Geld gibt's nicht nur für Genies

Zitiervorschlag
Sabine Meuter: Geld gibt's nicht nur für Genies. beck-aktuell, 21.10.2026 (abgerufen am: 21.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/208116)
Finanzielle Freiheit, wertvolle Kontakte und ein Glanzlicht im Lebenslauf – ein Stipendium bringt zahlreiche Vorteile. Welche Stipendien es für Studierende im Allgemeinen und für angehende Juristinnen und Juristen im Besonderen gibt.
Nicht für jedes Stipendium ist ein Einser-Abi ein Muss. In erster Linie kommt es oft auf etwas anderes an: gesellschaftliches Engagement. Wer in der Freizeit ehrenamtlich tätig ist, sich etwa um Seniorinnen und Senioren kümmert oder warmes Essen an Obdachlose ausgibt, hat gute Chancen. Das gilt auch für Jurastudierende.
Die Vorteile eines Stipendiums liegen klar auf der Hand: Wer es bekommt, kann sich voll und ganz aufs Studium konzentrieren, ohne Zeit für Nebenjobs einplanen zu müssen. Das ist insbesondere in der heißen Phase der Examensvorbereitung hilfreich. Dabei ist ein Stipendium aber viel mehr als nur eine finanzielle Stütze fürs Studium, die übrigens – anders als beim BAföG – nicht zurückzuzahlen ist. Eine Studienförderung geht oft auch mit einem umfangreichen Netzwerk, hausinternen Veranstaltungen sowie Workshops einher. Stipendiatinnen und Stipendiaten können so frühzeitig wertvolle berufliche und soziale Kontakte für ihre spätere Karriere knüpfen.
Vollstipendium oder Teilstipendium?
Grundsätzlich ist zwischen Voll- und Teilstipendien zu unterscheiden. In Deutschland vergeben 13 große Stiftungen Vollstipendien, darunter die Stiftungen der Parteien und kirchliche Stiftungen sowie die Studienstiftung des deutschen Volkes. Sie alle unterstützen neben Studierenden und Promovierenden übrigens auch Auszubildende.
Die Höhe der jeweiligen Förderung richtet sich nach der Höhe des BAföG. Für ein Vollstipendium gibt es maximal 1.744 Euro pro Monat – inklusive aller Zuschüsse. Zum Beispiel ein Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung, wenn die Geförderten nicht über ihre Eltern krankenversichert sind. Geförderte mit Kind erhalten eine Kinderbetreuungspauschale. In dem Betrag von 1.744 Euro ist eine Studienkostenpauschale in Höhe von 300 Euro enthalten.
Zahlreiche kleinere Stiftungen vergeben Teilstipendien etwa in Form von Büchergeld oder anderen Zuschüssen. Bekannt ist etwa das einkommensunabhängige Deutschlandstipendium. Es unterstützt besonders begabte Studierende mit 300 Euro pro Monat. Mit 150 Euro kommt die Hälfte des Betrags vom Bund. Die andere Hälfte wirbt die Hochschule, an der die Studentin oder der Student eingeschrieben ist, über private Geldgeber wie etwa Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen ein. Hochschulen, die das Deutschlandstipendium anbieten, zahlen den monatlichen Gesamtbetrag an den Studierenden oder die Studierende aus. Das Deutschlandstipendium wird dabei nicht auf BAföG-Leistungen angerechnet.
Stipendien von Kanzleien: Eintauchen in die Kanzleiwelt
Speziell für Jurastudierende gibt es eine Reihe von Stipendien. Ganz vorn mit dabei: die großen Wirtschaftskanzleien, die Stipendien unter anderem auch zur Nachwuchsgewinnung und zum Employer Branding nutzen. Wer frühzeitig Kontakte in die Kanzleiwelt aufbauen möchte, sollte sich hier umschauen.
So bietet die Kanzlei Görg beispielsweise ein Teilstipendium für Studierende in der Examensvorbereitung an. Für mindestens ein Jahr – mit Option zur Verlängerung – zahlt die Kanzlei 500 Euro monatlich. Zudem gibt es einen einmaligen Gutschein in Höhe von 600 Euro und einen Jahreszugang für das Online-Repetitorium Jura Online. Außerdem bekommen die Stipendiatinnen und Stipendiaten eine Partnerin oder einen Partner sowie eine oder einen Associate als Mentorin oder Mentor zur Seite gestellt. Die Stipendiaten können bei verschiedenen Veranstaltungen der Kanzlei dabei sein und haben die Möglichkeit, an internen Weiterbildungen sowie an Legal- und Business-Englischkursen teilzunehmen.
Die Wirtschaftskanzlei Linklaters bietet Jurastudierenden mit dem nationalen Programm "Gipfelstürmer" und dem europaweiten "Making Links" gleich zwei Förderprogramme an. "Gipfelstürmer" richtet sich an Studierende ab dem vierten Fachsemester und kombiniert ideelle Unterstützung mit Sachleistungen. Wer gefördert wird, bekommt ein persönliches Mentoring, einen Büchergutschein für Fachliteratur in Höhe von 200 Euro, einen Zugang zur Lern-App Jurafuchs sowie Einladungen zu Workshops, Fachvorträgen und Events. "Making Links" bietet eine deutlich umfassendere finanzielle und praktische Förderung. Unter anderem gibt es ein Kick-off-Event im Ausland und ein gezieltes Training für den englischsprachigen Kanzleialltag.
