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Kompass Karriere #7

Mit welchem Einstiegsgehalt kann ich als Jurist heute rechnen?

Kompass Karriere mit David Schwab

Dieser Woche in der Ratgeberkolumne für (angehende) Juristinnen und Juristen: "Mit welchem Einstiegsgehalt kann ich heute rechnen – etwa in einer mittelständischen Kanzlei im Vergleich zu einer Inhouse-Position, Herr Schwab?"

David Schwab: Es kommt darauf an! Viele Faktoren beeinflussen das Einstiegsgehalt.

Wer heute als Juristin oder Jurist ins Berufsleben startet, sollte sich von Einzelbeispielen nicht blenden lassen. In Großkanzleien ist für Berufseinsteiger ein sechsstelliges Gehalt üblich und natürlich gibt es weiter spektakuläre Gehälter von über 180.000 Euro im Jahr.

Aber wer wissen will, womit man realistisch rechnen kann, muss sauber unterscheiden: zwischen Großkanzlei und Mittelstand, zwischen Metropole und Regionalmarkt, zwischen klassischer Kanzleilaufbahn und Inhouse-Einstieg. Genau dort beginnt die ehrliche Einordnung. Die Gehaltsspanne im juristischen Markt ist enorm und stark von Einheit, Spezialisierung, Standort und wirtschaftlicher Stärke des Arbeitgebers abhängig.

Für den Einstieg in eine mittelständische Kanzlei in einer Großstadt halte ich aktuell in vielen Fällen ein Jahresgehalt von rund 60.000 bis 80.000 Euro brutto für realistisch. In guten Konstellationen kann es darüber liegen, in schwächeren Setups auch darunter. Wer nur auf Schlagzeilen schaut, bekommt schnell ein verzerrtes Bild, weil dort meist die Top-Gehälter internationaler Einheiten oder besonders profitabler Spezialboutiquen dominieren. Die Spanne im Kanzleimarkt ist breit: vom niedrigeren Einstieg in kleineren Einheiten bis hin zu sehr hohen Vergütungen in Spitzenkanzleien. Als grobe Orientierung für den Berufseinstieg in Wirtschaftsrechtskanzleien mögen im Durchschnitt rund 70.000 Euro brutto dienen.

Beim Einstieg in eine Inhouse-Position im Mittelstand liegt der Markt aus meiner Sicht heute meist etwas enger und nüchterner. Realistisch sind häufig 55.000 bis 75.000 Euro brutto jährlich, bei besonders attraktiven Unternehmen, spezialisierten Profilen oder in gut zahlenden Regionen auch mehr. Das deckt sich mit den Gehaltsangaben auf clientsandcandidates.com, wo für Junior Legal Counsel im Mittelstand ein Korridor von 55.000 bis 90.000 Euro genannt wird.

Das höhere Einstiegsgehalt ist nicht automatisch das bessere Angebot

Der entscheidende Punkt ist aber: Das höhere Einstiegsgehalt ist nicht automatisch das bessere Angebot. Gerade in mittelständischen Kanzleien in Großstädten kann das Fixgehalt anfangs ähnlich oder leicht oberhalb eines Inhouse-Angebots liegen. Dafür ist die Arbeitsrealität häufig anders: höhere Taktung, stärkere wirtschaftliche Erwartung, teils mehr Präsenzdruck und eine deutlich schärfere Kopplung zwischen Performance und Entwicklung. 

Inhouse im Mittelstand zahlt beim Einstieg oft etwas weniger, bietet dafür aber in vielen Fällen einen breiteren Business-Bezug, mehr Nähe zu Entscheidern und eine andere Form von Karrierekapital. Das ist besonders relevant für Juristinnen und Juristen, die nicht nur juristisch arbeiten, sondern mittelfristig geschäftsnäher wirken wollen. Zusatzleistungen, Rahmenbedingungen und Entwicklungsperspektive müssen dabei unbedingt mitbewertet werden.

Was macht mich in drei Jahren wertvoller?

Aus meiner Sicht wird bei Gehaltsfragen ohnehin oft zu eindimensional gedacht. Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sollten nicht nur fragen: Was zahlt mir der Markt heute? Sondern auch: Welches Setup macht mein Profil in drei Jahren wertvoller? Denn genau dort entsteht der eigentliche Hebel. Wer in einer guten Inhouse-Rolle früh lernt, mit Fachbereichen, Management und wirtschaftlichen Zielkonflikten umzugehen, baut anderes Kapital auf als jemand, der in einer Kanzlei exzellente juristische Tiefe entwickelt. Beides kann richtig sein. Aber es ist eben nicht dasselbe.

Realistisch und ohne Schönfärberei würde ich es deshalb so zusammenfassen: In einer mittelständischen Kanzlei in einer Großstadt sollten Berufseinsteiger heute häufig mit etwa 60.000 bis 80.000 Euro rechnen. In einer Inhouse-Position im Mittelstand liegt der realistische Einstieg oft eher bei 55.000 bis 75.000 Euro. Alles deutlich darüber ist möglich, aber nicht der Regelfall. Und alles deutlich darunter sollte man sehr genau hinterfragen – insbesondere dann, wenn Arbeitsbelastung, Entwicklungserwartung und Verfügbarkeit auf hohem Niveau eingefordert werden.  

Kompass Karriere ist die wöchentliche Ratgeberkolumne von beck-aktuell. HEUTE IM RECHT für (angehende) Juristinnen und Juristen. Expertinnen und Experten beantworten Fragen zu Jurastudium, Referendariat, Berufseinstieg und Karriere im Recht, geben Orientierung im Paragrafendschungel und klare Tipps für kluge Entscheidungen auf dem Weg in den und im Beruf. Wenn auch Sie eine Frage zu einem dieser Themen haben, schicken Sie uns diese - gern auch anonym - an redaktion@beck-aktuell.de

Die vorherige Kolumne finden Sie hier: Kompass Karriere #6: Wie wer­de ich als Be­rufs­ein­stei­ger in der Kanz­lei "sicht­bar"? (Carmen Schön)