Weniger Gewaltkriminalität, mehr tatverdächtige Kinder

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Weniger Gewaltkriminalität, mehr tatverdächtige Kinder. beck-aktuell, 20.04.2026 (abgerufen am: 20.04.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/196591)
Weniger Gewaltkriminalität, weniger Tatverdächtige und weniger Straftaten insgesamt – das ist das Ergebnis der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2025. Warum trotzdem nicht alles gut ist.
Insgesamt hat die Polizei im Jahr 2025 bundesweit rund 5,5 Millionen Straftaten registriert – laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) entspricht das einem Rückgang von 5,6% im Vergleich zu 2024. Auch die Zahl der Tatverdächtigen insgesamt ist um 5,9% auf circa 2,05 Millionen gesunken. Ein Rückgang um 4,7% ergibt sich, wenn man Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis herausrechnet, sodass das Minus nicht nur auf die Teillegalisierung des Rauschmittels zurückzuführen ist.
Bei der Aufklärungsquote ist das Niveau nahezu unverändert geblieben. Sie liegt bei rund 3,2 Millionen aufgeklärten Fällen bei 57,9% (2024: 58%).
Auch die Zahl der Fälle von Gewaltkriminalität ist erstmals seit 2021 wieder leicht gesunken, nämlich um 2,3%. Die Anzahl der Tatverdächtigen ging hier ebenfalls zurück (-2,6%), insbesondere bei Jugendlichen (-7,4%) und Zuwanderern (-7,2%). Allerdings gab es 3,3% mehr tatverdächtige Kinder. Und: Nichtdeutsche Tatverdächtige sind bei der Gewaltkriminalität mit 42,9% weiterhin deutlich überrepräsentiert.
Die schlechte Nachricht: Die Ergebnisse der zeitgleich durch das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Opferbefragung "Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024" (SKiD) zeigen, dass besonders junge Menschen von Gewaltstraftaten betroffen sind – mit steigender Tendenz. So sind bei der aktuellen Erhebung 8,5% der Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren Opfer einer Körperverletzung geworden, ein Anstieg um 5,4% gegenüber der Befragung aus dem Jahr 2020 und damit mehr als eine Verdopplung.
Mehr Vergewaltigungen
Die Zahl der in der PKS für 2025 erfassten Sexualdelikte bleibt hoch. Ins Auge fällt der Anstieg der Vergewaltigungen, der bei 9% liegt. Seit 2018 sind die Fallzahlen in diesem Bereich um rund 72% gestiegen. Als Tatverdächtige weist die Statistik überwiegend Freunde oder Bekannte sowie (ehemalige) Partner aus und zu 98,6% Männer.
Die SKiD-Ergebnisse zeigen, dass Frauen insgesamt deutlich häufiger von Sexualdelikten betroffen sind als Männer. Besonders betroffen: junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren. Und: nach wie vor ist die Anzeigequote bei Sexualdelikten besonders gering – sie lag bei sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung 2023 bei 6,2%; bei körperlicher sexueller Belästigung bei 2,6%.
Die deutsche Gesellschaft sei für Frauen nicht so sicher, wie sie es sein sollte, kommentierte Hamburgs Innensenator Andy Grote, Vorsitzender der Innenministerkonferenz, das Ergebnis. Betroffene seien noch besser zu schützen. Der hohe Anteil der Beziehungsgewalt zeige, dass es weiterhin den Mut der Frauen zur Anzeige braucht, aber auch die Entschlossenheit des Rechtsstaats. "Als Innenministerkonferenz wollen wir im Hamburger Vorsitzjahr spürbare Verbesserungen erreichen, damit Frauen ihr Recht und Täter ihre Strafe bekommen."
Straftaten im Zusammenhang mit kinderpornografischen Inhalten sind laut PKS zwar zurückgegangen (-2,7%), sie bleiben aber auf hohem Niveau. Straftaten im Zusammenhang mit jugendpornografischen Inhalten stiegen dagegen weiter an (+19,9%). Bei den Jugendlichen, die pornografische Inhalte verbreiten, handelt es sich oftmals um sogenannte Selbstfilmende.
Mehr Auslandstaten bei Cybercrime und Betrug
Die Zahl der Messerangriffe insgesamt ist ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres geblieben (+0,8%). Bedrohungen mit einem Messer haben hingegen um 9,5% zugenommen. Auf einen Höchststand seit 2016 gestiegen sind die Fälle von Gewaltkriminalität unter Schusswaffengebrauch.
Rauschgiftkriminalität bleibt nach der Statistik ein drängendes Problem in Deutschland. Zwar waren 27,7% weniger Rauschgiftdelikte insgesamt zu verzeichnen, das hängt aber mit der Cannabis-Teillegalisierung zusammen. Angestiegen ist vor allem die Zahl der Delikte mit neuen psychoaktiven Stoffen (+25,5% gegenüber 2024).
Die im Inland registrierten Fälle sind bei Betrug (-8,4%) und Cyberkriminalität (-4,1%) zwar rückläufig, im Gegenzug steigen jedoch die aus dem Ausland heraus begangenen Taten deutlich an (Betrug: +7%, Cyberkriminalität +3%). Bei Betrug nähert sich die Anzahl der Inlands- und Auslandtaten und die Schadensumme zunehmend an. Im Bereich der Cyberkriminalität übersteigt die Anzahl der Auslandstaten bereits die der Inlandstaten.
Nach den Ergebnissen der Dunkelfeldstudie SKiD war bereits jede fünfte Person Opfer von Delikten aus dem Bereich der Cyberkriminalität. Datenmissbrauch sowie Waren- und Dienstleistungsbetrug im Internet sind dabei die häufigsten Delikte, die auch im Vergleich zur vorherigen Erhebung 2020 signifikant zugenommen haben.
Sicherheitsgefühl weiterhin hoch
Die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie SKiD zeigen, dass das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung grundsätzlich hoch ist. Bezogen auf die Wohngegend hat es sich nachts gegenüber 2020 leicht erhöht (+2% auf 74%). Rund 45% der Menschen fühlen sich jedoch nachts besonders im Öffentlichen Nahverkehr unsicher. Noch geringer ausgeprägt ist das Sicherheitsempfinden an Bahnhöfen (27%), öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen (40,1%) sowie Parks (22,8%).
Die Kriminalität verändere sich – "sie wird digitaler, internationaler und in manchen Bereichen auch brutaler", sagte BKA-Präsident Holger Münch. Sicherheit sei kein Selbstläufer. "Deshalb müssen wir Kriminalität früh erkennen und wirksam bekämpfen. Durch die nun zusätzlich zu den Hellfelddaten der PKS veröffentlichten Ergebnisse der Dunkelfeldstudie 'Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024' haben wir insgesamt ein umfassenderes Bild und klare Hinweise zur Kriminalitätsentwicklung in Deutschland und können unsere Bekämpfungsstrategen weiter anpassen."
- Redaktion beck-aktuell, bw
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Weniger Gewaltkriminalität, mehr tatverdächtige Kinder. beck-aktuell, 20.04.2026 (abgerufen am: 20.04.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/196591)



