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Auschwitz-Prozess

Früherer SS-Mann erklärt Mechanik des Holocaust

Rechtspartnerschaften in Zeiten des Krieges

Im Auschwitz-Prozess in Lüneburg ging der angeklagte frühere SS-Mann Oskar Gröning erstmals auf die angesichts des Holocaust oft gestellte Frage ein, was den Einzelnen zur Beteiligung an den unfassbaren Verbrechen brachte und wie die Täter mit der Schuld und den Bildern ihres grauenvollen Tuns weiterleben konnten. „Es fand bei mir eine Verdrängung statt, die mir heute unerklärlich ist“, ließ Gröning erklären. „Vielleicht war es aber auch die Bequemlichkeit des Gehorsams, zu dem wir erzogen waren und der Widersprüche nicht zuließ."

Vorwurf: Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen

Dem ehemaligen SS-Mann wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen vorgeworfen. Er hatte eingeräumt, aus dem Gepäck von verschleppten Juden Geld gezählt und an die SS in Berlin weitergeleitet zu haben. Dies brachte ihm später den Beinamen "Buchhalter von Auschwitz“ ein.

Gröning: Meine Tätigkeit half dem "System Auschwitz“

Auch wenn er an dem Morden nicht unmittelbar beteiligt gewesen sei, habe er durch seine Tätigkeit dazu beigetragen, dass das System Auschwitz funktioniert habe, ließ der 94-Jährige am 01.07.2015 in einer schriftlichen Einlassung erklären. Darin ging er auch auf die erschütternden Schilderungen etlicher Holocaust-Überlebender in dem Prozess ein.

Entschuldigung für früheren SS-Jargon im Prozess

Obwohl er seit dem Tag seiner Ankunft in Auschwitz von der Judenvernichtung dort gewusst habe, hätten ihn im Gericht die Aussagen der Überlebenden über ihr Leiden bei der Deportation, im Lager und während ihres späteren Lebens sehr beeindruckt. Um Entschuldigung bat er für den SS-Jargon, den er bei manchen seiner Schilderungen zu Prozessbeginn verwendet hatte. Ihm sei nicht bewusst gewesen, wie sehr dies die Opfer verletze, und das Vokabular von damals gebe nicht seine heutige Auffassung wieder.

Urteilsverkündung noch offen

Bevor die Staatsanwaltschaft - möglicherweise am 02.07.2015 - ihr Plädoyer hält, wollen Grönings Anwälte noch auf Fragen an den Angeklagten antworten. Da auch etliche Nebenklagevertreter ein eigenes Plädoyer vorbereiten, ist es noch offen, wann das Urteil fällt.