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Kompass Karriere #4

Was, wenn ich mich beruflich für das Falsche entschieden habe?

Kompass Karriere mit Leif Schubert

Diese Woche in der Ratgeberkolumne für (angehende) Juristinnen und Juristen: "Wie gehe ich mit dem Gefühl um, beruflich das 'falsche' Rechtsgebiet bzw. den 'falschen' Schwerpunkt gewählt zu haben, Herr Schubert?"

Leif Schubert: Es ist sehr wichtig, das dann möglichst bald zu ändern. Ansonsten wird es schwer, erfolgreich zu sein. 

Zumindest wenn Erfolg richtigerweise bedeutet, zufrieden damit zu sein, was man macht, wie man es macht und wofür man es macht. Wenn einer dieser drei Punkte dauerhaft und grundlegend nicht stimmt, können wir uns schwer irgendwo hervortun und drohen zu verkümmern. Wir werden voraussichtlich länger arbeiten als jede Generation vor uns. Zu Beginn dieser Zeitspanne sollten wir uns deshalb für ein Gebiet entscheiden, das uns wirklich interessiert, am besten begeistert.

Wir müssen diese Frage auch deshalb ernst nehmen, weil juristische Berufe selten Tätigkeiten sind, die man nach acht Stunden einfach hinter sich lässt. Fast jedes juristische Berufsbild hat etwas von einem "All-in"-Beruf, der einen mindestens gedanklich auch nach offiziellem Feierabend oder am Wochenende beschäftigt. Gerade deshalb ist es gefährlich, sich früh auf etwas festzulegen, das einen innerlich leerlaufen lässt. Das zermürbt auf Dauer.

In den ersten Berufsjahren nachjustieren

In den ersten Berufsjahren lässt sich der Schwerpunkt erstaunlich gut nachjustieren. Ich kenne viele sehr erfolgreiche Juristinnen und Juristen, die mit ihrem ursprünglichen beruflichen Schwerpunkt heute nichts mehr zu tun haben. Vom M&A-Associate ins Arbeitsrecht, vom Verwaltungsrecht in die Strafverteidigung oder nach einem akademischen Ausflug ins Völkerrecht in die Schiedsgerichtsbarkeit. All das gibt es.

Es spricht für Studierende auch nichts dagegen, einen Schwerpunkt im Studium zunächst rein strategisch zu wählen. Daraus ergibt sich dann öfter auch der nächste Schritt. Das ist gut, solange es weiterhin passt. Aber wenn es das im Beruf dann nicht tut, leuchtet doch jedem ein, das ändern zu müssen. 

Mut zur Veränderung

Warum fällt es uns Juristinnen und Juristen dann bloß so schwer, die oft zufälligen Pfade unserer juristischen Vorerfahrung zu verlassen? Vermutlich sind wir in unserer juristischen Ausbildung Strukturen gewohnt, in denen Veränderung eher eingehegt als begünstigt oder gar gefördert wird. Frei nach Nietzsche durchlaufen nicht nur wir die juristische Ausbildung, sondern die juristische Ausbildung durchläuft auch uns. Viele von uns verinnerlichen bisweilen etwas Zaghaftes. Ich kenne jedenfalls nur ganz wenige Menschen, die unsere juristische Ausbildung mit mehr Mut zur Veränderung beendet als begonnen haben. 

Dieser Mut ist aber entscheidend für ein erfülltes Leben. Wir sollten das Gefühl, im falschen Rechtsgebiet gelandet zu sein, daher als wertvollen Impuls verstehen, uns selbst zuliebe mutig zu sein. Dasselbe gilt, wenn es nicht am "Was?", sondern am "Wie?" oder "Wofür?" fehlt.  Also, gerade in den ersten Berufsjahren nur Mut zur Veränderung. Dieser Mut wird mit Erfolg im Sinne dieses Beitrags belohnt werden.
 

Kompass Karriere ist die wöchentliche Ratgeberkolumne von beck-aktuell. HEUTE IM RECHT für (angehende) Juristinnen und Juristen. Expertinnen und Experten beantworten Fragen zu Jurastudium, Referendariat, Berufseinstieg und Karriere im Recht, geben Orientierung im Paragrafendschungel und klare Tipps für kluge Entscheidungen auf dem Weg in den und im Beruf. Wenn auch Sie eine Frage zu einem dieser Themen haben, schicken Sie uns diese - gern auch anonym - an redaktion@beck-aktuell.de