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Kompass Karriere #12

Ich will Richter werden - kann ich mich dann überhaupt spezialisieren?

Kompass Karriere mit Leif Schubert

Diese Woche in der Ratgeberkolumne für (angehende) Juristinnen und Juristen: "Ich denke über den Richterdienst nach, habe aber Respekt vor der mangelnden Spezialisierung und davor nie richtig 'anzukommen' - ist das ein Problem, Herr Schubert?"

Leif Schubert: Sie werden im Richterdienst genauso schnell ankommen wie in jedem anderen juristischen Beruf. Nur sollte man unter "Ankommen" eben nicht verstehen, dass einen inhaltlich nichts mehr überrascht und jede Fragestellung der vom Tag zuvor ähnelt. Das macht gerade den Reiz vieler juristischer Berufe aus, eben auch den der Justiz. 

Ankommen bedeutet für mich eher, klare Prozesse dafür zu verinnerlichen, wie ich alle anfallenden Aufgaben strukturiert bearbeite, ohne den Überblick oder meine innere Ruhe zu verlieren. Vor diesem Hintergrund zahlt sich eine gute Arbeitsorganisation aus. Sie sollten nicht immer nur das "Was" der jeweiligen Sachfragen in den Blick nehmen, sondern auch das "Wie". Wenn Sie so wollen, ist das eine Art "Methodenlehre für die Arbeitswelt".

Das "Wie" der Arbeit erlernen

Beeindruckende Beispiele für das vollendete "Wie" des Arbeitens habe ich schon als Anwalt in der Wirtschaftskanzlei im sehr generalistischen Bereich der Prozessführung erlebt. Das hat dazu geführt, dass den Verantwortlichen dort auch beim "Was" am Ende jeweils keiner mehr das Wasser reichen konnte, egal worum es inhaltlich ging. Aus der Justiz kann ich von vielen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen ähnliches berichten.

Sobald Sie das "Wie" des Arbeitens meistern, vertrauen Sie bei allem anderen auf sich selbst. Dazu gehört, immer unbeirrt nachzuhaken, wenn Sie einen inhaltlichen Punkt nicht vollständig nachvollziehen können und sich dabei möglichst einfach auszudrücken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau diese grundlegende Herangehensweise auch in einem Raum voller fachlicher Expertise regelmäßig den Durchbruch ermöglicht. 

Meist spezialisiert man sich auf ein Rechtsgebiet

Selbstverständlich werden die meisten Richterinnen und Richter aber auch fachliche Expertinnen und Experten. Nur wenige Personen in der Justiz springen ihr gesamtes Berufsleben alle paar Jahre von Sachgebiet zu Sachgebiet. Flexibilität mag hier mitunter den Aufstieg beschleunigen. Die meisten arbeiten nach ihrer Anfangszeit aber über Jahre, oft Jahrzehnte, innerhalb eines Rechtsgebiets, regelmäßig auch an gleichgelagerten Fragestellungen. Wer in einer Arzthaftungskammer, am Schwurgericht oder als Familienrichter arbeitet, baut dort selbstverständlich über die Zeit eine geradezu einmalige juristische Expertise auf. Im Gerichtssaal stehen Sie als Richterin oder Richter naturgemäß ohnehin deutlich öfter als in jedem anderen Beruf.

Anders als in der Anwaltschaft ist eine hohe Spezialisierung nur eine deutlich autonomere Entscheidung und nicht im selben Maße ein Gebot ökonomischer Vernunft, etwa im Hinblick auf Konkurrenzdruck, Mandatsakquise und Stundensätze. 

Die Justizlaufbahn ist im Ergebnis flexibel genug, um beide Wege für Sie zu eröffnen. Es liegt mittelfristig an Ihnen, ob Sie eher die besondere Einsatzbreite in der Justiz erkunden oder eine außergewöhnliche Expertise in einem bestimmten Bereich aufbauen wollen – oder im Laufe der Jahre sogar beides kombinieren können.

 

Kompass Karriere ist die wöchentliche Ratgeberkolumne von beck-aktuell. HEUTE IM RECHT für (angehende) Juristinnen und Juristen. Expertinnen und Experten beantworten Fragen zu Jurastudium, Referendariat, Berufseinstieg und Karriere im Recht, geben Orientierung im Paragrafendschungel und klare Tipps für kluge Entscheidungen auf dem Weg in den und im Beruf. Wenn auch Sie eine Frage zu einem dieser Themen haben, schicken Sie uns diese - gern auch anonym - an redaktion@beck-aktuell.de.

 

Die vorherige Kolumne finden Sie hier: Kompass Karriere #11: Muss ich als Unternehmensjurist BWL können? (Jennifer Graf)