Mafiafreund soll Tatwaffe beseitigt haben

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Mafiafreund soll Tatwaffe beseitigt haben. beck-aktuell, 19.10.2026 (abgerufen am: 19.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/208021)
Entsiegelte US-Gerichtsdokumente rücken einen Drogendealer mit Mafiakontakten ins Zentrum der Doppelmorde von 1994. Sein Bruder will ihn in jener Nacht mit Blut an den Händen gesehen haben. Die Mordwaffe fehlt bis heute.
Mehr als 30 Jahre nach den Morden an Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman werfen kürzlich entsiegelte US-Gerichtsdokumente ein neues Licht auf den wohl berühmtesten Strafprozess der amerikanischen Geschichte. Wie Fox News unter Berufung auf Recherchen der New York Times berichtet, soll ein vorbestrafter Drogenhändler mit Verbindungen zur Mafia dem früheren Footballstar O.J. Simpson bei der Beseitigung der Mordwaffe geholfen haben.
Joseph "Joey" Ippolito aus New Jersey war ein enger Vertrauter von Al Cowlings, Simpsons bestem Freund seit gemeinsamen Highschool-Tagen. Ein im Dezember 1996 verfasstes und nun entsiegeltes Memorandum der US-Bundesanwaltschaft beschreibt Ippolito als "bemerkenswerte Informationsquelle". Er habe den Ermittlern Hinweise auf Simpsons mutmaßliche Beseitigung der Tatwaffe geliefert. Das Messer selbst wurde nie gefunden.
Bruder schildert Nacht der Morde
Ippolitos Bruder Sam ging gegenüber der New York Times noch weiter. Joey habe am Abend des 12. Juni 1994 die gemeinsame Wohnung in Los Angeles verlassen, um einem Freund zu helfen. Gegen Mitternacht sei er mit einer Tasche zurückgekehrt, in der sich ein schwerer Gegenstand befunden habe. An seinen Händen sei Blut gewesen. Joey habe seine Kleidung in die Tasche gestopft und Sam gebeten, sie zu entsorgen. Der warf den Beutel eigenen Angaben zufolge in einen Müllcontainer an der Doheny Drive. Außerdem will Sam ein Telefonat seines Bruders mit Cowlings mitgehört haben, in dem Joey gesagt habe, er sei Simpson "zur Hilfe" geeilt.
Im Mai 1994 war Joey Ippolito aus einer Haftanstalt in Florida geflohen – per Limousine, wie sein Anwalt später vor Gericht einräumte. Nach seiner erneuten Festnahme im August 1995, kurz vor Ende des Simpson-Prozesses, wurde er zum Kronzeugen der Bundesbehörden. Im Rahmen eines Kooperationsabkommens gab er seine Informationen zum Fall Simpson weiter, wie aus den nun zugänglichen Unterlagen hervorgeht.
Der damalige Bundesanwalt David Kelley bestätigte der New York Times, Ippolito habe von einem verborgenen Messer auf Simpsons Grundstück gesprochen. Kelley betonte zugleich, er glaube nicht, dass der Informant selbst an den Morden beteiligt gewesen sei.
Zweifel an der Glaubwürdigkeit
Sam Ippolitos Aussagen stehen auf wackligem Fundament. Nachdem er monatelang an seiner Version festgehalten hatte, verlangte er von der Zeitung eine Bezahlung. Anschließend versuchte er, seine Angaben zurückzuziehen. Er könne nicht mehr unterscheiden, was er tatsächlich erlebt und was er sich eingeredet habe. Freunde und Angehörige Joey Ippolitos wiesen jede Beteiligung an den Morden zurück.
Auch die frühere Anklagevertreterin Marcia Clark erklärte, sie habe nie von Ippolito gehört. Hätte jemand mit ihm gesprochen und dabei glaubwürdige Hinweise erhalten, wäre sie darüber informiert worden.
Simpson war im Oktober 1995 vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Ein Zivilgericht hielt ihn später für den Tod der beiden Opfer haftbar. Er starb im April 2024 im Alter von 76 Jahren. Joey Ippolito war bereits 2006 verstorben.
Die Polizei von Los Angeles teilte der New York Times mit, der Doppelmord bleibe ein offener Fall. Da es nie eine Verurteilung gegeben habe, bestehe die Pflicht, möglichen neuen Spuren nachzugehen.
- Redaktion beck-aktuell, hg
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