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Reaktionen auf Schuldspruch für Ex-Serbenführer Karadzic

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40 Jahre Haft erhält Ex-Serbenführer Radovan Karadzic für den Völkermord in Srebrenica 1995. Serbische Einheiten hatten im Juli 1995 die damalige UN-Schutzzone überrannt und danach etwa 8.000 muslimische Männer und Jungen abgeführt und ermordet. Die UN begrüßen den Spruch des UN-Tribunals vom 24.03.2016. Kritik kommt aus Serbien und Moskau. Angehörige von Opfern zeigten sich enttäuscht.

UN-Spruch löst viel Zustimmung aus

Der Schuldspruch ist nach Auffassung der Vereinten Nationen ein starkes Zeichen für internationale Gerechtigkeit. Mehr als 20 Jahre nach dem Bonsnien-Krieg sei dies ein "historischer Tag“ für die Menschen im ehemaligen Jugoslawien, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, sagte in Genf: "Dieses Urteil ist eine kräftige Manifestation des unerbittlichen Bekenntnisses der internationalen Gemeinschaft, Täter zur Verantwortung zu ziehen.“ Positive Reaktionen kam auch vom Jüdischen Weltkongress und vom Internationalen Auschwitz Komitee.

Kritik aus Russland, Serbien und von Opfern

Russland kritisierte das Urteil dagegen als einseitig. "Wir sagen seit langem, dass die Arbeit des internationalen Kriegsverbrechertribunals politisiert ist,“ sagte Vizeaußenminister Gennadi Gatilow am 25.03.2016 in Moskau. Die serbische Regierung hielt sich zwar mit Kritik zurück. Es bleibe "ein bitterer Beigeschmack“, sagte aber Justizminister Nikola Selakovic ebenfalls am 25.03.2016 in Belgrad nach einer Sondersitzung: "Wir werden niemandem erlauben, das Urteil als Grund zu nutzen, um auf unsere Landsleute mit dem Finger zu zeigen.“ Opfer und Angehörige waren enttäuscht, dass Karadzic keine lebenslange Haftstrafe bekam, wie die Anklage gefordert hatte. Doch Chefankläger Serge Brammertz zeigte sich zufrieden. "Das Gericht erkannte seine individuelle Schuld an", sagte er gegenüber der Presse.

Karadzic ranghöchster für schuldig gesprochener Politiker

Karadzic selbst sieht sich als Vorkämpfer gegen den islamistischen Terrorismus. "Weder die EU noch die internationale Gemeinschaft haben nach Paris und Brüssel begriffen, mit wem es die bosnischen Serben in den 90er Jahren zu tun hatten“, zitierte die Regierungszeitung "Novosti“ den 70-Jährigen. Karadzic ist nach dem Urteil einer der Hauptschuldigen des Massakers in Srebrenica. Als ehemaliger Präsident der bosnischen Serben ist er der ranghöchste Politiker, der jemals dafür schuldig gesprochen wurde. Die Richter sprachen Karadzic allerdings vom Anklagepunkt des Völkermordes in sieben bosnischen Kommunen frei. Die dort begangenen Verbrechen waren nach Ansicht der Richter kein Völkermord. Die Richter verurteilten den ehemaligen Psychiater auch für schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Mord, Ausrottung, Deportationen, Terror und Vertreibung. Opfer waren bosnische Muslime und Kroaten. "Er verfolgte gemeinsam mit anderen den Plan, alle Nicht-Serben dauerhaft von bosnischem Gebiet zu vertreiben“, erklärte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon.

Bosnien-Krieg: Hintergrund

Der Bosnien-Krieg in den 1990er Jahren kostete mehr als 100.000 Menschen das Leben. Allein bei der mehr als 44 Monate dauernden Belagerung von Sarajevo wurden mindestens 10.000 Menschen getötet. Karadzic wurde erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht festgenommen. Im letzten Srebrenica-Prozess wird das UN-Tribunal im nächsten Jahr das Urteil gegen Ex-General Mladic fällen. Unter seinem Kommando hatten serbische Einheiten die Enklave überrannt.