Direkt zum Inhalt
Direkt zum Inhalt

Ruandas Geheimdienstchef in Großbritannien festgenommen

Vergessene Anrechte

Viele Verbrechen rund um den Völkermord in Ruanda mit 800.000 Toten blieben ungeklärt. Ruandas Geheimdienstchef Karenzi Karake wurde jetzt in London von der britischen Polizei in Zusammenhang mit mutmaßlichen Kriegsverbrechen festgenommen. Er befindet sich in Gewahrsam und soll am 25.06.2015 dem Haftrichter vorgeführt werden.

Völkermord in Ruanda: Hutu gegen Tutsi

Während des Völkermords in Ruanda 1994 wurden rund 800.000 Menschen getötet. Radikale Milizen der Volksgruppe der Hutu ermordeten damals drei Monate lang vor allem Tutsi, aber auch gemäßigte Hutus. Viele Menschen wurden mit Macheten in Stücke gehackt, andere bei lebendigem Leibe in Kirchen verbrannt.

Karake aufgrund europäischen Haftbefehls festgenommen

Karake sei aufgrund eines europäischen Haftbefehls im Auftrag der spanischen Behörden bereits am 20.06.2015 am Londoner Flughafen Heathrow gefasst worden, teilte Scotland Yard am 23.06.2015 mit. In Spanien wird der 54-Jährige wegen einer mutmaßlichen Verwicklung in Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung gesucht, darunter auch die Ermordung von drei spanischen Entwicklungshelfern in Ruanda 1997. Der Richter am Nationalen Gerichtshof in Madrid Fernando Andreu teilte mit, dass er die Auslieferung von Karake beantragt habe.

Ruandas Regierung empört über Verhaftung

Die ruandische Regierung zeigte sich erbost. Außenministerin Louise Mushikiwabo bezeichnete die Verhaftung als empörend. Dies sei ein Beispiel von westlicher Solidarität zur Erniedrigung von Afrikanern, schrieb sie im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Die Vorwürfe aus Spanien seien fabriziert von den Verantwortlichen des Völkermords in Ruanda. Der ruandische Botschafter in London sagte der BBC, die Festnahme sei umso kurioser, weil Karake trotz des Haftbefehls aus Spanien bereits häufiger in Großbritannien gewesen sei.

Erste Anklage bereits 2008

Ein spanischer Ermittlungsrichter hatte Karake und 39 weitere führende ruandische Militärangehörige 2008 wegen Kriegsverbrechen angeklagt, darunter auch Massaker an der Zivilbevölkerung und fliehenden Hutus in den 1990er Jahren. 2009 schränkte das spanische Parlament jedoch die Befugnisse der Richter bei der Verfolgung von Menschenrechtsvergehen im Ausland ein. Inzwischen kann die Justiz nur noch ermitteln, wenn Spanier betroffen sind. Die Regierung des ruandischen Präsidenten Paul Kagame hat die Vorwürfe aus Spanien stets zurückgewiesen.