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Raubkopien für KI-Training

Anthropic zahlt Autoren 1,5 Milliarden Dollar

Im Hintergrund das Firmenlabel von Anthropic. Im Vordergrund hält eine Hand ein Smartepone und auf dem Display ist Claude geöffent.
Piraterie für KI © davide bonaldo / Adobe Stock

Für das Abgreifen von Büchern aus Piraterie-Datenbanken zum KI-Training zahlt Anthropic 1,5 Milliarden Dollar. Ein Bundesgericht hat den Vergleich am Montag endgültig gebilligt – es gab rund 3.000 Dollar pro Werk.

Ein Bundesbezirksgericht in San Francisco hat am Montag den Vergleich zwischen dem Unternehmen und einer Sammelklage von Buchautorinnen und -autoren endgültig gebilligt. Es ist der bislang größte bekannte Urheberrechtsvergleich in den USA, wie das Online-Portal Courthousenews berichtet. Rund 500.000 Werke seien erfasst, für jedes fließen etwa 3.000 Dollar an die Rechteinhaber (Bartz v. Anthropic, U.S. District Court N.D. Cal., Beschluss vom 20.07.2026).

Anthropic hatte für seine großen Sprachmodelle Datensätze aus einschlägigen Piraterie-Bibliotheken heruntergeladen, darunter Library Genesis und Pirate Library Mirror, und diese mit den so erhaltenen Daten trainiert. Die Sammelklage geht auf die Romanautoren Andrea Bartz und Charles Graeber sowie den Sachbuchautor Kirk Wallace Johnson zurück. Sie stehen für tausende Rechteinhaber, deren Werke im Piraterie-Lager und dann bei Anthropic landeten.

Der inzwischen pensionierte William Alsup hatte den Vergleich im September 2025 vorläufig gebilligt. Zuvor hatte er in einer viel beachteten Grundsatzentscheidung festgehalten, das Training von KI-Modellen mit urheberrechtlich geschützten Büchern falle grundsätzlich unter die Fair-Use-Doktrin des US-Rechts. Die Beschaffung der Bücher sei damit aber nicht gedeckt: Ein digitales Lager mit über sieben Millionen raubkopierter Titel überschreite die Grenze.

Richterin weist Einwände gegen Vergleichshöhe zurück

Araceli Martínez-Olguín, die den Fall von Alsup übernommen hat, bezeichnet den Vergleich als fair, angemessen und ausreichend. Ein Erfolg vor Gericht sei nicht sicher gewesen, eine Niederlage hätte die Autorinnen und Autoren ohne Handhabe zurückgelassen.

Ein Teil der Betroffenen hielt die Summe dennoch für zu niedrig und die Anwaltshonorare für überzogen. Bei einem Prozess hätten pro Werk Schadensersatzansprüche von bis zu 150.000 Dollar drohen können, in der Summe mehrere hundert Milliarden. Martínez-Olguín wies die Einwände zurück: Die Kritik an der Vergleichshöhe stütze sich nicht auf eine realistische Einschätzung der Chancen und Risiken eines Verfahrens. Den Anwälten der Autoren sprach sie gut 101 Millionen Dollar an Honoraren zu, verlangt hatten sie 187,5 Millionen.

Neben der Zahlung muss Anthropic die aus den Piraterie-Datenbanken heruntergeladenen Originaldateien binnen 30 Tagen nach dem Beschluss vernichten. 

Es handele sich um einen Vergleich, kein Urteil - auf diese Unterscheidung legt Anthropic öffentlich Wert. Die stellvertretende Chefjuristin des Unternehmens, Aparna Sridhar, betonte, das Training von KI-Modellen mit Büchern gelte in den USA nach wie vor als Fair Use. Ein Teil der Autorinnen und Autoren ist aus dem Vergleich ausgestiegen und klagt nun eigenständig. Parallel laufen ähnliche Verfahren gegen Meta, Google und OpenAI.