Eine Runde um den Kuhstall

Zitiervorschlag
Dr. Monika Spiekermann; Sebastian Förste: Eine Runde um den Kuhstall. beck-aktuell, 13.10.2026 (abgerufen am: 13.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207596)
Am 27.9. wurde auf einem Bauernhof vor den Toren Hamburgs wieder die alljährliche Meisterschaft im Strohballenrollen ausgetragen.
Dabei sollten eigentlich erstmals 16 Teams aus verschiedenen Anwaltskanzleien der Hansestadt in einer eigenen Wertung gegeneinander antreten. Doch am Ende haben sich trotz intensiver Werbung nur zwei Kanzleien getraut. Was erfolgreiche Strohballenroller auszeichnet und ob es im kommenden Jahr eine Wiederauflage gibt, haben wir mit Organisator Sebastian Förste von Gunnercooke geklärt.
NJW: Eine Kanzleimeisterschaft im Strohballrollen klingt fast nach einer aus einer Bierlaune heraus geborenen Idee. War Ihnen ein Fußball- oder Golfturnier zu banal?
Förste: Ein Golfturnier gibt es schon. Die Idee, beim jährlichen Strohballenrollen eine eigene Wertung „Law meets Straw“ für Kanzleien einzuführen, kam mir, als ich von „Law meets Tax“ las, dem Golfturnier des Hamburgischen Anwaltvereins. Strohballenrollen ist so ziemlich das Gegenteil von Golfen. Dazu kommt, dass ich in Lüdershausen aufgewachsen bin. Das Wettrollen selbst veranstaltet der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Lüdershausen bereits zum dritten Male. Ich habe die Kanzleiwertung angestoßen.
NJW: Eigentlich waren ja für Kanzleien 16 Startplätze zu vergeben. Am Ende haben sich nur zwei angemeldet. Hat Sie das enttäuscht? Und haben Sie eine Erklärung für diese Zurückhaltung?
Förste: Nein, enttäuscht war und bin ich nicht. Ich hatte natürlich gehofft, dass sich 16 Kanzleien anmelden, aber vermutlich war es zu kurzfristig, zu neu und ungewöhnlich. Dieses Jahr hatte bereits der Hamburgische Anwaltverein von unserer Veranstaltung berichtet, nach Erscheinen dieses Interviews werden wir im besten Fall eher zu viele als zu wenige Anmeldungen bekommen. Defenza, die Kanzlei, die gegen uns angetreten ist, war so begeistert, dass sie bereits angekündigt haben, nächstes Jahr mit zwei Teams zu starten.
NJW: Wie setzten sich die beiden Kanzleiteams denn zusammen?
Förste: Ein Team besteht aus vier Rollern, zwei Ersatzspieler sind erlaubt. Für gunnercooke sind Dr. Susanne Werner, Michael Dietz, Alexander Werner sowie meine Frau und ich angetreten, das zweite Kanzleiteam stellte die Strafrechtskanzlei Defenza.
NJW: Welche Aufgaben mussten bewältigt werden?
Förste: Vier Leute rollen einen 300 Kilogramm schweren Strohballen so schnell wie möglich einmal um den Kuhstall. Gespielt wird im K.o.-System; jeweils zwei Teams treten gegeneinander an, und der Sieger zieht in die nächste Runde ein, der Verlierer scheidet aus, so wie auch wir in der ersten Runde.
NJW: Klingt ganz schön sportlich …
Förste: Das ist es auch, insbesondere weil es auch etwas bergauf und dann später wieder bergab ging. In so einem Rennen steckt zwar einiges an Taktik, entscheidend ist am Ende aber dann doch die Kraft. Das hat mich selbst am meisten überrascht.
NJW: Was zeichnet erfolgreiche Strohballenrollerinnen und -roller darüber hinaus aus?
Förste: Vor dem Start muss festgelegt sein, wer schiebt, wer lenkt und wer in der Kurve abbremst. Den Ausschlag geben dann Kraft und Ausdauer. Bei den Männern hat das durchtrainierteste Team gewonnen. Bei den Frauen waren die Handballerinnen die Titelverteidigerinnen und auch die fittesten. Sie haben aber das Finale verloren, weil sie sich in der ersten Kurve verhakt und diese Zeit nicht mehr aufgeholt haben.
NJW: Einige Spiel- bzw. Rollregeln haben Sie ja bereits erwähnt. Gab es weitere, oder waren die Teams ansonsten frei, wie sie den Strohballen ins Ziel brachten?
Förste: Die Regeln sind überschaubar: vier Rollerinnen bzw. Roller pro Team, zwei Ersatzspieler, eine Runde um den Kuhstall, K.o.-System. Wer die Mittellinie mit dem Strohballen überquert, erhält eine Zeitstrafe. Die Zeit wird erst gestoppt, wenn alle Roller über der Ziellinie sind.
NJW: Wir streiten ja schon von Berufs wegen gerne. Auch beim Strohballenwettrollen?
