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Menschenrechtspreis des DRB

Guatemaltekischer Richter Miguel Ángel Gálvez ausgezeichnet

Man sieht ein Porträt des Richters Miguel Ángel Gálvez.
Miguel Ángel Gálvez, Richter am Hochrisikogericht Guatemalas, posiert im Mai 2022 für ein Foto in seinem Büro. © picture alliance / REUTERS | Luis Echeverria 

Der Deutsche Richterbund hat den Richter Miguel Ángel Gálvez aus Guatemala mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Geehrt wird er für seinen Einsatz gegen Korruption und Straflosigkeit in Guatemala.

Der Deutsche Richterbund (DRB) hat den guatemaltekischen Richter Miguel Ángel Gálvez mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Richter‑ und Staatsanwaltstags in Weimar statt.

Nach Angaben des DRB würdigt die Auszeichnung Richterinnen, Richter und Angehörige der Justiz, die sich unter erheblichen persönlichen Risiken für Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte einsetzen. Der Verbandsvorsitzende Achim Scholz unterstrich bei der Verleihung, dass die internationale Aufmerksamkeit auch dem Schutz der Preisträger in ihren Herkunftsländern diene.

Gálvez war seit 1999 Richter in Guatemala und befasste sich über viele Jahre mit Verfahren zu schweren Menschenrechtsverletzungen, organisierter Kriminalität und staatlicher Korruption. Als Vorsitzender eines Hochrisiko‑Strafgerichts leitete er zahlreiche komplexe Verfahren, die ihm internationale Bekanntheit einbrachten.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt seine Mitwirkung an der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen des ehemaligen Militärdiktators Efraín Ríos Montt. Die Verfahren mündeten 2013 in der Verurteilung eines früheren Staatschefs in Guatemala wegen Völkermordes – ein bislang einmaliger Vorgang im Land.

Auch im sogenannten "La‑Línea"-Korruptionsskandal spielte Gálvez eine zentrale Rolle. 2015 ordnete er die Festnahme des damaligen Präsidenten Otto Pérez Molina und der Vizepräsidentin Roxana Baldetti an. Die Ermittlungen deckten ein weit verzweigtes Korruptionsnetzwerk auf.

Gálvez lebt mittlerweile im Exil

Der DRB verweist darauf, dass Gálvez wegen seiner richterlichen Tätigkeit wiederholt bedroht, öffentlich diffamiert und politisch unter Druck gesetzt wurde. Trotz internationaler Unterstützungsbekundungen legte er 2022 sein Richteramt nieder und lebt derzeit im Exil.

In seiner Dankesrede hob Gálvez nach Angaben des DRB die Bedeutung einer unabhängigen Justiz hervor und widmete die Auszeichnung Kolleginnen und Kollegen, die wegen ihres Einsatzes für die richterliche Unabhängigkeit Guatemala und andere Länder Zentralamerikas verlassen mussten.

Der DRB vergibt seinen Menschenrechtspreis seit 1991.