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Doppelmord an Ehefrau und Sohn vorgeworfen

Gericht hebt Mordurteile gegen Ex-Anwalt auf

„Das unsichtbare Recht“

Der brisante US-Kriminalfall um Alex Murdaugh geht weiter: Ein Gericht hebt ein Urteil wegen Mordes an seiner Ehefrau und seinem Sohn auf – und rückt eine Gerichtsmitarbeiterin in den Fokus.

Der Fall um den wegen Doppelmordes an seiner Ehefrau und seinem Sohn verurteilten US-Bürger Alex Murdaugh wird neu aufgerollt. Das Oberste Gericht des Bundesstaates South Carolina hob den Schuldspruch auf, weil eine Gerichtsmitarbeiterin die Geschworenen in "eklatanter Weise" versucht habe, von der Schuld Murdaughs zu überzeugen – und so ein faires Verfahren unmöglich gemacht habe. Wie aus dem Urteil hervorgeht, soll es zudem Fehler bei der Beweisführung gegeben haben.

Der Doppelmordprozess gegen Murdaugh hatte in den USA für viel Aufsehen gesorgt, das Verfahren wurde teils stundenlang im Fernsehen übertragen. Murdaughs Ehefrau (52) und der gemeinsame Sohn (22) waren im Juni 2021 tot auf dem Grundstück der Familie aufgefunden worden. Im Zeugenstand war der ehemalige Anwalt wiederholt in Tränen ausgebrochen und hatte seine Unschuld beteuert. Er gab aber zu, immer wieder gelogen zu haben.

Mitarbeiterin wollte Auflage ihres Buches steigern

Schließlich befand die Jury Murdaugh wegen Doppelmordes für schuldig – er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. In einem separaten Verfahren war er bereits wegen Vergehen wie Geldwäsche und Betrug zu 27 Jahren Haft verurteilt worden. Dieser Schuldspruch ist weiterhin in Kraft.

Brisant ist die Rolle der Gerichtsmitarbeiterin Rebecca Hill auch deshalb, weil sie ein Buch über den Mordprozess schrieb. Eine weitere Mitarbeiterin sagte vor Gericht aus, Hill wolle sich von den Einnahmen ein Haus am See kaufen, und ein Schuldspruch sei der beste Weg, um die Auflage zu steigern. Sie habe zudem unangemessen engen Kontakt zu einem Geschworenen gehabt – der anschließend auffällig ähnliche Positionen wie Hill vertreten habe.

Sie stritt dem Gericht zufolge ab, einen Schuldspruch für eine höhere Auflage erwirken zu wollen. Allerdings gab Hill zu, besorgt zu sein, dass Murdaugh wegen des guten Rufes seiner Familie in der Gemeinde freigesprochen werden könnte. Das Buch mit dem Titel "Hinter den Türen der Justiz: Die Murdaugh-Morde" wurde dem Gericht zufolge mittlerweile aus dem Verkauf gezogen – Hill hatte Teile davon plagiiert.