Giacometti-Fälscher zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt

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Giacometti-Fälscher zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. beck-aktuell, 23.07.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/190296)
Im Prozess um nachgemachte Giacometti-Skulpturen hat das Landgericht Stuttgart einen Kunstfälscher am 22.07.2015 zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der 56-jährige Angeklagte hatte während des Prozesses ein umfangreiches Geständnis abgelegt. „Es war zwar kein Kavaliersdelikt, aber böse Absicht war nicht im Spiel“, sagte er kurz vor der Urteilsverkündung. Der Bildhauer soll weit mehr als 1.000 Skulpturen des Schweizer Künstlers Alberto Giacometti (1901-1966) gefälscht haben. Ihm waren banden- und gewerbsmäßige Urkundenfälschung und Betrug vorgeworfen worden. Der Schaden beträgt nach den Feststellungen des Gerichts mindestens 4,75 Millionen Euro.
Lügengeschichten über die Herkunft der Skulpturen
Das Gericht ging davon aus, dass der Bildhauer selbst rund 390.000 Euro Gewinn gemacht hat. Die Figuren hatten einen Materialwert von jeweils rund 100 Euro. Die Staatsanwältin hatte fünfeinhalb Jahre Haft gefordert, der Verteidiger auf maximal drei Jahre plädiert. Passend zu den falschen Figuren erfanden die Komplizen des Bildhauers für den Verkauf eine Legende über deren Herkunft. Ein Mitglied der Bande gab sich als "Reichsgraf von Waldstein“ und Freund von Alberto Giacomettis Bruder Diego aus. Gutgläubigen und betuchten Kunstfreunden erzählte er, die Skulpturen stammten aus einem von den Erben Giacomettis geheim gehaltenen Fundus. Zur Bekräftigung seiner Legende legte er ebenfalls gefälschte Echtheitszertifikate sowie das Buch "Diegos Rache“ vor.
Mehrere Prozesse gegen Fälscherbande
Die Fälscherbande war vor sechs Jahren aufgeflogen. Der "Graf" wurde 2011 zu mehr als neun Jahren Haft verurteilt. Insgesamt hat das Landgericht bereits fünf Urteile in dem Fall gesprochen. Weitere Verfahren sind anhängig. Der Kunstfälscher erklärte nach der Urteilsverkündung, keine Rechtsmittel einlegen zu wollen. Alberto Giacometti gilt als teuerster Bildhauer der Welt. Die Bronzefigur "Zeigender Mann“ wurde kürzlich für mehr als 141 Millionen Dollar versteigert - ein Auktionsrekord für Skulpturen. 500 solcher Kunstwerke soll der Schweizer maximal geschaffen haben.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
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Giacometti-Fälscher zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. beck-aktuell, 23.07.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/190296)



