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Spionageverdacht

Ex-BND-Präsident Hanning in U-Haft

Ein Portrait von August Hanning
August Hanning im Bundestag 2015 als Zeuge im NSA-Untersuchungsausschuss © picture alliance / dpa | Michael Kappeler

Laut Bundesanwaltschaft soll Hanning geheime BND-Informationen für eigene Beratungen genutzt haben. Die Ermittler prüfen, ob er sie auch ins Ausland weitergab – und an wen.

Unter anderem wegen Spionageverdachts muss Ex-BND-Präsident August Hanning in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des BGH in Karlsruhe habe den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Vollzug gesetzt, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Die oberste Anklagebehörde in Deutschland wirft Hanning geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.

Hannings Anwalt räumte ein, dass sein Mandant zwar im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen sei. "Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland - geschweige denn gegen Bezahlung - weitergegeben", teilte Rechtsanwalt Leon Kruse mit. Die weiteren Ermittlungen würden das zeigen. "Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt", betonte Kruse. Welt und Spiegel hatten zuvor über die Stellungnahme berichtet*.

Der frühere Büroleiter des BND-Chefs, Manfred D., war am Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in U-Haft gekommen. Einige Stunden zuvor hatten Beamte des BKA die beiden auf Grundlage von Haftbefehlen festgenommen – Hanning im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen, D. im bayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Ex-Chef mit geheimen Infos aus dem BND versorgt?

Sie sollen den Angaben zufolge vermutlich 2010 vereinbart haben, dass der Ex-Büroleiter dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen Hanning gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle BND-Erkenntnisse besorgen solle. Diese Infos soll Hanning gewinnbringend bei seiner Beratertätigkeit verwertet haben.

Demnach hätte Hanning über einen Zeitraum von möglicherweise zwölf Jahren über Informationen verfügt, die ausschließlich für interne Angelegenheiten des deutschen Auslandsgeheimdienstes gedacht waren. In einem Fall soll er geheime Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen. "Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen", teilte die Bundesanwaltschaft mit. Um welches Land es geht, blieb offen.

Nach Informationen des Spiegel gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass Hanning in Verbindung zu einem aserbaidschanischen Agenten stand. Dazu äußerte sich die Bundesanwaltschaft nicht.

Enge Weggefährten

Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 BND-Präsident. Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D. zwischen Dezember 2005 und November 2009 Hanning als Assistent ins Bundesinnenministerium gefolgt sein, wo dieser Staatssekretär war. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.

Manfred D. arbeitete laut Bundesanwaltschaft zwischen März 2012 bis März 2026 erneut für mehrere BND-Präsidenten als Büroleiter. In dieser Funktion habe er Zugriff auf geheimhaltungsbedürftige Informationen gehabt. Nach dpa-Informationen ist Manfred D. mittlerweile pensioniert.

(*Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde am Tag seines Erscheinens um die Stellungnahme von Hannings Anwalt ergänzt, bw, 07.10.2026, 16.54 Uhr.)