Förste: Nein, da gab’s weder zwischen Defenza und uns noch zwischen irgendwelchen anderen Teams Streitereien. Alle waren extrem fair und haben sich jeweils nach dem Rennen abgeklatscht oder sogar umarmt. Das Wetter und die ganze Atmosphäre hat bei allen für beste Laune gesorgt.
NJW: Wo konnten sich denn die beiden Kanzleiteams im Gesamtklassement platzieren? Wenn wir richtig informiert sind, hat es für keines der beiden Teams für den Sieg gereicht.
Förste: Unser Rennen gegen Defenza begann gut. In der ersten Kurve lagen wir vorn. Dann hat uns Defenza auf der Innenbahn überholt und auf der Geraden abgehängt, und in der Abfahrtskurve sind wir mit Schwung in der Bande gelandet. Am Ende stand es 2 Minuten 10 Sekunden gegen 1 Minute 40 Sekunden für Defenza. Die Bestzeit ist übrigens 1 Minute 5 Sekunden. Wir sind in der ersten Runde rausgeflogen, Defenza in der dritten, also im Viertelfinale, ist aber jetzt erster Hamburger Kanzleimeister im Strohballenrollen. Den Männer-/Mixed-Wettbewerb gewann wie im Vorjahr Strohmberg, im Finale knapp vor dem Team Unschlagbar. Bei den Frauen setzten sich die Strohraketen aus Lüdershausen im Finale gegen den Titelverteidiger Heu Heu Heu aus Lüneburg durch.
NJW: Was gab es für das siegreiche Team zu gewinnen, von Ehre und Ruhm mal abgesehen?
Förste: Die Sieger erhielten 400 EUR, die Zweitplatzierten 200 EUR. Für Platz drei gab es Getränke. Dazu kamen Sonderpreise für die besten Team-Outfits. Es gab auch ein Kinderrennen. Dort erhielten alle Kinder einen Gutschein für den Eiswagen.
NJW: Schweißt die Teilnahme an so einem Wettbewerb mehr zusammen als das jährliche Sommerfest?
Förste: Zumindest ist der Adrenalinspiegel höher und die Stimmung ausgelassener. Ich fand es zudem schön, die Familien der Kollegen besser kennenzulernen.
NJW: Der organisatorische Aufwand war ja auch angesichts des umfangreichen Rahmenprogramms nicht ganz unerheblich. Wie haben Sie das mit Ihrem Kanzleijob eigentlich unter einen Hut gebracht?
Förste: Den Aufwand haben vor allem die Ehrenamtlichen aus Lüdershausen um den Hauptorganisator Gerrit Dittmer getragen. Veranstalter ist der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr, und das Orga-Team kümmert sich auch um die Verpflegung und das Kinderprogramm. Mein Anteil beschränkte sich auf die Kanzleiwertung und die Ansprache der Kanzleien. Das ließ sich neben der Arbeit erledigen.
NJW: Wird es im kommenden Jahr trotz des relativ geringen Interesses bei den Hamburger Kanzleien eine Wiederauflage geben?
Förste: Ja, definitiv. Defenza hat gleich für nächstes Jahr wieder zugesagt. Wir laden alle Kanzleien, Staatsanwälte, Richter und Polizisten ein, nächstes Jahr mitzumachen und um den Titel zu kämpfen. Wer Interesse hat, kann sich schon jetzt bei mir unter sebastian.foerste@gunnercooke.com melden.
NJW: Ihr persönliches Highlight der Veranstaltung?
Förste: Dass es die Kanzleimeisterschaft überhaupt gab. Am letzten Sonntag im September standen zum ersten Mal Anwälte neben Minions, einer 1980 er-Aerobic-Truppe und einem Kita-Team mit Schneewittchen an der Startlinie. Bei Sonne und 24 Grad war die halbe Region auf dem Hof Dittmer. Das liebevoll betreute Kinderprogramm mit Schminken, Kinderstrohballenrollen, Spielen im Stroh, Apfelsaftpressen, Feuerwehrspritze und eigenem Malheft ist eigentlich kaum noch zu toppen. Vielleicht können wir nächstes Jahr aber doch noch eine Schippe drauflegen.
Wenn er nicht gerade eine Kanzleimeisterschaft im Strohballenrollen organisiert, berät Sebastian Förste als Partner einer internationalen Wirtschaftskanzlei FinTechs, Banken und Zahlungsinstitute im Bank- und Finanzrecht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den rechtlichen Anforderungen an den Einsatz von KI-Systemen. Er ist zudem Data Scientist und entwickelt KI-gestützte Anwendungen für die Rechtsberatung, gründete und führte ein Legal-Tech-Unternehmen. Seine juristische Ausbildung absolvierte er unter anderem an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sowie an der Universität Uppsala. Förste referiert regelmäßig über die Regulierung von Kryptowerten und den Einsatz von KI in der Rechtsberatung.
Dieser Text stammt aus Heft 41/2026 der NJW. Sie möchten die NJW kostenlos testen? Jetzt vier Wochen gratis testen inkl. Online-Modul NJWDirekt.
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Dr. Monika Spiekermann; Sebastian Förste: Eine Runde um den Kuhstall. beck-aktuell, 13.10.2026 (abgerufen am: 13.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207596)



