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Kompass Karriere #2

Wie gleicht man Notennachteile im Anschreiben aus?

Jana Saez Garcia

Diese Woche in der Ratgeberkolumne für (angehende) Juristinnen und Juristen: "Ich habe kein Prädikatsexamen, aber einschlägige praktische Erfahrung. Wie kann ich das im Anschreiben so darstellen, dass es Notennachteile ausgleicht und meine Begeisterung für genau diesen Job zeigt, Frau Sáez García?

Jana Sáez García: Ein fehlendes Prädikatsexamen ist nicht per se Ausschlusskriterium – aber es verlangt eine bewusstere Positionierung.

Entscheidend ist, den Fokus aktiv von der Note auf Ihre tatsächliche berufliche Leistungsfähigkeit zu lenken. Das gelingt nicht durch Rechtfertigung, sondern durch gezielte Schwerpunktsetzung, sowohl im Anschreiben als auch im Bewerbungsgespräch.

Statt Ihre Examensnote zu problematisieren, sollten Sie Ihre praktische Erfahrung klar in den Vordergrund stellen: Welches Branchenwissen haben Sie erworben? Welche konkreten Aufgaben haben Sie übernommen, die inhaltlich zu der gewünschten Einstiegsposition passen? Welche Verantwortung lag bei Ihnen? Wo konnten Sie eigenständig rechtliche Lösungen im Unternehmenskontext entwickeln oder im Kanzleiumfeld sogar Mandate voranbringen? 

Je greifbarer Ihre Beispiele sind, desto überzeugender wirken sie. Formulierungen wie "maßgeblich mitgewirkt an…", "eigenständig bearbeitet…" oder "Verantwortung übernommen für…" zeigen, dass Sie bereits auf einem Niveau arbeiten, das über reine Ausbildungsstationen hinausgeht.

Eigene Erfahrungen mit den Anforderungen der Stelle verknüpfen

Besonders wirksam ist es, wenn Sie Ihre Erfahrung mit den Anforderungen der konkreten Stelle verknüpfen. Analysieren Sie die Ausschreibung genau und spiegeln Sie im Anschreiben wider, warum gerade Ihre bisherigen Tätigkeiten Sie zu einer passenden Kandidatin bzw. einem passenden Kandidaten machen. So entsteht ein roter Faden und die Personalverantwortlichen denken sich: "wegen nachweisbarer Praxis besonders passend".

Gleichzeitig darf Ihre Motivation nicht fehlen. Begeisterung wirkt dann glaubwürdig, wenn sie konkret ist. Vermeiden Sie allgemeine Aussagen und beschreiben Sie stattdessen, was Sie an genau diesem Rechtsgebiet oder dieser Kanzlei reizt – etwa besondere Mandate, die Arbeitsweise oder fachliche Schwerpunkte. Idealerweise knüpfen Sie daran an eigene Erfahrungen an. Welche Kontaktpunkte hatten Sie bereits zu dieser Kanzlei? Benennen Sie kontextbezogen die Personen, die Sie für die Kanzlei oder den Praxisbereich begeistert haben.

Ein häufiger Fehler ist es, defensiv zu formulieren oder die Note indirekt zu entschuldigen. Das ist nicht notwendig. Wer souverän seine Stärken präsentiert, lenkt die Aufmerksamkeit automatisch weg von möglichen Schwächen. Kurz gesagt: Ihr Ziel ist es, ein Profil zu zeigen, das für den Arbeitgeber so überzeugend ist, dass die Examensnote in den Hintergrund tritt.

Kompass Karriere ist die wöchentliche Ratgeberkolumne von beck-aktuell. HEUTE IM RECHT für (angehende) Juristinnen und Juristen. Expertinnen und Experten beantworten Fragen zu Jurastudium, Referendariat, Berufseinstieg und Karriere im Recht, geben Orientierung im Paragrafendschungel und klare Tipps für kluge Entscheidungen auf dem Weg in den und im Beruf. Wenn auch Sie eine Frage zu einem dieser Themen haben, schicken Sie uns diese - gern auch anonym - an redaktion@beck-aktuell.de