Direkt zum Inhalt
Direkt zum Inhalt

Suche nach Winterkorn-Nachfolger – Berichte zu Sammelklagen in USA

Berufe mit Haltung

VW ringt nach dem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn wegen der Abgas-Affäre um Orientierung und ist in den USA und Kanada einer Flut von Sammelklagen ausgesetzt. Ökonomen fürchten erheblichen Schaden für die deutsche Wirtschaft. Der Ruf nach Überprüfung anderer Hersteller wird immer lauter.

Flut von Sammelklagen gegen VW in USA und Kanada

Weltweit wurden nach VW-Angaben rund elf Millionen Motoren mit einer Software ausgestattet, die die Messung des Ausstoßes von Stickoxiden manipulierte. Er sei “fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, hieß es in der Rücktrittserklärung Winterkorns. Welche Modelle genau von den Problemen betroffen sind, konnten die Wolfsburger bis dato nach wie vor nicht genau sagen. Die längerfristigen Folgen der Affäre bleiben weiter kaum absehbar. Medienberichten zufolge rollt auf VW in den USA und Kanada eine Flut von Sammelklagen zu. Rund 40 solcher Klagen sind dort nach Informationen des "NDR" und der “Süddeutschen Zeitung“ inzwischen bei Gerichten eingereicht worden. Kläger sind demnach vor allem private Autokäufer, in einem Fall auch ein Autohändler. VW würden Betrug, Vertragsbruch und weitere Gesetzesverstöße vorgeworfen, hieß es. Das Unternehmen habe bisher “keine Kenntnis, wann, wo, wie welche Klage anhängig ist“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Grüne fordern Überprüfung auch anderer Autobauer

In den USA droht Volkswagen eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar durch die US-Umweltbehörde EPA. Das Justizministerium in Washington soll wegen möglicher strafrechtlicher Vergehen ermitteln. Auch in Deutschland nimmt die Justiz Volkswagen mittlerweile ins Visier. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig gingen Strafanzeigen ein, die Behörde startete Vorermittlungen. Auch Volkswagen selbst erstatte Anzeige. Wer von den Manipulationen wann im Konzern wusste, ist aber weiterhin unklar. Interne Untersuchungen laufen. Über den Skandal ist die ganze Industrie ins Zwielicht geraten. In vielen Ländern beschäftigt das Thema die Politik, Sonderprüfungen werden verlangt. Zudem steht auch die Frage im Raum, ob andere Hersteller ebenfalls bei der Abgasmessung getrickst haben könnten. Die Grünen im Bundestag fordern von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Überprüfung auch anderer Autobauer.

Ökonomen fürchten um Ruf deutscher Exportprodukte

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) rechnet in der VW-Abgas-Affäre mit weiteren personellen Konsequenzen in den nächsten Tagen. “Wir verlangen auch die Konsequenzen“, sagte Lies, der Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, im Bayerischen Rundfunk. “Es geht um die gesamte Struktur bei Volkswagen.“ Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte im ARD-“Morgenmagazin“: “So etwas darf sich bei Volkswagen nicht wiederholen.“ Ökonomen fürchten bereits um den Ruf deutscher Exportprodukte. “Wir erleben, wie in der Finanzkrise, dass ein Vorfall systemische Krisenqualität erlangt hat“, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, dem “Handelsblatt“ – und sprach von einer “Teilentwertung“ der Marke “Made in Germany“.