Direkt zum Inhalt
Direkt zum Inhalt
Hollywoodreife Flucht über das Dach

JVA-Ausbruch gibt Rätsel auf

EIne Hand hält einen Gitterstab, der vor einem Fenster verläuft. Im Hintergrund ist ein mehrstöckiges Gebäude zu sehen.
Häftling weg - aber wie? © Sinuswelle / Adobe Stock

Mitten in der Nacht klettert ein Häftling über die Fassade der JVA Duisburg-Hamborn auf das Dach – und verschwindet spurlos. Noch zu klären ist, wie einer der Gitterstäbe vor seinem Fenster verschwand und wie ihm das waghalsige Klettermanöver gelang.

Mit einem hollywoodreifen Ausbruch ist ein 35 Jahre alter Untersuchungsgefangener am frühen Sonntagmorgen gegen 3.20 Uhr aus der JVA Duisburg-Hamborn entkommen. Das teilte das Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen am gleichen Tag mit. Von dem Mann gab es am frühen Vormittag keine Spur, wie ein Sprecher der Duisburger Polizei bestätigte. Die Fahndung laufe.

Der wegen Diebstahlverdachts inhaftierte Mann habe einen der Gitterstäbe vor dem Fenster seiner Zelle im dritten Stock des Gebäudes auf bisher unklare Art entfernt – möglicherweise durchgesägt, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Dann habe er die weitere Feinvergitterung vor dem Fenster beiseite gedrückt, sei durch den sehr schmalen Spalt geklettert und offenbar über das Dach geflohen. Zuvor müsse er außen über die Fassade vom dritten in den vierten Stock geklettert sein und auch noch die Sicherung der Dachkante überwunden haben, sagte der Sprecher.

Der Mann saß laut Ministerium wegen eines Diebstahlsvorwurfs seit dem 10. Februar in Untersuchungshaft. Ende Mai sei er wegen zwei Wohnungseinbrüchen mit hohem Schaden zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dieses Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Justizminister in Erklärungsnot – Opposition übt Kritik

"Der heutige Ausbruch ist absolut inakzeptabel. Die oberste Priorität hat jetzt die schnelle Ergreifung des flüchtigen Untersuchungshäftlings", erklärte NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Bündnis90/Die Grünen). Parallel müsse der Vorfall umfassend aufgeklärt werden.

Ein Sicherheitsexperte des Ministeriums sei bereits vor Ort in der Anstalt und habe die Ermittlungen aufgenommen. "Wir werden lückenlos aufklären, wie diese Sicherheitslücke entstehen konnte, um aus den Ergebnissen umgehend die notwendigen Konsequenzen zu ziehen", kündigte der Minister an.

Die rechtspolitische Sprecherin der oppositionellen SPD-Landtagsfraktion, Sonja Bongers, verlangte Antworten. "Bei seiner Flucht aus der JVA Duisburg-Hamborn soll der Häftling einen Gitterstab vor seinem Zellenfenster durchgesägt oder auf andere Weise entfernt haben. Ein Gitterstab verschwindet aber nicht von allein. Justizminister Limbach muss erklären, wie der Mann an das nötige Werkzeug gelangen konnte und weshalb die baulichen und technischen Sicherungen seine Flucht nicht verhindert haben", erklärte sie.