Produktplatzierung des "Pick up"-Keksriegels im RTL-Dschungelcamp unzulässig

Zitiervorschlag
Produktplatzierung des "Pick up"-Keksriegels im RTL-Dschungelcamp unzulässig. beck-aktuell, 18.02.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/180531)
Der Privatsender RTL ist mit seiner Klage gegen eine Beanstandungsverfügung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) vor dem Verwaltungsgericht Hannover gescheitert. Die Richter bejahten das Vorliegen einer unzulässigen Produktplatzierung des Pick up-Riegels in einer 2014 ausgestrahlten Folge der Fernsehreihe Dschungelcamp. Akteure der Sendung hätten das Gebäck aus dem Hause Leibniz übertrieben verbal gelobt, ohne dass die Handlung weitergegangen sei. Dies sei unzulässig (Az.: 7 A 13293/15).
Produkt darf nicht zu stark herausgestellt werden
Die NLM hatte die Produktplatzierung des Schokoladengebäcks "Leibniz Pick up" in einer im Jahr 2014 von RTL ausgestrahlten Folge der Fernsehreihe "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" (Dschungelcamp) als unzulässig beanstandet. Produktplatzierung ist die "gekennzeichnete Erwähnung oder Darstellung unter anderem von Waren in Sendungen gegen Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung mit dem Ziel der Absatzförderung". Der Rundfunkstaatsvertrag (RStV) erlaubt die Produktplatzierung unter anderem in Sendungen der leichten Unterhaltung (§ 44 RStV), wenn mehrere Voraussetzungen erfüllt werden. Eine dieser Voraussetzungen ist, dass das Produkt nicht "zu stark" herausgestellt wird (§ 7 Abs. 7 Satz 2 Nr. 3 RstV).
Produkt wurde gezeigt und gelobt
In der beanstandeten, circa eineinhalb Minuten dauernden Sequenz war den Teilnehmern der Sendung als "Preis" für eine erfolgreich absolvierte "Prüfung" eine Metallkiste gefüllt mit einer Großpackung "Pick up" überlassen worden. Nach Öffnen der Truhe wurde die Packung sichtbar in die Höhe gehalten. Die Akteure reagierten mit Jubel. In Einzeleinstellungen wurde gezeigt, wie die Teilnehmer lustvoll das Gebäck verzehrten. In weiteren Äußerungen einzelner Teilnehmer in einer Interviewkabine ("Dschungeltelefon") beziehungsweise "aus dem Off" wurde auf das Produkt lobend Bezug genommen.
Werbezweck darf Sendungsgeschehen nicht dominieren
Nach Inaugenscheinnahme der beanstandeten Sequenz in der mündlichen Verhandlung hat das VG Hannover die Einschätzung der NLM, das Produkt sei in unzulässiger Weise hervorgehoben worden, bestätigt. Zwar erlaube der RStV im vorliegenden Zusammenhang die Produktplatzierung sogar im Sinn einer starken Hervorhebung. Unzulässig sei jedoch eine "zu starke" Hervorhebung, damit eine Abgrenzung zur Werbung erkennbar bleibe. Eine Herausstellung sei "zu stark", wenn der Werbezweck das Sendungsgeschehen dominiere und der natürliche Handlungsablauf ihm gegenüber in den Hintergrund gerückt sei.
Erste Szenen noch zulässig
Die ersten Szenen der Produktplatzierung hätten den programmatisch-dramaturgischen Zusammenhang noch gewahrt. Dies gelte für die Verwendung des Produkts als Belohnung für die hungrigen Kandidaten ebenso wie für den Jubel der Akteure bei Öffnung der Truhe. Auch die Einzelaufnahmen der Kandidaten beim "genüsslichen" Verzehr der Kekse hätten noch nicht gegen das Übermaßverbot verstoßen.
Huldigung des Riegels in Interviewkabine und "aus dem Off" zu viel
Die Grenze zur unzulässigen Produktplatzierung sei jedoch mit den nachfolgenden Äußerungen einzelner Kandidaten zum Produkt in der Interviewkabine ("Dschungeltelefon") und "aus dem Off" überschritten worden. Zu diesem Zeitpunkt sei der eigentliche Handlungsstrang abgeschlossen gewesen. Mit den Sätzen: "Man weiß gar nicht, wie man wirklich diese kleinen Dinge im Leben jetzt auf einmal zu schätzen weiß. Das ist eine Geschmacksbombe", "Die süße Schokolade war absolut ein Traum. Ich hätte gern alle fünf Riegel auf einmal gegessen, muss ich gestehen", "Hammer, krass, lecker, yummi", "Geil", "War echt traumhaft. Ich möchte einfach mehr", "Das hat wirklich alles: Karamell, Schokolade und Keks. Was will man mehr?", "Kannst Du Dich auch vermehren?" sei nach Abschluss des Handlungsstrangs ausschließlich auf das Produkt Bezug genommen worden. Liege ohne weitere Handlung eine übertriebene verbale Lobpreisung des Produkts durch Akteure in der Sendung vor, sei das Produkt "zu stark" hervorgehoben und die Produktplatzierung unzulässig. Bei den zitierten Einzeläußerungen der Akteure habe der Werbezweck dominiert. Gegen das Urteil steht RTL der Antrag auf Zulassung der Berufung an das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg zu.
- Redaktion beck-aktuell
- VG Hannover
- Urteil vom 18.02.2016
- 7 A 13293/15
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Produktplatzierung des "Pick up"-Keksriegels im RTL-Dschungelcamp unzulässig. beck-aktuell, 18.02.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/180531)



