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Plädoyers im Klette-Prozess

Ex-RAF-Terroristin erklärt Überfälle - Nebenklage fordert Haft

Eine Frau mit weißen, zusammengebundenen Haaren und einem schwarzen Pullover steht in einem Gerichtssaal.
Daniela Klette kommt in den provisorischen Gerichtssaal des LG Verden. © picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette hält die Angeklagte selbst ihr Plädoyer. Darin räumt sie die Taten zwar nicht ein, erklärt sie aber aus ihrer Sicht. Ein Opferanwalt wirft ihr fehlendes Mitgefühl vor.

Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette wegen schweren Raubes hat die Angeklagte das Leid der Opfer anerkannt, ohne allerdings eine Beteiligung an den Taten einzuräumen. Ihr tue es "wirklich sehr leid" und es sei "zu bedauern", wie schwer einige der Geschädigten noch heute unter den Geschehnissen litten, sagte sie in ihrem Plädoyer vor dem LG Verden. Sie habe nicht gewusst, dass Geldboten und Kassenpersonal keine ausreichenden psychologischen Unterstützungen von ihren Arbeitgebern bekämen.

Klette: Raubüberfälle waren fürs Überleben notwendig

Sie verteidigte die Raubüberfälle als notwendig, um im Untergrund überleben zu können. Die Taten hätten nichts mit "Abenteuerlust" zu tun gehabt, sagte sie. Ausführlich sprach sie davon, wie sie und Gleichgesinnte die vergangenen Jahrzehnte erlebten. Dabei erklärte sie, dass sie sich selbst als Opfer des politischen Systems sieht. Nur in der Illegalität hätten sie und andere die Möglichkeit gehabt, als radikale Linke weiterzubestehen, sagte sie.

Demnach erwartete Klette nicht, dass Betroffene infolge der Raubüberfälle schwere psychische Probleme bekommen könnten. Indirekt stellte sie auch die Frage, ob die vor Gericht geschilderten Folgen tatsächlich nur auf die Überfälle zurückzuführen sind. Es gebe immer mehr traumatisierte Menschen in der Gesellschaft, sagte sie. Als Gründe nannte sie unter anderem Armut, Kriege, Unterdrückung von Minderheiten und Rassismus.

Opferanwalt beklagt fehlende Reue und Mitgefühl

Ein Anwalt der Nebenklage wirft Daniela Klette fehlende Reue und Mitgefühl vor. Er fordert mit Blick auf den Überfall auf einen Geldtransporter am 6. Juni 2015 elf Jahre Haft für die Angeklagte wegen versuchten schweren Raubes. Anders als die Staatsanwaltschaft bewertet der Opferanwalt die Tat nicht als versuchten Mord. Damit folgt er einer Einschätzung des Gerichts. Dieses hatte im Laufe des Prozesses mitgeteilt, dass es die Tat wohl nicht als versuchten Mord werten wird.

Der Mandant des Anwalts saß damals am Steuer des Fahrzeuges mit rund einer Million Euro, als drei Bewaffnete versuchten, an das Geld zu gelangen. Schüsse fielen, der Fahrer hatte Todesangst. "Er musste erleben, wie von außen in den Innenraum des Transporters geschossen wurde", sagte der Rechtsanwalt in seinem Plädoyer. Die Folgen der Tat für den damaligen Geldtransporterfahrer sind demnach schwer. Bis heute gehe es dem Mann "beschissen", sagte er. Er sei traumatisiert und nicht mehr in der Lage zu arbeiten.

Anwalt: Es geht nicht um RAF-Vergangenheit

Mehrfach wandte sich der Anwalt direkt an die Angeklagte, die von Unterstützern im Besucherraum mit Applaus und Jubel begrüßt wurde. Er warf ihr vor, dass sie selbst versucht habe, das Verfahren in einen politischen Kontext zu stellen. Dabei gehe es in dem Prozess nicht um ihre RAF-Vergangenheit und politische Taten, sondern um gewaltsame Raubüberfälle. Der Jurist kritisierte, dass Klette bislang keine Reue, keine Einsicht und auch kein Mitgefühl mit den vielen Opfern zeige. Er habe den Eindruck, sie sei gefangen in sich selbst, so der Anwalt. 

Laut Anklage soll Klette mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zwischen 1999 und 2016 maskiert und teils schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte in mehreren Städten überfallen haben. Dabei soll die Bande mehr als zwei Millionen Euro erbeutet haben.

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