Direkt zum Inhalt
Direkt zum Inhalt

Russisches Gericht spricht Aktivistin symbolischen Schadensersatz gegen "Troll-Fabrik" zu

Rechtspartnerschaften in Zeiten des Krieges

Ein spektakulärer Gerichtsprozess in Russland hat Berichten zufolge Einblicke in die geheime Arbeit kremltreuer "Troll-Fabriken" geliefert. Die Aktivistin Ljudmilla Sawtschuk hatte ihren ehemaligen Arbeitgeber verklagt, der nach ihrer Darstellung in St. Petersburg "Trolle" beschäftigt, die in sozialen Netzwerken und Internetportalen kremlfreundliche Propaganda verbreiten. Sawtschuk erhielt nun von einem russischen Gericht einen symbolischen Schadenersatz von einem Rubel (etwa 0,01 Euro) zugesprochen, wie die Zeitung "Kommersant" am 18.08.2015 berichtete.

Sawtschuk: "Troll-Fabriken" publik machen

Es sei ihr nicht ums Geld gegangen, sondern darum, die Existenz der "Troll-Fabriken" publik zu machen, sagte die 34-Jährige. Dies allein sei ein Sieg. Sawtschuk habe über mehrere Wochen Texte geschrieben, die ihrer eigenen Überzeugung widersprochen hätten, um Informationen über das Unternehmen zu sammeln, erklärte Darja Suchich von der Bürgerrechtsorganisation Komanda 29, die Sawtschuk unterstützt.

Zwölfstündige Schicht, kein Vertrag, Verschwiegenheitsklausel

Sawtschuk zufolge arbeiten die "Trolle" in zwölfstündigen Schichten und müssen pro Tag mindestens fünf Texte schreiben sowie einen Internet-Blog mit einer erfundenen Identität unterhalten. Für den Job, den sie über eine Anzeige im Internet gefunden hatte, wurden ihr 41.000 Rubel (rund 560 Euro) monatlich in bar versprochen, ein Betrag, der als attraktives Gehalt gilt. Einen Vertrag erhielt Sawtschuk nicht. Lediglich eine Klausel musste sie unterschreiben, nicht über das Unternehmen zu sprechen.