80-Jähriger nach Raubüberfällen zu fast sieben Jahren Haft verurteilt

Zitiervorschlag
Kathrin Drinkuth: 80-Jähriger nach Raubüberfällen zu fast sieben Jahren Haft verurteilt. beck-aktuell, 08.06.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/175016)
Weil er mehrere Supermärkte überfallen hat, ist ein 80-Jähriger zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Urteil sei noch milde, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht Konstanz am 07.06.2016. "Das ist nur vor Ihrem hohen Alter zu rechtfertigen." Der 80-Jährige hatte die Taten zuvor gestanden (Az.: 4KLs 20 Js 28631/15).
Überfälle folgten alle gleichem Schema
Bei seinen Beutezügen Ende 2015 am Bodensee und im Schwarzwald war er immer nach dem gleichen Schema vorgegangen: Er legte an der Kasse einen günstigen Artikel (Getränk) vor und zog, nachdem die Kasse geöffnet war, eine täuschend echt aussehende Waffe. Damit bedrohte er die Mitarbeiter und forderte Geld. Insgesamt erbeutete er rund 5.000 Euro.
Geld für Hotels und Kleidung gebraucht
"Das Geld hat nicht lang gehalten“, sagt der betagte Dieb zum Prozessauftakt. Er habe teuer gelebt, in Hotels übernachtet, Kleidung gekauft, einen Wagen gemietet. Außerdem habe er neben dem Diebesgut aus den Überfällen keine weiteren Einkünfte gehabt. Immer wieder betont der gepflegte 80-Jährige: Sozialhilfe habe er nicht bekommen, er habe einen finanziellen Engpass gehabt.
Verteidigerin: Angeklagter hat Leben nach Haftentlassung nicht mehr gemeistert
Seine Verteidigerin zeichnet das Bild eines einsamen und vor allem hilflosen Senioren. Der Angeklagte sei erst Anfang 2015 aus dem Gefängnis entlassen worden und habe "sein Leben nicht auf die Reihe gekriegt“, sagte sie. "Man steht nach langer Haft plötzlich auf der Straße und weiß nicht weiter. Das ist schon bitter.“ Ein Gutachten habe ihrem Mandanten außerdem Anzeichen für eine beginnende Demenz bescheinigt – auch sie habe den Eindruck, er sei durcheinander und könne sich viele Dinge nicht mehr merken.
Angeklagter macht Fehlen sozialer Kontakte für seine Straffälligkeit verantwortlich
Das Vorstrafenregister des betagten Räubers in Konstanz ist lang: 20 Einträge zählt der Richter, darunter Diebstahl, Urkundenfälschung, Steuerhinterziehung, sogar Gefangenenmeuterei. Der 80-Jährige plaudert vor Gericht freimütig über diverse Delikte: Er habe schwarz gearbeitet, Kontakt mit "leichten Mädchen“ gehabt und ihnen Sachen gekauft, die er nicht bezahlte. "Sie haben doch studiert und alles mitbekommnen, um etwas anderes aus Ihrem Leben zu machen?“, fragt der Richter. Der 80-Jährige weicht aus. "Was mir gefehlt hat, war menschlicher Kontakt“, sagt er. "Solange das mit meiner Frau funktioniert hat, war an kriminelle Geschichten nicht zu denken. Aber als das in die Brüche ging, hatte ich niemanden, mit dem ich reden konnte.“
1,7 Millionen Schilling bei Überfall auf österreichische Bank erbeutet
Um die Jahrtausendwende gelingt dem 80-Jährigen sein größter Coup: Er überfällt eine österreichische Bank und erbeutet 1,7 Millionen Schilling. "Das Highlight Ihrer strafrechtlichen Karriere", sagt der Richter. Der Angeklagte stimmt zu: "Das war im Grunde genommen ein richtiger Glücksfall", sagt er. "Ich wusste vorher gar nicht, was da zu holen ist." Aber seine Glückssträhne währte nicht lang: "Sie haben mich schnell gekriegt.“
- dpa
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Kathrin Drinkuth: 80-Jähriger nach Raubüberfällen zu fast sieben Jahren Haft verurteilt. beck-aktuell, 08.06.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/175016)



