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Ausgerechnet Weil Gotshal

Großkanzlei vor der Selbstabwicklung

Weil, Gotshal & Manges Gebäude im Silicon Valley
Die Ära einer großen Wirtschaftskanzlei geht Ende des Jahres zu Ende. © JHVEPhoto / Adobe Stock

Eine der bekanntesten Wirtschaftskanzleien der Welt steht vor dem Aus. Weil, Gotshal & Manges will seine Geschäftstätigkeit einstellen – ausgerechnet die Kanzlei, die Lehman Brothers, Enron und General Motors durch die Insolvenz führte.

Die Führung der US-Großkanzlei Weil, Gotshal & Manges hat am Mittwoch den Partnern empfohlen, den Geschäftsbetrieb geordnet einzustellen. Über den Vorschlag soll die Partnerschaft in den kommenden Tagen abstimmen. Falls sie zustimmt, endet eine 95-jährige Kanzleigeschichte, die wie kaum eine andere mit den großen Wirtschaftspleiten der jüngeren amerikanischen Geschichte verwoben ist – und deren letztes Kapitel ausgerechnet eine Selbstabwicklung wäre.

Weil Gotshal, 1931 in New York gegründet, begleitete unter anderem Lehman Brothers, Enron und General Motors durch deren Chapter-11-Verfahren und galt als Wegbereiter der modernen US-Restrukturierungspraxis. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Kanzlei mit rund 1.200 Anwältinnen und Anwälten an 15 Standorten einen Umsatz von 2,1 Milliarden US-Dollar. Für die Abwicklung hat Weil die Restrukturierungsberatung AlixPartners und den Davis-Polk-Insolvenzrechtler Brian Resnick ins Haus geholt – die Kanzlei strebt an, den Prozess ohne eigenes Insolvenzverfahren zu bewältigen.

Abwärtsspirale seit September

Ausgelöst hat den Niedergang der Abgang von Michael Aiello, dem langjährigen Leiter des Corporate-Bereichs und einer der umsatzstärksten Partner. Mitsamt fünf weiteren Kollegen wechselte er zu Cravath, Swaine & Moore. Aiello hatte M&A-Transaktionen im Volumen von mehr als 110 Milliarden Dollar betreut. Der Londoner Co-Managing-Partner David Avery-Gee schloss sich Sullivan & Cromwell an, andere gingen zu Simpson Thacher & Bartlett.

Im September soll Weil Aiellos Wechsel zu Cravath noch als Abgang zu einer "kleineren Plattform" kommentiert haben. Sieben Wochen später ist es Weil selbst, das ohne Plattform dasteht.

Die Kanzleiführung versuchte gegenzusteuern und führte Fusionsgespräche mit Willkie Farr & Gallagher – vergeblich. Dann erklärte Ramona Nee, die für 2027 als Nachfolgerin des langjährigen Kanzleichefs Barry Wolf vorgesehen war, sie werde das Amt nicht antreten. 

Eine pikante Fußnote: Aiello war 2007 von Dewey Ballantine zu Weil gewechselt, als auch diese Kanzlei Fusionsprobleme hatte. Dewey Ballantine fusionierte daraufhin mit LeBoeuf, Lamb, Greene & MacRae – die zusammengeschlossene Kanzlei ging fünf Jahre später unter. 

Auch Frankfurt und München betroffen

Was die Auflösung für die weltweit rund 1.200 Anwälte und die nicht-juristischen Mitarbeiter langfristig bedeutet, ist offen. In London beschäftigt Weil rund 45 Partner und 200 weitere Anwälte; Associates dort sollen Berichten zufolge eine 90-Tage-Abfindung erhalten, das Büro soll Ende Dezember schließen. Die Boni für 2026 sollen noch ausgezahlt werden.

In Deutschland unterhält die Kanzlei Standorte in Frankfurt a.M. und München mit zusammen etwa 60 Anwälten. Über deren Zukunft ist bislang nichts bekannt. 

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Parallelen zu Dewey & LeBoeuf

Der letzte Zusammenbruch einer US-Großkanzlei dieser Größenordnung ereignete sich 2012, als Dewey & LeBoeuf Insolvenz anmelden musste. Im Unterschied zu Dewey, dessen ehemalige Führung sich später strafrechtlichen Vorwürfen ausgesetzt sah, steht Weil finanziell offenbar noch auf soliden Beinen. Die Kanzlei trägt geringe Schulden, sie rangierte zuletzt unter den 30 umsatzstärksten US-Kanzleien. Dass der Zusammenbruch dennoch kam, lag an einer Dynamik, die Kanzleikenner als "Bank Run" auf eine Anwaltssozietät beschreiben. Sobald genug Partner gehen, folgen die nächsten – bis sich die Abwärtsbewegung nicht mehr aufhalten lässt.