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Psychothriller-Autor Arno Strobel

Sechs Millionen Leser – und der nächste Mord ist schon fertig

Arno Strobel mit einem Boch in der Hand vor seinem Bücherregal
"Jeder weiß, wer der Täter ist, aber niemand kann es beweisen." © picture alliance/dpa | Harald Tittel

Arno Strobel schreibt einen Psychothriller nach dem anderen. Fast 40 Bücher und sechs Millionen verkaufte Exemplare sind es schon. Jetzt verrät er, was für ihn der perfekte Mord ist.

Für die Beschreibung der Tat braucht Arno Strobel die Nacht. Er schaltet das Licht aus, lässt die Jalousien herunter. Es muss stockdunkel und still sein. "Es gibt gewisse düstere Szenen, Mordszenen – die schreibe ich nur nachts", sagt der Psychothriller-Autor in Tawern bei Trier.  "In der absoluten Finsternis macht sich ein gewisses Unbehagen breit. Und das ist genau das, was ich brauche", sagt der Schriftsteller, der es regelmäßig oben auf die Bestsellerlisten schafft ("Der Trakt", "Die App", "Offline"). Am 26. August erscheint sein neuester Thriller: "Happy Weekend".

Auch tagsüber, mit Licht am Schreibtisch, im Dachgeschoss, am Laptop im Garten oder unterwegs im Wohnmobil: "Ich denke mich voll und ganz in die Person hinein, über die ich gerade schreibe", sagt der gebürtige Saarländer. "Ich bin dann quasi sie." Dann sei er wie im Tunnel. "Aber nur so funktioniert es." Strobel liebt es, seine Figuren aus dem normalen Alltag in extreme psychische Grenzsituationen zu bringen, in denen sie Todesangst haben. "Ich möchte erreichen, dass jeder denkt: 'Ups, das könnte mir theoretisch auch passieren'", sagt der 63-Jährige, der knapp 40 Werke in einer Gesamtauflage von rund sechs Millionen verkauft hat. 

Die Story seines neuen Werks passt ins Muster: Ein Mann und eine Frau brechen auf in ein schönes Wochenende, da wird ihnen an einer Raststätte der Koffer geklaut. Da sie einen GPS-Tracker im Koffer haben, folgen sie dem Wagen mit dem Koffer. Doch dann landen sie in einer Falle, die zum Albtraum wird.

Wie KI seinen Job verändert

Auf dem Schreibtisch von Strobel liegen neben Autogrammkärtchen, Stiften und Papieren drei Bücher. "Die benutze ich immer wieder", sagt er. Eines über Todesermittlungen, die anderen über Forensik und Rechtsmedizin. Natürlich nutze er zur Recherche auch Künstliche Intelligenz (KI). "Ich wäre verrückt, wenn ich das nicht machen würde."

Wenn er zum Beispiel etwas über ein Verfahren in einem bestimmten Beruf wissen wolle, bekomme er bei ChatGPT zwei Sekunden später die Antwort, die er brauche. "Eine enorme Arbeitserleichterung." KI zum Schreiben brauche er nicht: "Ich schreibe meine Bücher immer noch selbst. Und das wird auch so bleiben." Hauptgrund: "Mir macht das Schreiben Spaß."

Strobel ist überzeugt, dass KI seinen Beruf "dramatisch verändern" wird. "Diese Modelle werden immer besser. Ich glaube, es dauert noch eineinhalb, maximal zwei Jahre, dann sind diese Dinger so trainiert, dass sie auch wirklich Stile imitieren können." De facto entstehe also eine Konkurrenz. Es liege aber an jedem Einzelnen, wie er damit umgehe, sagt Strobel. Er konzentriere sich auf das, was KI nicht könne: "immer mehr Präsenz". Er mache vermehrt Lesungen und Events zu seinen Büchern. Seit Mai 2020 moderiert er mit Andreas Winkelmann den Podcast "2 Verbrecher".

Wo Strobel neuen Stoff für Storys entdeckt

Die Themen für neue Psychothriller gehen Strobel nicht aus. "Ich weiß, dass so viele Geschichten in mir stecken, so alt kann ich nicht werden." Wie er sie findet? Meistens durch Beobachten im eigenen Umfeld, sagt er. Wenn er etwa durch eine Fußgängerzone laufe, sehe er Situationen, bei denen er denke: "Wenn jetzt das und das wäre, dann wäre es interessant."

Strobel hat erst mit 40 Jahren mit dem Schreiben angefangen. Vorher hat er als IT-Experte bei einer Bank in Luxemburg gearbeitet. 2014 hat er gekündigt: "Ich wollte nur noch schreiben." Gerade habe er schon seinen Thriller für den Herbst 2027 fertiggestellt.

Zwei bis drei Monate brauche er für ein Werk. Hat er eine Grundidee, überlegt er sich einen Schluss – und fängt mit dem Schreiben an. Dabei entwickele er nach und nach die Geschichte: "Es ist tatsächlich so, dass ich schreibe und denke: 'Oh, ich kann es gar nicht erwarten, wie es weitergeht.'"

Was er denkt, wenn er die Bestsellerliste anführt?

Strobel ist auch international erfolgreich. Seine Psychothriller sind in 16 Sprachen übersetzt. "Ich flippe immer noch aus, wenn ich meinen Namen auf der Bestsellerliste auf der eins sehe", sagt der Autor, der ursprünglich mal Kfz-Mechaniker gelernt hat. "Ich habe sehr viel Glück gehabt in meinem Leben."

Auch wenn er beim Schreiben tief in den Kopf von Mördern & Co abtauche: Er habe noch nie daran gedacht, selbst ein Verbrechen zu begehen, sagt Strobel. "Ich glaube, dass die allerwenigsten Menschen dazu fähig sind, tatsächlich einem Menschen das Leben zu nehmen." Was für ihn der perfekte Mord ist? "Wenn jeder weiß, wer der Täter ist, aber keiner kann es ihm beweisen."