Standmitteilungen von Kapitallebensversicherungen oft unverständlich

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Standmitteilungen von Kapitallebensversicherungen oft unverständlich. beck-aktuell, 15.07.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/173066)
Standmitteilungen von Kapitallebensversicherungen gehen oft am Informationsbedarf von Verbrauchern vorbei. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Marktwächter-Teams Finanzen der Verbraucherzentrale Hamburg. Besonders problematisch sei, dass ein Viertel der untersuchten Standmitteilungen nicht einmal die gesetzlichen Vorgaben vollständig erfülle. Wie die Verbraucherschützer am 14.07.2016 mitteilten, habe der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) diese Rechtsverstöße nun der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemeldet.
Verbrauchern fehlt Grundlage zur Beurteilung des Vertrags
In der Praxis seien viele Verbraucher mit den jährlichen Briefen der Versicherer überfordert, sagte Sandra Klug, Leiterin des Hamburger Marktwächter-Teams. Ein Viertel der untersuchten Standmitteilungen enthalte nicht einmal die wenigen gesetzlich vorgeschriebenen Angaben vollständig, wie beispielsweise die Leistung im Todesfall sowie bei Ablauf zuzüglich der garantierten Überschüsse. Darüber hinaus nenne kein Versicherer die Summe der insgesamt eingezahlten Beiträge. "Diese Information fehlt in allen untersuchten Standmitteilungen. Unserer Ansicht nach benötigen Verbraucher diese aber, um den Vertrag umfassend beurteilen zu können“, so Klug. Außerdem würden Verbraucher in drei von vier der untersuchten Standmitteilungen nicht erfahren, wie viel sie garantiert ausgezahlt bekommen, wenn sie ihren Vertrag beitragsfrei stellen. Nur in sechs der 68 untersuchten Standmitteilungen würden sich fast alle aus Verbrauchersicht wünschenswerten Angaben finden. Es fehle lediglich die Summe der bisher gezahlten Beiträge.
Verbraucherschützer kritisieren "Begriffsdschungel"
Ein weiteres Problem für Verbraucher sei der "Begriffsdschungel": Ein Überschuss werde nicht immer so bezeichnet. In einigen Standmitteilungen heiße er Gewinnguthaben, Bonussumme oder Ansammlungsguthaben. Dies erschwere den Vergleich von Policen verschiedener Anbieter. Selbst für das Wort Standmitteilung würden sich in den Unterlagen 15 zusätzliche Begriffsalternativen finden, die von Kontoauszug bis Leistungsübersicht reichen.
Grundlage der Untersuchung
Im Zeitraum Juni 2015 bis Februar 2016 erhielt das Hamburger Marktwächter-Team Standmitteilungen zu rund 900 Verträgen von Verbrauchern aus Beratungsgesprächen oder direkt per Post. Insgesamt habe das Team dadurch von 48 der rund 90 Lebensversicherer in Deutschland mindestens eine Standmitteilung erhalten und ausgewertet. Diese Gesellschaften würden 89% des gesamten Bruttoumsatzes der Branche verzeichnen. Unter den Schreiben befänden sich auch die jährlichen Briefe der 22 größten Lebensversicherer bundesweit. Einige Versicherer würden unterschiedliche Standmitteilungen versenden, wenn sie in der Vergangenheit einen anderen Versicherer und dessen Bestände übernommen haben. Diese wurden nach Angaben der Verbaucherschützer ebenfalls berücksichtigt und erhöhten die Zahl der insgesamt untersuchten Standmitteilungen auf 68.
- Redaktion beck-aktuell
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Standmitteilungen von Kapitallebensversicherungen oft unverständlich. beck-aktuell, 15.07.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/173066)



