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Führerscheinreform

Bundestag will Kosten senken, Fahrlehrer zweifeln

Ein Auto einer Fahrschule fährt auf der Straße.
Der Führerschein soll günstiger werden – aber wie? © Pixelot / Adobe Stock

Per App büffeln statt Schulbank drücken und mit Mama das Einparken üben. Der Bundestag hat eine Reform der Fahrausbildung beschlossen. Bis zu 1.000 Euro sollen Fahrschüler sparen. Die Branche bleibt skeptisch.

Der Bundestag hat mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition eine Modernisierung der Fahrausbildung verabschiedet. Änderungen am Straßenverkehrsgesetz und am Fahrlehrergesetz bilden den ersten Teil eines Reformpakets, dem auch der Bundesrat noch zustimmen muss. In Kraft treten sollen die Neuregelungen am 1. Juli 2027.

Wer künftig den Pkw-Führerschein macht, darf die Theorie wahlweise per App, als Online-Unterricht oder wie bisher in der Fahrschule absolvieren. Die Zahl der vorgeschriebenen Sonderfahrten – Überland, Autobahn, Nachtfahrt – wird flexibilisiert. Statt zwölf Pflichtfahrten je 45 Minuten entscheiden Fahrlehrer und Fahrschüler nach Lernstand. Auch die praktische Prüfung schrumpft von 55 auf 40 Minuten, die reine Fahrzeit von 30 auf 25 Minuten. Preise und Bestehensquoten der Fahrschulen sollen in einer öffentlichen Datenbank erscheinen.

Eltern ans Steuer – unter Auflagen

Besonders umstritten ist die sogenannte Laienausbildung. Fahrschüler sollen ergänzend zur Fahrschule mit privaten Begleitpersonen üben dürfen – etwa mit ihren Eltern. Die müssen seit mindestens sieben Jahren den Führerschein besitzen und dürfen höchstens einen Punkt in Flensburg haben. Voraussetzung auf Seiten der Fahrschüler: eine bestandene Theorieprüfung und sechs absolvierte Fahrstunden. Im Verkehrsausschuss wurden die Regeln gegenüber dem Regierungsentwurf verschärft; die Begleitperson muss sich nun auch praktisch in der Fahrschule vorbereiten lassen. Ob die Laienausbildung kommt, entscheiden die Länder einzeln per Verordnung.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) bezifferte die mögliche Ersparnis auf mehrere hundert, im besten Fall bis zu 1.000 Euro. Derzeit kostet der Klasse-B-Führerschein im Schnitt rund 3.400 Euro. Der ADAC rechnet im günstigsten Szenario sogar mit einer Senkung um bis zu ein Drittel.

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Fahrlehrer: "Rechnung nicht nachvollziehbar"

Kurt Bartels, Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), widerspricht: Die Rechnung des Ministers, wonach der Führerschein 1.000 Euro günstiger werde, könne er nicht nachvollziehen. Auch der Verband Moving hält eine solche Ersparnis für unrealistisch. Fahrschulunternehmer Gerhard Tiessen, der als Sachverständiger im Verkehrsausschuss aussagte, verwies auf die eigentlichen Kostentreiber: die Zahl der benötigten Fahrstunden, nicht bestandene Prüfungen sowie Personal- und Fahrzeugkosten. An diesen Posten ändere die Reform wenig.

Tiessen kritisierte die Laienausbildung scharf. Ein Fahrlehreranwärter werde über Monate begleitet, bevor er eigenständig ausbilden dürfe. Dass eine private Begleitperson nach kurzer Einweisung Ausbildungsaufgaben übernehmen solle, sei "äußerst ambitioniert" – zumal private Fahrzeuge keine Doppelpedale hätten. Wer den Führerschein wirklich günstiger machen wolle, solle lieber über eine Mehrwertsteuerbefreiung der Fahrausbildung nachdenken.

Die BVF lehnt die Laienausbildung ebenfalls ab und fordert, die Fahrschulpflicht zu erhalten. Am geplanten Transparenzregister entzündet sich weiterer Widerstand. Bestehensquoten seien als Qualitätsmaßstab ungeeignet, weil Prüfungsergebnisse auch von Sprachkenntnissen oder Prüfungsangst abhingen. Fahrschulen könnten unter Druck geraten, Bewerber mit erhöhtem Förderbedarf seltener aufzunehmen – das widerspräche dem Ziel eines gleichberechtigten Zugangs.

Der SPD-Verkehrspolitiker Truels Reichardt räumte im Bundestag ein, die tatsächliche Ersparnis sei noch nicht absehbar. Wie günstig der Führerschein werde, hänge davon ab, wie Fahrschulen auf die neuen Möglichkeiten reagierten. Im Bundesrat dürften die Länder eigene Akzente setzen – gerade bei der Laienausbildung, die sie per Opt-in erst einführen müssten.