Gericht beendet Washingtons absurdeste Strafverfolgung

Zitiervorschlag
Gericht beendet Washingtons absurdeste Strafverfolgung. beck-aktuell, 05.10.2026 (abgerufen am: 05.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207136)
Das Tatmittel: ein Finger. Der Tatort: Trumps missglückte Pool-Sanierung. Ein Richter hat die Anklage gegen den Ex-Olympioniken David Hearn nun dauerhaft abgewiesen – mit einer vielsagenden Begründung.
Ein Richter am D.C. Superior Court hat die Strafverfolgung des früheren Olympia-Kanufahrers David Hearn am vergangenen Donnerstag endgültig beendet – mit einer 26-seitigen Entscheidung und Begründung, die viel aussagt über den Zustand des amerikanischen Rechtsstaats im Jahr 2026. Dies berichtet u. a. der US-Sender NPR.
Der 67-Jährige aus Bethesda in Maryland, der die USA bei drei Olympischen Spielen im Wildwasser-Kanu vertreten hatte, war im Juni festgenommen worden. Er hatte bei einer Radtour am Lincoln Memorial angehalten und die neue blaue Beschichtung des berühmten Wasserbeckens berührt, die sich in Stücken ablöste. Der Vorwurf: schwere Sachbeschädigung an Bundeseigentum. Es drohten bis zu zehn Jahre Haft.
Pfusch statt Vandalismus
Ende Juli wendete sich das Blatt. Die Bundesanwaltschaft für den District of Columbia unter der von Trump ernannten Leiterin Jeanine Pirro beantragte selbst, die Anklage gegen Hearn und drei weitere Beschuldigte fallen zu lassen. Neue Berichte des Innenministeriums und des National Park Service belegten, dass die Schäden am Reflecting Pool auf eine fehlerhafte Verarbeitung der Beschichtung zurückgingen – und nicht auf Vandalismus.
Trumps Sanierungsprojekt, bei dem das historische Becken mit einer Schwimmbad-Beschichtung in "American Flag Blue" versehen worden war, hatte sich als Desaster entpuppt. Die hastig vor den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der USA aufgebrachte Farbe blätterte schon wenige Wochen nach der Fertigstellung großflächig ab.
Trump attackiert Ankläger und Beschuldigten
Präsident Trump akzeptierte das Ergebnis der Ermittlungen nicht. Er warf Pirro öffentlich vor, sie sei "eingeknickt" und habe sich "wie ein Regenschirm zusammengefaltet". Wer die Beschädigungen nicht als Vandalismus betrachte, solle zurück auf die Jurafakultät, schrieb er auf Truth Social. Auch gegen Hearn persönlich und dessen Anwalt Norm Eisen teilte der Präsident aus.
Richter Todd Edelman, der unter Obama berufen wurde, sah in diesem Verhalten den entscheidenden Grund für eine endgültige Einstellung. Der politische Druck des Präsidenten auf seine eigenen Anklägerinnen und Ankläger schaffe die Gefahr, dass ein offensichtlich unbegründetes Verfahren aus sachfremden Motiven wieder aufgenommen werde. Die Staatsanwaltschaft habe eingeräumt, den Fall gar nicht mehr zu untersuchen. Auf die Frage des Gerichts, welche neuen Beweise eine erneute Anklage stützen könnten, habe ein Staatsanwalt lediglich "philosophiert" und gesagt, er wisse nicht, was die Zukunft bringe.
Die Verteidiger Hearns nannten den Beschluss einen Sieg für die Rechtsstaatlichkeit. Das Verfahren hätte nie eingeleitet werden dürfen, erklärten sie. Hearn selbst hatte seine Erfahrung gegenüber NPR als "kafkaesk" und "orwellianisch" beschrieben.
Das Reflecting Pool ist seit der Entleerung nach dem 4. Juli eingezäunt und leer. Wann es wieder gefüllt wird, steht nicht fest.
- Redaktion beck-aktuell, hg
Zitiervorschlag
Gericht beendet Washingtons absurdeste Strafverfolgung. beck-aktuell, 05.10.2026 (abgerufen am: 05.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207136)



