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Legal Tech

KI-Anbieter Harvey drängt in deutsche Hörsäle

Ein Smartphone mit dem Home Screen von der KI-Software Harvey.
Neuerungen im Jurastudium mit KI-Software © Timon / Adobe Stock

Vier Hochschulen kooperieren ab dem Wintersemester mit dem US-Anbieter Harvey und geben Studierenden kostenlosen Zugang zu dessen KI-Plattform. KI-Kompetenz soll zum juristischen Handwerkszeug werden.

Wer "Harvey" hört, denkt womöglich an den Anwalt aus der TV-Serie "Suits". Tatsächlich dürfte der Name in deutschen Jurafakultäten bald eine andere Bedeutung bekommen. Das gleichnamige US-Unternehmen, das eine KI-Plattform für die Rechtsbranche betreibt, hat am Donnerstag Partnerschaften mit vier deutschen Hochschulen bekannt gegeben.

Ab dem Wintersemester 2026 erhalten Studierende an der Bucerius Law School in Hamburg, der Universität Leipzig, der Leibniz Universität Hannover und der EBS Universität für Wirtschaft und Recht kostenlosen Zugang zur KI-Plattform. Harvey wird nach eigenen Angaben von mehr als 3.000 Kunden in über 70 Ländern eingesetzt – darunter Großkanzleien wie Gleiss Lutz und Heuking.

Das Programm, Law School Program, richtet sich an Studierende, Lehrende und Verwaltung gleichermaßen. Harveys sogenannte Legal Engineers sollen Trainings und Workshops anbieten, um den Umgang mit KI-gestützter Vertragsanalyse, Recherche und Dokumentenprüfung schon im Studium zu verankern, teilte das Unternehmen mit.

KI-Kompetenz als Einstellungskriterium

Für die Hochschulen geht es auch um die Frage, wie sie ihre Absolventinnen und Absolventen auf einen Arbeitsmarkt vorbereiten, auf dem KI-Kenntnisse zunehmend erwartet werden. Der Leipziger Dekan Marc Desens verweist zudem auf das Thema Chancengleichheit: Über das Programm erhielten alle Studierenden denselben Zugang, unabhängig von ihrem finanziellen Hintergrund.

Bucerius-Präsident Michael Grünberger betont, die Zusammenarbeit gehe über den Zugang zu Technik hinaus. Es gehe darum, Lehrformate zu entwickeln, die praktische Erfahrung mit kritischer Reflexion und eigenständigem juristischem Urteilsvermögen verbänden. Florian Skupin, Executive Director Legal Technology an der Bucerius Law School, sagte, technologische Kompetenz müsse zu "echter Bereitschaft für die juristische Praxis" werden.

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40 Partnerhochschulen weltweit

Im August 2025 startete Harvey mit seinem Programm in den USA. Dort arbeitet das Unternehmen nach eigener Darstellung mit rund 60% der 20 angesehensten juristischen Fakultäten zusammen, darunter Stanford, die NYU und die University of Chicago. Anfang 2026 kamen Partnerhochschulen in Australien hinzu. Die vier deutschen Kooperationen sind die ersten in Kontinentaleuropa.

An der Leibniz Universität Hannover soll die KI-Plattform in einen neuen Studiengang namens "Micro Degree KI und Rechtswissenschaften" eingebunden werden, wie Studiendekan Felipe Temming mitteilte. Laut Prodekan Emanuel Towfigh sieht die EBS Law School in dem Programm eine Ergänzung zum klassischen Grundlagenkanon.

Der Gang in die Hörsäle dürfte dem Unternehmen auch dabei helfen, den juristischen Nachwuchs früh an die eigene Plattform zu gewöhnen – ein Prinzip, das aus der Softwarebranche wohlbekannt ist. Ob die Hochschulen die Partnerschaft nach dem ersten Jahr verlängern, bleibt aber offen.