Kabinett beschließt Tabakwerbeverbot – Scharfe Kritik aus Wirtschaft

Zitiervorschlag
Kabinett beschließt Tabakwerbeverbot – Scharfe Kritik aus Wirtschaft . beck-aktuell, 20.04.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/177521)
Zigarettenwerbung auf Plakaten und im Kino soll von Juli 2020 an verboten werden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf des Bundesernährungsministers Christian Schmidt (CSU) will das Bundeskabinett am 20.04.2016 in Berlin beschließen. Das Tabakwerbeverbot soll nach früheren Berichten auch E-Zigaretten einschließen und sich auf Außenflächen wie Plakatwände oder Litfaßsäulen erstrecken.
Kinowerbung verboten bei für minderjährige Zuschauer freigegebenen Filmen
An Fachgeschäften sowie in Verkaufsstellen wie Trinkhallen oder Tankstellen wird Tabakwerbung weiter erlaubt sein. In Kinos soll das Werbeverbot bei allen Filmen gelten, die für Zuschauer unter 18 Jahren freigegeben sind. Das ist der überwiegende Teil der Filme.
Rauchtabakindustrie-Verband: Werbeverbot wäre Präzedenzfall
Tabakindustrie und Werbewirtschaft kritisieren die Gesetzespläne und hoffen auf Korrekturen im weiteren Gesetzgebungsverfahren. "Das Werbeverbot wäre ein Präzedenzfall", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Rauchtabakindustrie, Michael von Foerster. Es sei zu befürchten, dass weitere Verbotsmaßnahmen für "gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten und gesundheitlich riskante Produkte" folgen. "Heute geht es gegen Sexismus und Tabak, morgen gegen Alkohol, Zucker, Lebensmittelfette, Extremsportarten und Individualverkehr", sagte von Foerster. "Politiker dürfen aber nicht zu Tugendwächtern werden."
Zentralverband der Werbewirtschaft: Grundregel freier Märkte würde außer Kraft gesetzt
Ähnlich äußerte sich der Zentralverband der Werbewirtschaft. "Die Umsetzung der Gesetzespläne wäre eine Zäsur", sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Parteina. "Erstmals soll in Deutschland die Marktkommunikation für ein legal hergestelltes und legal vertriebenes Produkt vollständig ausgeschaltet werden." Damit wäre eine Grundregel freier Märkte außer Kraft gesetzt.
Werbewirtschaft erwartet keinen Rückgang der Raucherquote
Einen Rückgang der Raucherquote durch die künftig eingeschränkte Werbung erwartet die Werbewirtschaft nicht. Die Zahl der jugendlichen Raucher habe sich in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Diese Entwicklung habe sich bei gleichbleibenden Werbeinvestitionen vollzogen. "Ein Werbeverbot wird keinen Raucher zum Nichtraucher machen und auch nicht dazu führen, dass jemand mit dem Rauchen erst gar nicht beginnt", sagt Parteina.
Auch Warnbilder und aufklärende Texte auf Verpackungen kommen
Erst kürzlich wurde per Gesetz die Umsetzung der 2014 ausgehandelten EU-Richtlinie für Tabakprodukte in Deutschland beschlossen. Danach müssen ab Mai 2016 künftig zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigaretten- und Drehtabakverpackungen für kombinierte Warnbilder und aufklärende Texte reserviert sein – weit mehr als bisher schon. Die geplante Ausweitung des Werbeverbots wird in einem separaten Gesetz geregelt.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
Zitiervorschlag
Kabinett beschließt Tabakwerbeverbot – Scharfe Kritik aus Wirtschaft . beck-aktuell, 20.04.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/177521)



