"Silk Road"-Gründer Ulbricht zu lebenslanger Haft verurteilt

Zitiervorschlag
"Silk Road"-Gründer Ulbricht zu lebenslanger Haft verurteilt. beck-aktuell, 01.06.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/192891)
Der 31-jährige Gründer der größten Untergrund-Handelsplattform im Internet "Silk Road", Ross Ulbricht, soll lebenslang ins Gefängnis. Eine New Yorker Richterin entschied sich für die härteste mögliche Strafe. Bei "Silk Road" wurden über das Internet Drogen, Hacker-Software und gefälschte Ausweisdokumente verkauft. Die Plattform soll aber auch für andere illegale Aktivitäten wie Geldwäsche eingesetzt worden sein.
Ulbricht soll 184 Millionen Dollar zurückzahlen
Ulbricht wurde am 29.05.2015 auch dazu verdonnert, rund 184 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Der Betrag soll unter anderem durch den Verkauf beschlagnahmter Bestände der Digitalwährung Bitcoin erzielt werden. Eine Verkürzung der lebenslangen Haftstrafe ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Ulbrichts Anwalt stellte eine Berufung in Aussicht.
10% Provision auf mutmaßliche Milliardenumsätze
Ulbricht war bereits im Februar 2015 schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass er unter dem Decknamen "Dread Pirate Roberts" die illegale Plattform steuerte. Die Ermittler schätzten zunächst, dass über "Silk Road" illegale Drogengeschäfte im Volumen von rund 1,2 Milliarden Dollar abgewickelt worden waren. Später wurde der erwiesene Betrag in dem Verfahren auf rund 200 Millionen Dollar reduziert. Ulbricht profitierte mit einer Gebühr von üblicherweise rund zehn Prozent von den Geschäften auf der Plattform.
Vorgehen der Ermittler unklar
"Silk Road" agierte im sogenannten Deep Web oder Darknet hinter einem Schutzwall von Anonymisierungs-Servern, mit denen die Identität von Käufern und Verkäufern verschleiert wurde. Die Zahlungen per Bitcoin sollten ebenfalls dafür sorgen, dass die Geldströme nicht nachverfolgbar wären. Nach wie vor ist unklar, wie genau die Ermittler auf Ulbricht als die Person hinter "Dread Pirate Roberts" kamen. Die Erklärung, dass er ganz zu Beginn eine Spur mit einer E-Mail-Adresse hinterlassen habe, zweifelten einige Beobachter an.
Festnahme während Online-Chat
Ulbricht selbst behauptete, er habe "Silk Road" nur als "ökonomisches Experiment" gestartet und dann in andere Hände weitergegeben. Allerdings hatten die Ermittler besonderen Wert darauf gelegt, ihn mitten in einem Online-Chat festzunehmen, den er als "Dread Pirate Roberts" führte. Es war eine filmreife Aktion. Die Beamten folgten Ulbricht in eine Bibliothek, in der er das WLAN nutzte, um als "Dread Pirate Roberts" mit einem Undercover-Agenten zu kommunizieren. Ein Paar inszenierte hinter ihm einen Streit. Als Ulbricht deswegen kurz vom Bildschirm wegschaute, schubste einer der Beamten das Notebook weg, bevor Ulbricht es schließen oder sperren konnte.
Computer als entscheidendes Beweismittel
Der Computer half der Anklage, Geschworene und Gericht davon zu überzeugen, dass Ulbricht in Wirklichkeit die ganze Zeit hinter "Silk Road" steckte. Sie fanden dort ausführliche Chat-Protokolle im Namen von "Dread Pirate Roberts" vor. Außerdem fielen Ereignisse in dessen Leben wie etwa bestimmte Erkrankungen oder Reisen mit denen in Ulbrichts Alltag zusammen. An einer Stelle schrieb er zudem einem Vertrauten, er habe mehreren Mitwissern zur Sicherheit die Lüge aufgetischt, dass er die Kontrolle über "Silk Road" abgegeben habe.
Morde in Auftrag gegeben
Ulbricht soll auch versucht haben, mehrere Morde in Auftrag zu geben. Er scheint dabei zwar auf einen Trick hereingefallen zu sein, bei dem sich zunächst ein angeblicher Erpresser bei ihm meldete – und dann ein vermeintlicher Killer, der anbot, diesen auszuschalten. Richterin Katherine Forrest berücksichtigte bei ihrem Urteil aber, dass Ulbricht willig auf dieses Angebot angesprungen sei, auch wenn danach keine Hinweise auf tatsächliche Morde gefunden worden seien.
Mindeststrafe lag bei 20 Jahren
Die Mindeststrafe lag bei 20 Jahren. Ulbricht hatte das Gericht noch in der vergangenen Woche in einem Brief ersucht, ihn nicht lebenslang hinter Gitter zu schicken, weil er seine Fehler eingesehen habe. Er habe sich verändert und bitte, ihm wenigstens eine Aussicht auf einen Lebensabend in Freiheit zu lassen. Richterin Forrest ließ sich jedoch nicht erweichen. Ulbricht habe sich mit "Silk Road" bewusst über das Gesetz stellen wollen und müsse nun die Konsequenzen tragen. Vor der Verkündung der Strafe traten im Gericht auch Eltern mehrerer "Silk Road"-Kunden auf, die an Überdosen von Drogen gestorben waren. Der Vater eines 25-Jährigen sagte laut US-Medienberichten, er sei überzeugt, dass sein Sohn ohne "Silk Road" am Leben geblieben wäre.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
Zitiervorschlag
"Silk Road"-Gründer Ulbricht zu lebenslanger Haft verurteilt. beck-aktuell, 01.06.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/192891)



