Schriftlicher Test ersetzt nicht Vorstellungsgespräch für schwerbehinderten Bewerber

Zitiervorschlag
Schriftlicher Test ersetzt nicht Vorstellungsgespräch für schwerbehinderten Bewerber. beck-aktuell, 25.11.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/184376)
Wird einem schwerbehinderten Bewerber, der das Anforderungsprofil erfüllt, nach einem nicht bestandenen schriftlichen, für alle Bewerber verbindlichen Auswahltest abgesagt, ohne ihn zum Vorstellungsgespräch einzuladen, stellt dies ein Indiz für eine Diskriminierung wegen der Schwerbehinderung dar, was die Zahlung einer Entschädigung nach sich ziehen kann. Dies hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein mit Urteil vom 09.09.2015 entschieden (Az.: 3 Sa 36/15).
Nur "mindestens vollwertige Fachhochschulreife" als Voraussetzung
Die Beklagte, eine öffentliche Arbeitgeberin, schrieb Ausbildungsplätze im dualen Studium zur Verwaltungsinformatikerin/zum Verwaltungsinformatiker Diplom (FH) aus. Voraussetzung war ausdrücklich eine "mindestens vollwertige Fachhochschulreife". Der schwerbehinderte, entsprechend ausgebildete Kläger bewarb sich um den Studienplatz, nahm an dem bereits in der Ausschreibung erwähnten schriftlichen Eignungstest teil und fiel durch. Daraufhin erteilte ihm die Beklagte eine Absage.
Zu vermutende Diskriminierung nicht widerlegt
Der Kläger verlangte von der Beklagten die Zahlung einer Entschädigung, weil er wegen seiner Schwerbehinderung benachteiligt worden sei. Seine Klage war sowohl vor dem Arbeitsgericht als auch vor dem Landesarbeitsgericht im Umfang von zwei Bruttomonatsvergütungen erfolgreich. Das Bestehen eines Eingangstests sei hier ausweislich der Ausschreibung keine Stellenanforderung gewesen, sondern bereits Teil des Auswahlverfahrens. Dabei hätte die Beklagte aber § 82 Satz 2 SGB IX beachten müssen. Ein fachlich geeigneter schwerbehinderter Bewerber sei danach vom öffentlichen Arbeitgeber immer zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Er solle etwaige Defizite in einem persönlichen Gespräch ausgleichen können. Unterbleibe die Einladung, werde nach dem Gesetz eine Diskriminierung aufgrund der Schwerbehinderung vermutet. Eine solche sei im entschiedenen Fall von der Beklagten nicht widerlegt worden, befand das Gericht.
- Redaktion beck-aktuell
- LAG Schleswig-Holstein
- Urteil vom 09.09.2015
- 3 Sa 36/15
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Schriftlicher Test ersetzt nicht Vorstellungsgespräch für schwerbehinderten Bewerber. beck-aktuell, 25.11.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/184376)



