Koalition will Fehlentwicklungen bei Zeitverträgen für junge Wissenschaftler entgegenwirken

Zitiervorschlag
Koalition will Fehlentwicklungen bei Zeitverträgen für junge Wissenschaftler entgegenwirken. beck-aktuell, 30.06.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/191576)
Die große Koaliton will extremen Fehlentwicklungen bei Zeitverträgen für junge Wissenschaftler einen Riegel vorschieben und schon in Kürze Weichen für sichere Karrierewege von Nachwuchsforschern an deutschen Hochschulen stellen. Nach den SPD-Fachpolitikern sprachen am 29.06.2015 auch die CDU/CSU-Wissenschaftsexperten Albert Rupprecht und Alexandra Dinges-Dierig von einem Durchbruch. Man wolle noch vor der Sommerpause zu einer Verständigung mit dem Koalitionspartner auf ein Gesamtpaket zur Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses kommen, erklärten die Unionspolitiker.
Gemeinsames Bund-Länder-Programm anvisiert
Dafür habe man ein konkretes Angebot mit Eckpunkten für ein gemeinsames Bund-Länder-Programm zur Förderung von sogenannten Tenure-Track-Professuren an Universitäten und eine flankierende Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes unterbreitet. Diese Gesetzesreform war zwischen Koalition und Opposition, aber auch zwischen CDU/CSU und SPD lange umstritten. Sie wurde am 29.06.2015 auch in einer öffentlichen Anhörung des Bundestags-Ausschusses für Bildung und Forschung erörtert.
Ziel: Unterbindung "unsachgemäßer Kurzbefristungen“
Mit dem nun absehbaren KOmpromiss wolle Schwarz-Rot „dafür sorgen, Fehlentwicklungen in der Befristungspraxis abzustellen, ohne die in der Wissenschaft erforderliche Flexibilität und Dynamik zu beeinträchtigen“, hieß es von den Unionsexperten. Es gehe darum, "unsachgemäße Kurzbefristungen“ zu unterbinden. „Kürzere Laufzeiten von Verträgen müssen aber möglich bleiben“, betonten CDU und CSU in ihrem von der SPD bereits begrüßten Grundsatzpapier.
Grünenexperte mahnt Gesetzentwurf noch vor Sommerpause an
Der Grünen-Experte für Hochschule, Wissenschaft und Forschung, Kai Gehring, mahnte: „Es wäre unverantwortlich gegenüber jungen Wissenschaftlern, wenn die Koalition vor der Sommerpause keinen Gesetzentwurf mehr auf den Weg bringt.“ Die Grünen forderten „ein neues Programm für mindestens 10.000 Nachwuchsstellen an den Hochschulen vom Mittelbau bis zur Tenure-Track-Professur». Ein solches Nachwuchsprogramm für zusätzliche Dauerstellen sei „auf ein Jahrzehnt angelegt, so dass sowohl die aktuelle als auch spätere Nachwuchsgenerationen davon profitieren“.
Gewerkschaft GEW will bessere Absicherung der Promotionsphase
Auch die Bildungsgewerkschaft GEW machte Druck auf die schwarz-rote Koalition. Unterhalb der Professur haben nach GEW-Zahlen derzeit bis zu 90% der Forscher und Dozenten oft nur kurzfristige Zeitverträge. Damit gehe Deutschland im internationalen Vergleich einen „Sonderweg“ und schade der eigenen Reputation und Attraktivität als Wissenschaftsstandort, kritisierte der GEW-Vize Andreas Keller. Die Gewerkschaft will unter anderem die Promotionsphase besser absichern.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
Zitiervorschlag
Koalition will Fehlentwicklungen bei Zeitverträgen für junge Wissenschaftler entgegenwirken. beck-aktuell, 30.06.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/191576)



