Türkische Regierung gibt “Blankoscheck“ für Folter

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Türkische Regierung gibt “Blankoscheck“ für Folter. beck-aktuell, 25.10.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/168396)
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Fälle von Folter in der Türkei dokumentiert und der Regierung zugleich Tatenlosigkeit vorgeworfen. In einem am 25.10.2015 veröffentlichten Bericht dokumentiert die Organisation 13 Fälle von Folter und Misshandlung in Polizeigewahrsam nach dem Putschversuch vom 15.07.2016. Demnach wurden die Insassen mutmaßlich geschlagen, sexuell missbraucht, in schmerzhaften Positionen gehalten und ihnen wurde die Vergewaltigung von Verwandten angedroht. Auch die Deutsche Welle führte Interviews mit Folteropfern.
Schutzmaßnahmen gegen Folter gefordert
HRW forderte, die türkische Regierung müsse Schutzmaßnahmen gegen Folter wieder in Kraft setzen, die während des Ausnahmezustands ausgehebelt worden seien. So seien per Dekret umstrittene Maßnahmen erlassen worden, die Folter begünstigen. Etwa dürfen Verdächtige 30 statt vier Tage in Polizeigewahrsam festgehalten werden, bis sie einem Haftrichter vorgeführt werden müssen. Der Kontakt zu einem Anwalt darf ihnen bis zu fünf Tagen verwehrt werden. Die Regierung stelle den Behörden damit einen “Blankoscheck“ aus, um “Inhaftierte zu foltern und zu misshandeln wie sie wollen“, sagte Hugh Williamson, Direktor der Europa und Zentralasien Abteilung. HRW dokumentiert in ihrem Bericht Foltervorwürfe in Polizeigewahrsam in der Hauptstadt Ankara, in Istanbul, sowie in Urfa und Antalya. In mehreren Fällen habe die Polizei offenbar Geständnisse erpressen wollen.
Beschuldigten wird oft Recht auf eigenen Anwalt verweigert
Einige Insassen seien wegen des Vorwurfs der Gülen-Unterstützung festgenommen worden, andere wegen mutmaßlicher Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. HRW beruft sich dabei auf Aussagen ehemaliger Insassen, Anwälte und Ärzte. Ein Insasse in Istanbul berichtete demnach seinem Anwalt: “Sie rissen mir die Kleider vom Leib und zerrissen sie. Sie drohten mir, während sie meine Sexualorgane quetschten und schlugen mich auf widerwärtige Weise. Einer sagte, ich habe deine Mutter hierher gebracht und vergewaltige sie vor dir, wenn du nicht redest.“ Ein Lehrer in Antalya sei so stark geschlagen worden, dass ein Stück des Dünndarms entfernt werden musste, heißt es weiter in dem Bericht. In vielen Fällen werde den Insassen die Konsultation eines eigenen Anwalts verweigert. Stattdessen würden Pflichtverteidiger eingesetzt, die oft unerfahren seien und sich leicht einschüchtern ließen. Ärzte seien zudem dazu gezwungen worden, Berichte zu unterschreiben, in denen Folter und Misshandlung verschwiegen wird.
Folteropfer mit Stricken an Geschlechtsteilen durch den Raum gezogen
Die Deutsche Welle, die ebenfalls Interviews mit zwei Folteropfern führte, teilte mit, ein 31-Jähriger habe die Zeit im Polizeigewahrsam in Istanbul als “reine Hölle“ beschrieben. “Sie haben uns mit Stricken an unseren Geschlechtsteilen durch den Raum gezogen“, erzählte er demnach. Man habe ihm vorgeworfen Unterstützer der PKK zu sein. Die Polizei habe ihn zwingen wollen, Namen zu nennen. Eine spätere Beschwerde des Mannes sei ignoriert worden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte bereits in einem Bericht vom Juli Foltervorwürfe gegen die Regierung erhoben. Daraufhin hatte Erdogan erklärt, es gebe null Toleranz für Folter. Vergangene Woche bemängelte Amnesty, dass die Regierung die Vorwürfe über Folter und Misshandlung nicht ernstgenommen habe.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
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Türkische Regierung gibt “Blankoscheck“ für Folter. beck-aktuell, 25.10.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/168396)



