Lohnt sich ein LL.M. – und wenn ja, wann?

Zitiervorschlag
Jana Sáez García: Lohnt sich ein LL.M. – und wenn ja, wann?. beck-aktuell, 04.09.2026 (abgerufen am: 05.09.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/205166)
Diese Woche in der Ratgeberkolumne für (angehende) Juristinnen und Juristen: "Lohnt es sich, vor dem Berufseinstieg noch einen LL.M. zu absolvieren oder sollte man das auf später verschieben, Frau Sáez García?"
Jana Sáez García: Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für einen LL.M. lässt sich nicht pauschal beantworten, aber aus meiner Sicht gibt es eine Tendenz: In den meisten Fällen ist es sinnvoller, zunächst in den Beruf einzusteigen und einen LL.M. später, idealerweise berufsbegleitend, zu absolvieren.
Der zentrale Vorteil eines späteren LL.M. liegt in der Klarheit über die eigene Ausrichtung. Direkt nach dem ersten Staatsexamen oder LL.B. haben viele Absolventinnen und Absolventen zwar Interessen, aber noch keine Erfahrung, welches Rechtsgebiet langfristig wirklich zu ihnen passt. Ein Jahr in der Praxis hilft enorm dabei, den eigenen Schwerpunkt zu schärfen. Ein LL.M. lässt sich dann gezielter als echte fachliche Vertiefung auswählen. Zudem wird als Voraussetzung für die Zulassung zum Masterstudium oftmals auch mindestens ein Jahr einschlägige Berufserfahrung seitens der Universitäten gefordert.
Der Arbeitgeber kann unterstützen
Hinzu kommt ein praktischer Aspekt: Nicht selten unterstützen Kanzleien oder Unternehmen ihre Mitarbeitenden bei Weiterbildungen finanziell oder organisatorisch. Wer bereits gezeigt hat, dass er oder sie sich im gewünschten Rechtsgebiet engagiert, hat deutlich bessere Chancen auf solche Förderungen. Ein LL.M. wird dann Teil einer Karriereentwicklung und nicht nur ein zusätzlicher Titel.
Das bedeutet nicht, dass ein LL.M. vor dem Berufseinstieg grundsätzlich falsch ist. Er kann sinnvoll sein, wenn Sie bereits sehr klar wissen, wohin Sie fachlich wollen – etwa im internationalen Wirtschaftsrecht, in hoch spezialisierten Bereichen oder im Bereich Legal Tech. Sollte für Sie klar sein, dass Sie das zweite Staatsexamen nicht ablegen wollen, kann ein gezielt gewählter Master Ihr berufliches Profil aufbauen und den Einstieg erleichtern.
Unabhängig vom Zeitpunkt gilt jedoch: Der Mehrwert eines LL.M. entsteht nicht allein durch den Abschluss, sondern durch die inhaltliche Ausrichtung. Besonders empfehlenswert sind Programme, die über das klassische Jurastudium hinausgehen – etwa mit betriebswirtschaftlichen, internationalen oder interdisziplinären Komponenten. Solche Zusatzqualifikationen können helfen, sich von anderen Bewerbenden abzuheben und ein eigenständiges Profil zu entwickeln. Eine Option wäre auch, den LL.M. im Ausland zu absolvieren, um internationale Erfahrung zu erwerben oder auszuweiten.
Kompass Karriere ist die wöchentliche Ratgeberkolumne von beck-aktuell. HEUTE IM RECHT für (angehende) Juristinnen und Juristen. Expertinnen und Experten beantworten Fragen zu Jurastudium, Referendariat, Berufseinstieg und Karriere im Recht, geben Orientierung im Paragrafendschungel und klare Tipps für kluge Entscheidungen auf dem Weg in den und im Beruf. Wenn auch Sie eine Frage zu einem dieser Themen haben, schicken Sie uns diese - gern auch anonym - an redaktion@beck-aktuell.de.
Die vorherige Kolumne finden Sie hier: Kompass Karriere #13: Nach welchen Kriterien wähle ich meinen Schwerpunktbereich? (Prof. Susanne Hähnchen)
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Jana Sáez García: Lohnt sich ein LL.M. – und wenn ja, wann?. beck-aktuell, 04.09.2026 (abgerufen am: 05.09.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/205166)



