1.921.618,97 Euro Beute - alles in Münzen

Zitiervorschlag
1.921.618,97 Euro Beute - alles in Münzen. beck-aktuell, 07.05.2026 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/197626)
Ein Luxusleben dank Kleingeld ergaunerte sich ein Ehepaar in Kempten. Es leerte jahrelang die städtischen Parkautomaten und füllte unbemerkt seine Konten und Kleiderschränke. Wie das so lange gutgehen konnte – und welche Folgen das nun für die beiden Täter hat.
Nach dem Diebstahl von Parkmünzen im Wert von etwa 1,9 Millionen Euro hat das LG Kempten zwei Eheleute zu jeweils fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht ordnete am 7. Mai zudem an, dass das Paar den der Stadt Kempten entstandenen Schaden in voller Höhe ersetzen muss. Der Vorsitzende Richter Christoph Schwiebacher wies darauf hin, dass die beiden Angeklagten nun in den nächsten 30 Jahren mit Pfändungen rechnen müssten. "Das Ganze hat sich nicht gelohnt und soll sich auch nicht lohnen", betonte er.
Angeklagt waren ein 40 Jahre alter ehemaliger Mitarbeiter der Stadt Kempten sowie seine 39 Jahre alte Ehefrau. Der Beschäftigte des Bauhofs war mit der Leerung der Parkscheinautomaten der Kommune beauftragt und hatte sich mehr als zehn Jahre lang immer wieder an den Einnahmen vergriffen – die Quittungen aus den Automaten entsorgte er. Seine Partnerin half ihm dabei, das Geld abzuholen und auf Konten einzuzahlen. Das Gericht bezeichnete sie als "die Logistikerin" hinter den Taten.
Beide hatten die Vorwürfe in vollem Umfang zugegeben. Aber warum flog das Paar nicht früher auf? Beim Bauhof wurde nicht dokumentiert, wer wann und wie lang die Schlüssel für die Parkautomaten hatte. Auch die Quittungen aus den Automaten wurden nur sporadisch kontrolliert. So war es auch nicht der Bauhof, der die Ermittlungen anstieß, sondern eine Bank, nachdem sie wiederholt auffällige Geldeinzahlungen des Ehepaars registriert hatte.
Diebstahl leicht gemacht
Verurteilt wurden beide nun wegen mehr als 300 Fällen seit dem Jahr 2020 mit einem Schaden von rund 1,34 Millionen Euro. Weitere mehr als 500 Fälle seit April 2015 mit einer Schadenssumme von 584.000 Euro sind strafrechtlich verjährt. Allerdings wird die Justiz die Gesamtsumme von mehr als 1,9 Millionen Euro zur Schadensbegleichung bei dem Paar einziehen.
Der Mann hatte vor Gericht erklärt, dass das Paar sich mit dem Geld ein Luxusleben gegönnt habe: Pferde, Autos und teure Kleidung seien so finanziert worden. Die Strafkammer, der Staatsanwalt und die Verteidiger wiesen übereinstimmend darauf hin, dass es den Angeklagten von der Stadt sehr leicht gemacht worden sei. Dies müsse auch beim Strafmaß mildernd berücksichtigt werden, meinte der Richter.
Als Konsequenz des Skandals hat die Stadt mittlerweile die Arbeitsabläufe bei der Leerung der Automaten geändert und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Ob sie auch zivilrechtlich gegen das Paar vorgehen wird, ist offen. Möglich wäre es.
- Redaktion beck-aktuell, bw
- mit Material der dpa
Zitiervorschlag
1.921.618,97 Euro Beute - alles in Münzen. beck-aktuell, 07.05.2026 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/197626)



