Zwei KI-Rivalen, ein Produktname: "Intake"

Zitiervorschlag
Zwei KI-Rivalen, ein Produktname: "Intake". beck-aktuell, 15.10.2026 (abgerufen am: 15.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207786)
Erst Legora, dann Harvey: Die konkurrierenden Legal-KI-Anbieter haben kurz nacheinander Produkte namens "Intake" vorgestellt. Nicht nur der Name ist identisch. Beide Anwendungen wollen die Anlaufstelle für Anfragen an Rechtsabteilungen werden.
Gleicher Name, ähnliche Idee, fast zeitgleicher Start: Die Legal-KI-Anbieter Legora und Harvey haben innerhalb kurzer Zeit jeweils ein Produkt namens "Intake" angekündigt. Wie das britische Rechtsnachrichtenportal Legal Cheek berichtet, stellte Legora seine Anwendung am Dienstag vor. Harvey folgte am Mittwoch mit einem gleichnamigen Angebot. Ob eines der Unternehmen von den Plänen des anderen wusste, ist unklar.
Die Überschneidung reicht über den Produktnamen hinaus. Beide Anbieter beschreiben ihre Anwendung als "front door" für Rechtsanfragen, also als zentralen Zugang zur Rechtsabteilung. Beschäftigte sollen dort ihre Anliegen einreichen können; KI soll die Anfragen sortieren, Routineaufgaben bearbeiten und komplexere Fälle an die zuständigen Juristinnen und Juristen weiterleiten. Das Ziel beider Unternehmen: weniger Zeit für das Verteilen eingehender Arbeit, mehr Zeit für deren juristische Bewertung.
Legora startet in Slack
Bei Legora beginnt dieser Weg zunächst im Kommunikationsdienst Slack. Beschäftigte können den KI-Assistenten dort direkt ansprechen. Nach Angaben des Unternehmens fragt dieser fehlende Informationen ab, legt eine nachverfolgbare Aufgabe mit zuständiger Person und Frist an und bereitet die Bearbeitung vor. Dafür greift er auf die hinterlegten Arbeitsanweisungen und Leitfäden der Rechtsabteilung zurück. Juristinnen und Juristen sollen so einen ersten Entwurf prüfen können, statt bei null anzufangen. Die Verantwortung bleibt laut Legora bei ihnen.
Legoras Anwendung ist nach der Produktankündigung vom 13. Oktober bereits in Slack verfügbar. Eine Erweiterung auf Microsoft Teams, E-Mail und weitere technische Anbindungen ist geplant.
Harvey verbindet Anfragen und Vertragsprüfung
Harveys Variante soll Anfragen ebenfalls dort aufnehmen, wo Beschäftigte ohnehin arbeiten. Auf seiner Produktseite nennt das Unternehmen unter anderem E-Mail, Slack, Jira und ServiceNow als angebundene Kanäle. Nach den Regeln von Rechtsabteilungen soll die Anwendung entscheiden, ob eine Anfrage an einen freigegebenen KI-Agenten, eine andere Softwarefunktion oder eine Juristin oder einen Juristen geht. Rückfragen und Ergebnisse sollen wieder im ursprünglichen Kanal ankommen.
Nach einem ergänzenden Bericht des Fachportals Artificial Lawyer bindet Harvey dabei seine Vertragsanalyse "Contract Intelligence" ein. Das Versprechen: Die KI soll eingehende Verträge nicht nur weiterleiten, sondern anhand vorgegebener Prüfungsleitfäden bereits eine erste Prüfung vornehmen. Ein früher Zugang für Kundinnen und Kunden soll noch im Oktober möglich sein. Damit unterscheiden sich die Ankündigungen zumindest beim Start: Legora meldet die Verfügbarkeit in Slack, Harvey zunächst eine Early-access-Möglichkeit.
Die beinahe parallelen Vorstellungen zeigen, wie ähnlich die Anbieter den nächsten Einsatzbereich ihrer Systeme angehen: KI soll nicht erst helfen, wenn eine Anwältin oder ein Anwalt ihr eine konkrete Aufgabe stellt. Sie soll bereits beim Eingang einer Anfrage ins Unternehmen tätig werden, Informationen zusammentragen und Arbeit vorbereiten. Für Rechtsabteilungen versprechen beide Unternehmen damit nicht nur Unterstützung bei der Bearbeitung, sondern auch bei der Organisation ihrer Arbeit.
- Redaktion beck-aktuell, js
Zitiervorschlag
Zwei KI-Rivalen, ein Produktname: "Intake". beck-aktuell, 15.10.2026 (abgerufen am: 15.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207786)



