Gericht erlaubt lungenkranken Bergleuten Sammelklage auf Schadensersatz

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Gericht erlaubt lungenkranken Bergleuten Sammelklage auf Schadensersatz. beck-aktuell, 17.05.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/176066)
Ein Gericht in Johannesburg hat am 13.05.2016 tausenden lungenkranken Bergarbeitern den Weg für eine Sammelklage auf Schadensersatz gegen 32 Bergbaufirmen freigemacht. Es betonte, dass es für viele Bergleute unmöglich sei, alleine gegen die Unternehmen vorzugehen, da ihnen die finanziellen Mittel fehlten. Die angeschlagene Bergbauindustrie Südafrikas könnte diese Entscheidung finanziell hart treffen.
Gericht: Sammelklage "einzig realistische Chance auf Gerechtigkeit"
Das Gerichtsurteil gibt Bergleuten oder ihren Angehörigen die Möglichkeit, die Unternehmen gemeinsam auf Schadenersatz zu verklagen. Eine solche Klage sei die einzig realistische Chance auf Gerechtigkeit, erklärte Richter Phineas Mojapelo. Während die Bergeleute das Urteil als großen Sieg feierten, fürchten Wirtschaftsexperten große finanzielle Einbußen für die Bergbauindustrie des Landes. Vor allem der Abbau von Platin, Gold und Diamanten gehört zu den wichtigsten Industriezweigen Südafrikas.
Schwere finanzielle Lasten für angeschlagene Bergbauindustrie erwartet
Die Risikoberatung Verisk Maplecroft geht davon aus, dass das Urteil negative Auswirkungen auf die Bergbauindustrie haben wird. Die Prozesskosten würden die Unternehmen schwer belasten, es sei mit Stellenstreichungen zu rechnen. "Auf die angeschlagene Bergbauindustrie kommen teure Zahlungen im großen Rahmen zu, die sie sich nicht leisten kann", erklärte Afrika-Expertin Ruth Bookbinder. Jedes Unternehmen werde überprüfen, ob es gegen die Entscheidung des Gerichts vorgehen will, kündigte eine Arbeitsgruppe an, die sich mit Lungenkrankheiten im Beruf beschäftigt und sechs der betroffenen Bergbauunternehmen repräsentiert.
Vorwurf: Bergbaufirmen schützten Bergleute nicht ausreichend
Die Bergleute werfen den Unternehmen vor, ihre Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. In vielen Bergwerken habe es keine Schutzausrüstung gegeben, die Arbeiter vor dem Einatmen gefährlicher Staubpartikel im Untertagebau geschützt hätte. Viele Arbeiter seien schließlich an Staublunge oder Tuberkulose erkrankt, einige sogar gestorben. Joseph Montisetsi von der Nationalen Gewerkschaft der Bergleute beklagt, dass die Unternehmen nicht ausreichend in Technologien investieren, die den gefährlichen Staub im Untertagebau reduzieren könnten.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
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Gericht erlaubt lungenkranken Bergleuten Sammelklage auf Schadensersatz. beck-aktuell, 17.05.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/176066)