Ein Stipendium für Studierende der Rechtswissenschaft ab dem vierten Fachsemester bis zum ersten juristischen Staatsexamen bietet die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller. Bewerben können sich Studierende, die überdurchschnittliche Studienleistungen aufweisen. Zudem soll der Bildungsweg der Bewerbenden durch besondere Herausforderungen wie etwa einen familiären Hintergrund ohne Hochschulerfahrung, schlechte finanzielle Rahmenbedingungen oder Migrations- oder Fluchterfahrung geprägt sein. Das Stipendium umfasst neben einer finanziellen Unterstützung auch persönliches Mentoring und Networking-Möglichkeiten.
Das Stipendium der Kanzlei Aulinger richtet sich an Jurastudierende, die die Zwischenprüfung bereits bestanden haben. Über zwei Semester hinweg werden Stipendiatinnen und Stipendiaten persönlich und finanziell gefördert. Ihnen stehen Anwältinnen und Anwälte der Kanzlei als Ansprechpartnerinnen und Ratgeber zur Seite. Bei einem Speed-Dating können die Geförderten einen ersten Eindruck von den unterschiedlichen Fachrichtungen und Aufgabenbereichen bekommen. Zudem erhalten Stipendiatinnen und Stipendiaten jeweils einen Betrag in Höhe von 450 Euro, der in drei Tranchen à 150 Euro ausgezahlt wird.
"Stipendium für mehr Chancengleichheit" heißt das Förderprogramm der Wirtschaftskanzlei Baker McKenzie. Es richtet sich an Jurastudierende mit erschwertem Zugang zum Studium aufgrund kultureller, finanzieller oder familiärer Gründe. Wer sich bewerben möchte, sollte mit viel Sorgfalt das persönliche Motivationsschreiben erstellen – es wird stärker gewichtet als die rein finanzielle Bedürftigkeit. Das Programm umfasst einen kostenlosen Zugang zur Jurafuchs-App sowie einen vierteljährlichen Austausch in kleinen Gruppen, gezielte Praxiseinsätze sowie Unterstützung für Auslandsaufenthalte. Außerdem gibt es unter anderem interkulturelle Schulungen sowie Studienberatungshotlines.
Legal Excellence zahlt sich aus
Kanzleien sind längst nicht die einzigen Förderer angehender Juristinnen und Juristen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Programme, die finanzielle Unterstützung, fachliche Förderung und Zugang zu wertvollen Netzwerken bieten.
Etwa das "Legal Excellence Stipendium" – ein spezielles Förderprogramm des Finanzdienstleisters MLP financify für Jurastudierende (Staatsexamen, Bachelor oder Master of Laws), für Referendarinnen und Referendare sowie für Doktorandinnen und Doktoranden. Die Stipendien werden in mehreren Kategorien vergeben: für gute Studienleistungen, für gesellschaftliches Engagement, für wissenschaftliche Leistungen sowie für ein abgeschlossenes beziehungsweise aktuell laufendes Projekt oder ein Praktikum im Ausland. Die Stipendien beinhalten eine Einmalzahlung von 3.000 Euro, Kontakt zu Persönlichkeiten der Kanzleiwelt, einen Jahreszugang zur juristischen Lernplattform Jura Online sowie einen Koffer mit Kommentaren und Gesetzestexten für das Examen.
Das Onlinestipendium von e-fellows, das maßgeblich von der Unternehmensberatung McKinsey & Company und dem Zeit-Verlag getragen wird, richtet sich an Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Rechtsreferendarinnen mit herausragenden Leistungen. Stipendiatinnen und Stipendiaten bekommen für die Dauer von sechs Monaten eine Mentorin oder einen Mentor an ihre Seite sowie Einblick in ihre Wunschkanzlei etwa bei einem Schnuppertag oder Netzwerk-Veranstaltungen. Zudem gibt es unter anderem 600 Euro zur freien Verfügung sowie einen kostenfreien Zugriff auf juristische Fachdatenbanken wie etwa beck-online.DIE DATENBANK.
Wann und wie bewerben?
Wer herausfinden will, welche Stipendienträger in Frage kommen, kann sich unter anderem auf MyStipendium.de informieren. Alle, die sich für ein Stipendium bei den 13 großen Stiftungen bewerben möchten, sollten dies möglichst am Anfang des Jurastudiums tun, sich gut über die Bedingungen informieren und die Bewerbungsfristen checken. Kanzlei-Programme setzen dagegen meist erst im fortgeschrittenen Studium an. Es schadet aber auch hier nicht, sich früh schlau zu machen.
Zu einer Bewerbung für ein Stipendium gehören in der Regel ein Motivationsschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf und Leistungsnachweise. Je nach Förderwerk oder Stipendiengeber können außerdem Gutachten von Lehrkräften oder Hochschuldozierenden, Nachweise über ehrenamtliches Engagement oder die Teilnahme an Auswahlgesprächen erforderlich sein. Es lohnt sich, die benötigten Unterlagen frühzeitig zusammenzustellen.
Zitiervorschlag
Sabine Meuter: Geld gibt's nicht nur für Genies. beck-aktuell, 21.10.2026 (abgerufen am: 21.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/208116)



