Ausländerbehörde eine Aufenthaltsgestattung nach den Bestimmungen des Asylverfahrensgesetzes ausgestellt. Dieses Dokument enthält den Vermerk, dass die daraus ersichtlichen Angaben zur Person auf den eigenen Angaben des Inhabers beruhen. Der Kläger beantragte, ihm den Erwerb der Fahrerlaubnis auch ohne einen unmittelbaren Nachweis seines Heimatlandes über seine Abstammung und Herkunft zu gestatten.

Kreis verlangte Geburtsurkunde oder Pass

Er bot der Behörde eine eidesstattliche Versicherung über Ort und Tag seiner Geburt an. Dies lehnte der zuständige Kreis ab. Eine Aufenthaltsgestattung genüge nicht den Anforderungen der Fahrerlaubnis-Verordnung, nach denen dem Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis ein amtlicher Nachweis über Tag und Ort der Geburt des Bewerbers beizufügen sei. Solche Nachweise könnten nur eine Geburtsurkunde, eine Abschrift des Familienstammbuchs, ein Personalausweis oder ein Reisepass sein. Die dagegen gerichtete Klage vor dem Verwaltungsgericht war erfolgreich.

VGH: Aufenthaltsgestattung genügt

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat nunmehr auch die Berufung des Kreises zurückgewiesen und zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt, die Forderung des Kreises, der amtliche Nachweis über Tag und Ort der Geburt eines Fahrerlaubnisbewerbers müsse ausdrücklich durch Urkunden wie eine Geburtsurkunde, eine beglaubigte Abschrift des Familienstammbuchs, einen Personalausweis oder einen Reisepass geführt werden, sei weder durch den Wortlaut der einschlägigen Vorschriften des Straßenverkehrsgesetzes und der Fahrerlaubnis-Verordnung gedeckt noch nach Sinn und Zweck dieser Vorschriften erforderlich. Vielmehr könnten im Einzelfall auch amtliche Dokumente wie eine Aufenthaltsgestattung nach dem Asylverfahrensgesetz ausreichend sein.

Eindeutige Identifizierung möglich

Die Übernahme von Daten über Tag und Ort der Geburt aus einer Aufenthaltsgestattung in das Bundeszentralregister, das Verkehrszentralregister und das Fahreignungsregister bewirkten, dass die betreffende Person aufgrund dieser Registereintragungen eindeutig identifiziert werden könne und eine spätere Veränderung der dort stehenden Daten grundsätzlich ausgeschlossen sei. Damit werde dem Zweck der Register genügt, den Fahrerlaubnisinhaber eindeutig identifizieren und später auftretende etwaige Eignungsbedenken dieser Person zuordnen zu können. Eine Aufenthaltsgestattung mit Lichtbild genüge des Weiteren auch zur Vorstellung bei der theoretischen und bei der praktischen Fahrprüfung.

Wortlaut der Fahrerlaubnis-Verordnung ist Redaktionsversehen

Soweit im Wortlaut der hierfür einschlägigen Vorschriften der Fahrerlaubnis-Verordnung ausschließlich der Personalausweis und der Reisepass aufgeführt seien, handele es sich um ein Redaktionsversehen des Verordnungsgebers. Es könne nämlich nicht angenommen werden, dass der Verordnungsgeber alle Personen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, die nicht über einen Personalausweis oder einen Reisepass verfügen, also insbesondere auch diejenigen Ausländer, die ihrer Ausweispflicht nach den Bestimmungen des Aufenthaltsgesetzes genügen, von vornherein von der Ablegung einer theoretischen und praktischen Fahrprüfung ausschließen wollte. Das für eine Aufenthaltsgestattung nach dem Asylverfahrensgesetz vorgeschriebene Lichtbild würde auch im Regelfall ausreichen, um einen Prüfer von der Identität eines Fahrerlaubnisbewerbers zu überzeugen.