Bundesnetzagentur gibt Telekom grünes Licht für deutlichen Vectoring-Ausbau

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Bundesnetzagentur gibt Telekom grünes Licht für deutlichen Vectoring-Ausbau. beck-aktuell, 05.09.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/170871)
Die Deutsche Telekom hat von der Bundesnetzagentur grünes Licht für den weiteren Ausbau der umstrittenen Vectoring-Breitbandtechnologie erhalten. Im Gegenzug habe sich die Telekom zu einer flächendeckenden Erschließung aller Haushalte in den Nahbereichen mit schnellen Breitbandanschlüssen verpflichtet und eine verbindliche Investitionszusage gegeben, teilte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme am 02.09.2016 auf der Elektronikmesse IFA in Berlin mit. Damit könnten weitere sechs Millionen Kunden in Deutschland mit Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Die Konkurrenten sind nicht begeistert und kündigten bereits rechtliche Schritte an.
Telekom-Konkurrenten gegen Vectoring
Beim Vectoring werden die Daten über herkömmliche Kupferdrahtleitungen transportiert, ohne dass die bestehenden Kabel beispielsweise durch Glasfaser ersetzt werden müssen. Vectoring kann allerdings an den Kabelverzweigern prinzipiell nur von einem Anbieter durchgeführt werden. Deshalb wenden sich Telekom-Wettbewerber gegen den Einsatz dieser Technologie. Kritiker betonen außerden, dass Vectoring nicht wirklich zukunftsträchtig sei und dass der Einsatz dieser Technologie den Glasfaser-Ausbau verzögere.
Auch Branchenverbände kritisieren Entscheidung der Netzagentur
Das Oldenburger Telekommunikationsunternehmen EWE Tel kündigte umgehend an, gegen diese Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht Köln klagen zu wollen. "Wir werden gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen", sagte ein EWE-Sprecher der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung" (Ausgabe vom 03.09.2016). "Der Breitbandausbau in Deutschland hat heute einen herben Dämpfer erhalten", erklärte er weiter. Genau so sahen es die Branchenverbände Breko, Buglas und VATM: "Heute ist ein schwarzer Tag für den zukunftsfähigen, nachhaltigen Glasfaserausbau in Deutschland", erklärten sie in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der Beschluss der Regulierungsbehörde ermögliche der Telekom ein weitgehendes Vectoring-Ausbaumonopol in den knapp 8.000 Nahbereichen. "Der Nutzen für die Bürger ist denkbar gering, weniger als 4% aller Festnetzanschlüsse werden neu mit 50 Megabit pro Sekunde versorgt", erklärten die Verbände. Deutlich mehr und qualitativ besser wäre beispielsweise mit gezielter Förderung erreichbar gewesen.
Telekom-Chef Damme verteidigt Konzept
Damme betonte hingegen, wenn man ausschließlich auf Glasfaser setze, dauere es viel zu lange, um Deutschland flächendeckend mit Breitbandzugängen zu versorgen. Die Telekom betreibe mit einer Streckenlänge von mehr als 400.000 Kilometern das größte Glasfasernetz in Deutschland. Allein in den vergangenen fünf Jahren habe sie 120.000 Kilometer neu verlegt.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
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Bundesnetzagentur gibt Telekom grünes Licht für deutlichen Vectoring-Ausbau. beck-aktuell, 05.09.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/170871)



