Wann lohnt sich der Wechsel vom Mittelstand zur Großkanzlei?

Zitiervorschlag
Carmen Schön: Wann lohnt sich der Wechsel vom Mittelstand zur Großkanzlei?. beck-aktuell, 02.10.2026 (abgerufen am: 03.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207031)
Diese Woche in der Ratgeberkolumne für (angehende) Juristinnen und Juristen: "Frau Schön, wann ist der Wechsel von einer mittelständischen Kanzlei in eine Großkanzlei möglich? Und lohnt sich der Wechsel nach vier Jahren noch?"
Carmen Schön: Die Frage nach dem "richtigen Zeitpunkt" für einen Wechsel in eine Großkanzlei wird häufig sehr schematisch beantwortet – etwa mit der Annahme, dass ein Wechsel nur in den ersten zwei bis drei Berufsjahren sinnvoll sei. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. Ein Wechsel nach vier Jahren ist keineswegs "zu spät", sondern kann – je nach Ausgangssituation – sogar besonders sinnvoll sein. Entscheidend ist nicht primär der Zeitpunkt, sondern die strategische Zielsetzung.
Zunächst sollte geklärt werden, warum ein Wechsel in Betracht gezogen wird. Typische Motive sind:
- Der Wunsch nach höherer Spezialisierung
- Die Arbeit an größeren oder internationaleren Mandaten
- Eine strukturiertere Ausbildung und Entwicklung
Wenn die Ziele in der aktuellen Position nicht erreichbar sind
Ein Wechsel ist dann sinnvoll, wenn diese Ziele in der aktuellen Position nicht oder nur eingeschränkt erreichbar sind. Gleichzeitig verändert sich mit zunehmender Berufserfahrung die Erwartungshaltung der aufnehmenden Kanzlei. Während bei Berufseinsteigern das Potenzial im Vordergrund steht, wird nach vier Jahren stärker auf folgende Aspekte geachtet:
- fachliche Vertiefung und Profilbildung
- eigenständige Arbeitsweise
- erste Ansätze unternehmerischen Denkens
- Teamfähigkeit und Integration
Das bedeutet: Der Wechsel wird anspruchsvoller, aber nicht unmöglich. Wer in einem spezialisierten Bereich gearbeitet hat, der auch in Großkanzleien gefragt ist, hat sehr gute Chancen. Schwieriger wird es bei stark generalistischen oder sehr spezifischen Nischenprofilen.
Ein Wechsel ist nicht nur ein "Karriereupgrade"
Ein weiterer Aspekt ist die persönliche Zielperspektive. Ein Wechsel sollte nicht primär als "Karriereupgrade" verstanden werden, sondern als bewusste Entscheidung für ein bestimmtes Arbeitsumfeld. Großkanzleien bieten andere Chancen – aber auch andere Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsbelastung und Wettbewerbsumfeld.
Zusammengefasst lässt sich sagen: Ein Wechsel nach vier Jahren ist weder zu spät noch automatisch sinnvoll. Er ist dann strategisch klug, wenn er auf ein klares Ziel einzahlt und das eigene Profil anschlussfähig ist. Ohne diese Klarheit besteht die Gefahr, lediglich den Kontext zu wechseln, ohne die eigene Entwicklung tatsächlich zu beschleunigen.
Kompass Karriere ist die wöchentliche Ratgeberkolumne von beck-aktuell. HEUTE IM RECHT für (angehende) Juristinnen und Juristen. Expertinnen und Experten beantworten Fragen zu Jurastudium, Referendariat, Berufseinstieg und Karriere im Recht, geben Orientierung im Paragrafendschungel und klare Tipps für kluge Entscheidungen auf dem Weg in den und im Beruf. Wenn auch Sie eine Frage zu einem dieser Themen haben, schicken Sie uns diese - gern auch anonym - an redaktion@beck-aktuell.de.
Die vorherige Kolumne finden Sie hier: Kompass Karriere #17: Wie bereite ich mich neben den Stationen auf das zweite Examen vor? (Christian Walz)
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Carmen Schön: Wann lohnt sich der Wechsel vom Mittelstand zur Großkanzlei?. beck-aktuell, 02.10.2026 (abgerufen am: 03.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207031)



