Betreiber einer SB-Autowaschanlage muss im Winter nicht auf Gefahr durch überfrierendes Waschwasser hinweisen

Zitiervorschlag
Betreiber einer SB-Autowaschanlage muss im Winter nicht auf Gefahr durch überfrierendes Waschwasser hinweisen. beck-aktuell, 05.10.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/187026)
Dass es beim winterlichen Betrieb eines Selbstbedienungswaschplatzes durch betriebsbedingt verspritztes Wasser zu einer – mit vertretbarem Aufwand – nicht zu verhindernden Glättebildung kommen kann, ist allgemein bekannt. Auf diese Gefahr müsse ein Kunde deswegen nicht hingewiesen werden, so das Oberlandesgericht Hamm. Das Urteil vom 22.05.2015 (Az.: 9 U 171/14, BeckRS 2015, 15608) ist nicht rechtskräftig. Die Revision ist beim Bundesgerichtshof unter dem Aktenzeichen VI ZR 413/15 anhängig.
Sturz auf dem Rückweg zum Auto
Die Klägerin suchte im Februar 2013 bei Temperaturen im Bereich des Gefrierpunktes die nahe liegende Selbstbedienungs-Autowaschanlage des beklagten Betreibers auf, um dort ihr Fahrzeug selbst zu waschen. Nachdem sie ihr Auto mittels einer Waschbürste gereinigt hatte, stürzte sie auf dem Weg zu einem Mülleimer circa einen Meter vor ihrem Fahrzeug. Sie selbst führt dies darauf zurück, dass beim Reinigen verlaufenes Waschwasser zwischenzeitlich an einzelnen Stellen gefroren war. Die Klägerin erlitt Frakturen an einem Lendenwirbel und der linken Hand und musste operativ versorgt werden. Vom Beklagten hat sie unter dem Gesichtspunkt einer Verkehrssicherungspflichtverletzung Schadenersatz verlangt, unter anderem ein Schmerzensgeld in der Größenordnung von 15.000 Euro sowie circa 4.500 Euro für materielle Schäden.
Verkehrssicherungspflichten bei SB-Waschplatz eingeschränkt
Das Schadenersatzbegehren der Klägerin ist erfolglos geblieben. Das OLG Hamm konnte aufgrund der konkreten Umstände keine Verkehrssicherungspflichtverletzung des Beklagten feststellen. Zwar treffe den Betreiber einer Waschanlage grundsätzlich eine Verkehrssicherungspflicht im Hinblick auf betriebsbedingte Gefahrenquellen, an deren Erfüllung insbesondere im Winter erhöhte Anforderungen zu stellen seien. Im vorliegenden Fall bestehe jedoch die Besonderheit, dass der Beklagte einen Waschplatz in Selbstbedienung unterhalten habe und dass eine Glatteisbildung nicht durch Regen oder Schnee, sondern durch überfrierendes Waschwasser infrage stehe.
Keine Pflicht zu Maßnahmen gegen stellenweise Blitzeisbildung
Die Verkehrssicherungspflicht des Beklagten gehe nicht so weit, dass er bei fortlaufender Nutzung des Waschplatzes und winterlichen Temperaturen während oder nach jeder SB-Wäsche Maßnahmen zur Verhinderung stellenweiser Blitzeisbildung zu treffen habe, sofern solche überhaupt erfolgversprechend zu veranlassen seien. Wer sich bei winterlichen Temperaturen entscheide, seinen Pkw auf einem SB-Waschplatz gegen Zahlung eines geringen Entgelts (50 Cent) selbst zu reinigen, wisse, dass vom Betreiber lediglich die Waschplatznutzung, aber gerade kein darüber hinausgehendes Service geboten werde und aus wirtschaftlichen Gründen auch nicht geboten werden könne. Deswegen sei insbesondere nicht mit der Anwesenheit von Personal zu rechnen.
Auch kein Hinweis auf Glättegefahr erforderlich
Ein Kunde wisse zudem, dass bei SB-Wäschen Wasser im Bereich der Waschboxen verspritze und dass dieses Wasser bei niedrigen Temperaturen gefrieren könne. Bei dieser Situation liege die Gefahr überfrierenden Waschwassers auf der Hand, sodass ein Betreiber die Kunden auf diese Umstände auch nicht hinzuweisen habe. Die Klägerin habe mit der Gefahrensituation rechnen müssen und die Gefahrenstelle selbst erkennen können.
- Redaktion beck-aktuell
- OLG Hamm
- Urteil vom 22.05.2015
- 9 U 171/14
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Betreiber einer SB-Autowaschanlage muss im Winter nicht auf Gefahr durch überfrierendes Waschwasser hinweisen. beck-aktuell, 05.10.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/187026)



