Woran erkenne ich, dass ich bereit für das Examen bin?

Zitiervorschlag
Susanne Hähnchen: Woran erkenne ich, dass ich bereit für das Examen bin?. beck-aktuell, 05.06.2026 (abgerufen am: 05.06.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/196606)
Dieser Woche in der Ratgeberkolumne für (angehende) Juristinnen und Juristen: "Ich habe alle Prüfungsleistungen abgelegt, habe aber noch lange nicht das Gefühl, alles zu wissen. Woran merke ich, dass ich 'bereit' für das Examen bin, Frau Prof. Hähnchen?"
Prof. Dr. Susanne Hähnchen: Leider gibt es keinen perfekten Zeitpunkt, keine objektive Kriterien oder Garantien.
Man kann nicht alles wissen, dafür ist der Stoff zu viel. Wichtig ist das berühmte Handwerkszeug (Sprachkompetenz, Technik der Fallbearbeitung, kritisches Denken und Methodenlehre) neben gewissen materiell- und prozessrechtlichen Kenntnissen.
Hilfreich sind auf jeden Fall private Lerngruppen, in denen man persönliches Feedback über den eigenen Lernstand bekommt. Wenn man anderen etwas erklärt, merkt man auch selbst gut, ob man es verstanden hat. Verständnis von Strukturen ist wichtiger als das Wissen von Informationen.
Über private Repetitorien kann man streiten. Wer sich dort gut aufgehoben fühlt, sollte sie nutzen. Wenn jedoch zum Beispiel mit zu viel Stoff Druck erzeugt wird, noch einen Kurs zu buchen, dann wird es bedenklich.
Nicht um jeden Preis den Freischuss mitnehmen
In den universitären Klausurenkursen werden meist echte Examensklausuren angeboten. Wenn man diese regelmäßig und ohne unerlaubte Hilfsmittel im angestrebten Bereich besteht, dann ist das ein gutes Indiz. Sofern es die Möglichkeit eines Probeexamens gibt, sollte man dieses unbedingt nutzen. Und wenn es ordentlich gelaufen ist, sich beim JPA anmelden. Der Stress wird nicht weniger, wenn man sich jahrelang vorbereitet.
Ich würde aber nicht um jeden Preis den "Freischuss" empfehlen, weil ich zu viele Studierende erlebt habe, die nicht glücklich damit geworden sind. Immer wieder höre ich, man müsse den "mitnehmen" und könne sich notfalls verbessern. Aber die psychischen Folgen, wenn es nicht so läuft wie erhofft, werden unterschätzt und die Verbesserungschancen überschätzt. Dann lieber vorher etwas mehr Zeit investieren. Wer möchte schon zwei- oder sogar dreimal das gleiche Examen machen?
Kompass Karriere ist die wöchentliche Ratgeberkolumne von beck-aktuell. HEUTE IM RECHT für (angehende) Juristinnen und Juristen. Expertinnen und Experten beantworten Fragen zu Jurastudium, Referendariat, Berufseinstieg und Karriere im Recht, geben Orientierung im Paragrafendschungel und klare Tipps für kluge Entscheidungen auf dem Weg in den und im Beruf. Wenn auch Sie eine Frage zu einem dieser Themen haben, schicken Sie uns diese - gern auch anonym - an redaktion@beck-aktuell.de.
Zitiervorschlag
Susanne Hähnchen: Woran erkenne ich, dass ich bereit für das Examen bin?. beck-aktuell, 05.06.2026 (abgerufen am: 05.06.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/196606)



